Scène
- 302 Seiten
- 11 Lesestunden
Hamelin/Levey/Malone/Simonot: Die außerordentliche Ruhe der Dinge Copi: Das Schlangennest Didier-Georges Gabily: Chimäre und andres Getier Mohamed Kacimi: Heiliges Land Philippe Malone: III




Hamelin/Levey/Malone/Simonot: Die außerordentliche Ruhe der Dinge Copi: Das Schlangennest Didier-Georges Gabily: Chimäre und andres Getier Mohamed Kacimi: Heiliges Land Philippe Malone: III
Es ist bereits der 10. Band der Reihe Scène, der zur Veröffentlichung ansteht: Seit 1999 sorgt die Reihe für eine wachsende Präsenz französischer Autoren im deutschen Theater. Sechs Autoren, sechs Stücke, sechs Übersetzungen, die es nicht selten ganz neu zu entdecken gilt: Nach den 45 Dramatikern, die die bisher erschienenen Bände versammelt haben, tauchen nun zum ersten Mal einige Autorennamen erneut auf: Kein Wunder, denn die Jubiläumsausgabe widmet sich erstmals einem bisher vernachlässigten Bereich, dem des Kinder- und Jugendtheaters. In den letzten Jahren haben viele französische Bühnen sich zielgerichtet auch an ein junges Publikum gewandt, wobei verstärkt arrivierte Dramatiker das Kinder- und Jugendtheater als ein weites Feld für sich entdeckten. Scène 10 stellt einige dieser Texte vor, die sich auch vor heiklen Fragen nicht scheuen. Es geht um Kindersoldaten (Philippe Aufort), um die systematische Vernichtung der Juden (Jean Cagnard) oder die Not von Straßenkindern (Daniel Danis). Eine moderne Robinsonade spielt Andersartigkeit in medialen Klischees durch (Joël Jouanneau), das klassische Märchen vom Rotkäppchen (Joël Pommerat) oder auch das Dauerthema Dickleibigkeit (Fabrice Melquiot) bekommen einen neuen Anstrich. Immer jedoch ist die Brisanz der Themen kein Vorwand für ein bloß gut gemeintes, realistisches Theater, das womöglich auf eine - für das französische Theater so typische - formale Ambition verzichtete.
Theater der Zeit. Recherchen 5
Was haben Spiderman und Hollywood mit unseren Lebensentwürfen zu tun? Warum arbeiten wir uns, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, oft an den Bildern der Kulturindustrie ab? Die Figuren in den vorliegenden Theatertexten von Scene 11 sind Fremde sich selbst und ihrer Mitwelt gegenüber. Konfrontiert mit vorgefertigten Lebensentwürfen und klischierten Rollenmustern sprechen sie eine Sprache, die sich am Rhythmus der Popmusik und am Slam, an den Automatismen von Mediendiskursen und Fernsehrepliken geschult hat. Ein hemmungsloses Spiel mit Versatzstücken, das auf komische-erschreckende Weise real klingt: Ob in der Ironisierung der sich allseits verzehrenden, sich gegenseitig auffressenden Generation der lebens- und gefühlshungrigen Konsumjünger, in der Zuspitzung gesellschaftlicher Normen zu Farce oder den Machts- und Ohnmachtsspielen einer Arbeitsgesellschaft im Umbruch. Dass sie sich dabei durch einen manifesten Sprach- und Formwillen radikal unterscheiden, öffnet den Blick auf das weite Feld französischsprachiger Dramatik heute.