Kaum eine Institution war in der Weimarer Republik so umstritten wie die Technische Nothilfe (TN). Bei großen Teilen der organisierten Arbeiterschaft als Streikbrechertruppe verhaßt, sahen staatliche Stellen, Wirtschaft, Bürgertum und nicht zuletzt prominente Sozialdemokraten in ihr ein unverzichtbares letztes Mittel zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger Betriebe im Falle „wilder“, oft politisch motivierter Streiks. Bald nach ihrer Gründung 1919 entwickelte sich die TN zu einer reichsweiten Massenorganisation, die 1924 fast 500.000 Mitglieder zählte. Als innenpolitisches Kampfinstrument gegen linksradikale Kräfte übertraf die TN noch die paramilitärischen Freikorps an Bedeutung, aus denen sie einst hervorgegangen war. Dank organisatorischer Flexibilität und aktiver Lobbyarbeit überstand das Provisorium aus Revolutionstagen nicht nur die gesamte Zeit der Republik, sondern auch das „Dritte Reich“ - und erhielt sogar mit Lummitzschs Gründung des Technischen Hilfswerks (THW) 1950 eine bis heute existierende Nachfolgeorganisation. In vorliegender Untersuchung wird nicht nur die wechselvolle Organisationsgeschichte erstmals ausführlich dargestellt, sondern es werden auch vielfältige zeithistorische Zusammenhänge aufgezeigt und bewertet.
Andreas Linhardt Bücher


Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen und daran gingen, auch die Feuerwehren in ihre Kriegsvorbereitungen einzubeziehen, waren die wesentlichen Grundlagen hierfür längst ausgearbeitet: Seit 1926 war es Deutschland offiziell erlaubt, einen zivilen Luftschutz aufzubauen. Und es waren Feuerwehringenieure, die schon frühzeitig in den Brandschutzkräften das Rückgrat der Schadensbekämpfung in einem Zukunftskrieg sahen. Um aber überhaupt als Instrument des zivilen Luftschutzes einsetzbar zu sein, organisierten die neuen Machthaber das öffentliche Feuerlöschwesen in beispiellos radikaler Weise um: Autoritäre, zentralistische Führungsstrukturen traten an die Stelle bürgerlich-genossenschaftlich geprägter Selbstverwaltungsorgane. Technische und organisatorische Probleme, an deren Lösung die Feuerwehren bisher gescheitert waren, wurden nun von zwei Reichsministerien teils in Kooperation, teils konkurrierend bearbeitet. Den durch den Luftschutz bewirkten Modernisierungsschüben stand bis zum Ende des "Dritten Reiches" ein chronisches Kompetenzgerangel innerhalb der "Kriegsspitzengliederung" als neu geschaffenes Problem gegenüber. Im vorliegenden Bericht wird dieses Kapitel deutscher Feuerwehrgeschichte in einem größeren historischen Kontext detailliert nachgezeichnet.