Zeitschrift für Ideengeschichte Heft XVIII/2 Sommer 2024
Eastern Underground



Eastern Underground
Bandinelli ist neben Michelangelo der bedeutendste Bildhauer im Florenz der Hochrenaissance. Er war Vasaris Rivale, der alles tat, um dem Konkurrenten zu schaden. Der umfangreiche Apparat dokumentiert dies bis ins Detail und zeigt ein neues Bild. Dass Baccio Bandinelli bis in die jüngste Zeit kaum gewürdigt wurde, liegt an Vasaris Lebensbeschreibung, in der er sein eigenes, von Neid und Missgunst geprägtes Verhältnis zu Bandinelli nur mühsam kaschiert. Vasari beschreibt Bandinelli als ungehobelten Menschen mit mäßigen künstlerischen Fähigkeiten. Überdies wird Bandinelli, der seit Anbeginn seiner Karriere im Dienst der Medici gestanden hatte und beinahe zwei Jahrzehnte der Hofbildhauer Cosimos I. war, von Vasari gezielt zum negativen Konterpart des göttlichen Michelangelo stilisiert. Die Konkurrenz zwischen den beiden Bildhauern ist eines der Leitmotive des Lebenslaufs. Bandinelli habe, so Vasari, schon im Knabenalter aus purer Böswilligkeit Michelangelos Karton der Schlacht von Cascina zerstört. Seinen eigentlichen Höhepunkt findet der Künstlerwettkampf im Streit um die Kolossalskulptur des Herkules und Kakus, die als Pendant zu Michelangelos David für die Piazza della Signoria vorgesehen war.
Widerstand mit Windeln, kreatives Nichtstun im Arbeiterstaat, partizipative Happenings in der Altstadt und opulente Collagen zur Erinnerung an den Prager Frühling: Die künstlerischen und publizistischen Strategien, die staatliche Zensur in der ČSSR kreativ zu umgehen und Räume der ästhetischen, aber auch ethischen Freiheit zu eröffnen, waren so vielgestaltig wie raffiniert. Diese »inoffizielle« Prager Szene war »hinter dem Vorhang« mitnichten abgekoppelt von Trends und Debatten des Westens. So nahm der Künstler Jiří Kolář 1968 an der documenta 4 teil, und der aus der Universität gedrängte Philosoph Jan Patočka lud zu vielbesuchten Wohnzimmerseminaren, wo er zeitgleich mit Foucault über Selbstsorge nachdachte. Hana Gründler erzählt die bemerkenswerte Geschichte dieser Parallelkultur: vom jungen ›enfant terrible‹ Václav Havel und den sozialistischen Reformhoffnungen der 60er Jahre über die brutale Niederschlagung der Proteste 1968 bis hin zur Charta 77 und der Samtenen Revolution 1989. Und sie zeichnet – ohne Widerstandskitsch – ein ungewöhnliches Porträt der Stadt Prag als Schutzort des Underground.