Ein niederländischer Historiker und Theologe, dessen Werk sich auf die Erforschung der Reformation konzentriert. Er taucht tief in die entscheidenden Momente und intellektuellen Strömungen dieser umwälzenden Epoche ein. Seine Gelehrsamkeit konzentriert sich auf die komplexen historischen und theologischen Dimensionen der Periode. Durch seine Analysen bietet er den Lesern neue Perspektiven auf die tiefgreifenden religiösen und gesellschaftlichen Veränderungen.
Das Standardwerk in einer neuen Ausgabe Für die Nachwelt ist Luther der Reformator, der Erneurer der Kirche. Er selbst sah sich ganz anders: als von Gott gebrauchtes Werkzeug zur Rettung der Christenheit vor dem noch zu Lebzeiten erwarteten Jüngsten Gericht. Mit einem Bein noch tief im Mittelalter verwurzelt sah Luther sich weniger als Handelnden denn als Getriebenen, als Sprachrohr eines nahen und überwältigenden Gottes. Luther war Mönch aus Angst, Prediger ohne Furcht und Prophet wider den Zeitgeist – ein mittelalterlicher Prophet, der das Mittelalter an sein Ende bringt.
In diesem umfassenden Band verfolgt Heiko Oberman die Kontinuitäten, die zur Reformation führten und durch sie hindurchflossen. Oberman untersucht den "erfahrungsbezogenen" Mystizismus, den "Zweifrontenkrieg", den der Wittenberger Kreis gegen Pierias und Eck führte, sowie Luthers mittelalterliche und apokalyptische Auffassung von reformatio und deren Ziel. Er beleuchtet die Vorgeschichte der "Konfessionalisierung" in der Augsburger Konfession und deren "Confutatio" durch Luthers römische Gegner. Zudem werden Zwinglis Pläne für eine göttliche Allianz im süddeutschen Raum und die destruktiven Spannungen zwischen Zwingli und Luther behandelt. Im abschließenden Kapitel beschreibt Oberman ein Modell von drei langfristigen "Reformationen", die auch als Konziliarreformation, Stadt-Reformation und calvinistische Reformation der Flüchtlinge betrachtet werden können. Die oft geleugneten und allgemein missverstandenen "Kontinuitäten" zwischen den theologischen Strömungen des späten Mittelalters, der theologischen Reformation des frühen sechzehnten Jahrhunderts und den nachfolgenden Entwicklungen werden durch präzise Details und überzeugende Einsichten ständig beleuchtet.
Das praktische Hilfsmittel für Vorlesungen und Seminare. Chronologisch geordnet finden Sie hier alle zentralen Texte der Kirchen- und Theologiegeschichte in übersetzten und kommentierten Quellen. Einleitungen bieten notwendige Informationen zum Verständnis der Texte, ohne diese selbst zu interpretieren.
Luther und Calvin. Alte und Neue Welt - Durchges. u. mit e. Nachw. v. Manfred Schulze
316 Seiten
12 Lesestunden
Die Stilisierung Martin Luthers als ersten Protestanten und deutschen Propheten gehört zu den Gründungsmythen des deutschen Protestantismus. Sein Protest gegen die 'babylonische Gefangenschaft der Kirche' wird oft als Befreiung von der päpstlichen Tyrannei und als Ausbruch aus dem finsteren Mittelalter interpretiert. Obermans Essays widerlegen diese Sichtweise und argumentieren, dass Luther nicht als einsame, revolutionäre Figur agierte, sondern im Kontext einer lebendigen spätmittelalterlichen christlichen Gesellschaft, die bereits viele reformerische Strömungen hervorgebracht hatte. Er zeigt, dass Luther trotz seiner theologischen Neuansätze und seiner Distanz zur mönchischen Lebensweise stark im spätmittelalterlichen Weltbild verankert war, einschließlich antisemitischer und apokalyptischer Elemente. Oberman unterscheidet zwischen der 'ersten Reformation', die von Wittenberg ausging und die deutschen Territorialstaaten prägte, und der 'zweiten Reformation', die von humanistisch inspirierten Protestanten in freien Städten initiiert wurde. Diese zweite Reformation, besonders in der Denkweise Calvins, bietet eine Vision eines kulturell und sozial erneuerten Europas, die Oberman als den eigentlichen Beitrag des Protestantismus zur Moderne betrachtet.
Das praktische Hilfsmittel für Vorlesungen und Seminare. Chronologisch geordnet finden Sie hier alle zentralen Texte der Kirchen- und Theologiegeschichte in übersetzten und kommentierten Quellen. Einleitungen bieten notwendige Informationen zum Verständnis der Texte, ohne diese selbst zu interpretieren.
The Emergence of a New Intellectual Climate in Europe
384 Seiten
14 Lesestunden
The book explores the evolution of academic thought from the later Middle Ages through the rise of Martin Luther and the city Reformation. It examines how intellectual developments influenced broader societal changes, highlighting the interplay between education, philosophy, and religion during this transformative period. Through a detailed analysis, it sheds light on the pivotal ideas and figures that shaped the course of history, emphasizing the significance of academic discourse in the context of cultural and religious shifts.