Das Buch des Windes
- 224 Seiten
- 8 Lesestunden






Bandinelli ist neben Michelangelo der bedeutendste Bildhauer im Florenz der Hochrenaissance. Er war Vasaris Rivale, der alles tat, um dem Konkurrenten zu schaden. Der umfangreiche Apparat dokumentiert dies bis ins Detail und zeigt ein neues Bild. Dass Baccio Bandinelli bis in die jüngste Zeit kaum gewürdigt wurde, liegt an Vasaris Lebensbeschreibung, in der er sein eigenes, von Neid und Missgunst geprägtes Verhältnis zu Bandinelli nur mühsam kaschiert. Vasari beschreibt Bandinelli als ungehobelten Menschen mit mäßigen künstlerischen Fähigkeiten. Überdies wird Bandinelli, der seit Anbeginn seiner Karriere im Dienst der Medici gestanden hatte und beinahe zwei Jahrzehnte der Hofbildhauer Cosimos I. war, von Vasari gezielt zum negativen Konterpart des göttlichen Michelangelo stilisiert. Die Konkurrenz zwischen den beiden Bildhauern ist eines der Leitmotive des Lebenslaufs. Bandinelli habe, so Vasari, schon im Knabenalter aus purer Böswilligkeit Michelangelos Karton der Schlacht von Cascina zerstört. Seinen eigentlichen Höhepunkt findet der Künstlerwettkampf im Streit um die Kolossalskulptur des Herkules und Kakus, die als Pendant zu Michelangelos David für die Piazza della Signoria vorgesehen war.
Mit den Sangallos versammelt dieser Band die Lebensläufe der wichtigsten Architektenfamilie der Renaissance: Giuliano da Sangallo und sein Bruder Antonio da Sangallo d. Ä. begründeten den Ruhm der toskanischen Künstlerfamilie. Sie arbeiteten gemeinsam an den Entwürfen für die elegantesten Paläste in Florenz sowie Festungsbauten und neuartige Wallfahrtskirchen in der Toskana, z. B. San Biagio in Montepulciano. Ihr Neffe Antonio da Sangallo d. J. war einer der angesehensten und meistbeschäftigten Architekten im Rom der Renaissance. Zu seinen Werken dort zählt der berühmte Palazzo Farnese. Ab 1539 leitete er den Neubau von Sankt Peter und geriet dabei in heftigen Konflikt mit Michelangelo. Vasari berichtet darüber genüsslich in mehreren Anekdoten, ebenso über die vermessene Brautwahl Antonios d. J. und die Erfindung des Namens Sangallo durch Lorenzo Il Magnifico. Der Leser erfährt auch, dass Architekturmodelle eine überaus wichtige Rolle als Geschenke am Hof spielten. Mit Aristotile da Sangallo stellt Vasari einen weniger bekannten Vertreter der Familie vor, der vor allem mit Bühnenbildern für große Theateraufführungen von sich reden machte.
Dieser Band stellt vier Maler des 15. Jahrhunderts vor, die unser Bild von der Florentiner Renaissance nachhaltig geprägt haben: Sandro Botticelli gehört zu den populärsten Künstlern aller Zeiten. Vor allem die grazilen Frauengestalten seiner mythologischen Gemälde – die Geburt der Venus und der Frühling – machten ihn berühmt. Vasari setzt andere Akzente: Er erfindet eine dramatische Lebensgeschichte von Ruhm und Elend des Malers, die sich später zur Legende verfestigte. Filippino Lippi arbeitete in Botticellis Werkstatt, ehe er durch eigene Aufträge von Lorenzo de’ Medici zu einem der angesehensten Künstler seiner Zeit wurde. Vasari schätzt ihn für sein bescheidenes Wesen und seine überfließende Erfindungskraft in der Malerei. Von Cosimo Rosselli berichtet Vasari, wie er im Wettstreit mit Botticelli und anderen Malern den Papst durch den Einsatz von Gold für sich einzunehmen wusste. Alesso Baldovinetti wirkte über viele Jahrzehnte als Maler und Mosaizist in Florenz. Im Kreuzgang der Kirche SS. Annunziata schuf er die erste naturgetreue Landschaftsdarstellung der Florentiner Kunstgeschichte.
Tizians Lebensbeschreibung ist innerhalb der »Vite« Vasaris ungewöhnlich: Sie behandelt einen (damals etwa 70jährigen) Lebenden, freilich einen berühmten, den Ariost wie Aretino priesen, der für viele Päpste arbeitete, für die della Rovere wie die Gonzaga, vor allem aber für Kaiser Karl V., den er immer wieder porträtierte, auch als Ganzfigur. Wohl vermerkt Vasari – als Toskaner – mit Genuss Michelangelos kritische Äußerung nach einem Besuch in Tizians Atelier, »dass man in Venedig nicht gut zeichnen lerne«. Aber zugleich rühmt er sein Talent, seine reichen Farben und besonders seine Porträtkunst: »Auf diesem Gebiet ist er wirklich herausragend.« Tizian: vielgereist (Bologna, Rom, Deutschland), stets gesund, ein liebenswürdiger, höflicher Mann, in dessen venezianischem Haus man »unzählige Fürsten, Gelehrte und Ehrenmänner« sah. Seine Bilder hängen heute in den wichtigsten Museen der Welt.
Vasari stilisiert Michelangelo zum göttlichen Künstler und schließt die erste Ausgabe der Vite 1550 mit seiner Lebensbeschreibung ab. Es ist die umfangreichste Schilderung und Höhepunkt der ersten Edition, ehe es Vasari in der zweiten Ausgabe 1568 wagt, seine eigene Lebensgeschichte ans Ende des Werkes zu setzen. Michelangelo Buonarroti wird von Vasari als größter Künstler aller Zeiten beschrieben. Mit dem Florentiner David, der ersten freistehenden Kolossalfigur der Neuzeit, begründet Michelangelo eine neue Zeitrechnung in der Geschichte der Bildhauerei. Er ist ein Geistesverwandter der Päpste, Fürsten und Könige, die sich von ihm Kunstwerke erbitten und ihm Aufträge erteilen. In Rom entstehen Michelangelos anspruchsvollste Werke, darunter die Fresken der Sixtinischen Kapelle und die Kuppel von St. Peter. Doch Vasari verhehlt auch die Misserfolge des Meisters nicht, wie das nie fertig ausgeführte Grabmal für Papst Julius II. Vor allem seine vollendete Zeichenkunst, seine künstlerische Produktivität und Energie, die sich universell auf die Malerei, Bildhauerei und Architektur erstrecken, lassen Michelangelo zum Vorbild aller nachfolgenden Künstler werden.
Donatello ist die Ausnahme und der Testfall für Vasaris Künstlergeschichte der Renaissance, denn seine Skulpturen sind ihrer Zeit weit voraus und in ihrer Lebendigkeit und Anmut den antiken Meisterwerken ebenbürtig – das höchste Lob, das Vasari zu vergeben hat. Es kommt eigentlich nur den Zeitgenossen Michelangelos zu, die fast hundert Jahre nach Donatello gelebt haben, kurz: Donatello sprengt die von Vasari sorgsam entwickelte hierarchische Abfolge der Kunstepochen. Heutige Betrachter erfreuen sich an seiner zarten Verkündigung (Florenz, Santa Croce) und der sogenannten Madonna Pazzi (Berlin, Bode-Museum). Ein besonderer Fall ist auch die Lebensbeschreibung des Bildhauers und Architekten Michelozzo, die Vasari vor allem als Folie für seine eigene architektonische Leistung und sein Verhältnis zu Herzog Cosimo de’Medici dient. Wie viele Werke Michelozzo wirklich geschaffen hat und wie viele Vasari ihm andichtet, beschäftigt die kunsthistorische Forschung bis heute: Man vermutet, dass der Entwurf der Klosteranlage von San Marco ebenso auf ihn zurückgeht wie die Cappella del Crocifisso in San Miniato al Monte in Florenz.
Der Supplementband zur EDITION GIORGIO VASARI erschließt die gesamte Edition nach dem historischen Modell Vasaris und ist damit eine unverzichtbare Handreichung für jeden Vasari- Leser.
Uno dei più noti storici dell'arte e studiosi dell'Italia dei nostri tempi in testi selezionati – naturalmente con immagini. La copertina del libro di Alessandro Nova mostra un estratto dal famoso dipinto della "Trasfigurazione" di Raffaello, che stimola una nuova riflessione sull'opera. Nova riesce a focalizzare l'attenzione su dettagli talvolta minimi delle opere significative dell'arte rinascimentale italiana e a rendere visibili i sorprendenti grandi contesti storico-culturali. Il rapporto tra immagine e linguaggio è centrale nella sua ricerca, così come la formazione e caratterizzazione dell'artista moderno. Eros, passione, estasi nell'arte? Nova esamina esempi interessanti nella pittura e nella grafica della alta rinascenza. Infine, si dedica ripetutamente all'arte storiografo Giorgio Vasari e alle sue biografie dei più celebri artisti.