Jean Paul und das Buch der Bücher
- 520 Seiten
- 19 Lesestunden
Kaum etwas hat Jean Pauls Schreiben so nachhaltig inspiriert wie die Bibel. Bezüge auf das Buch der Bücher und die verschiedenen Traditionen seiner Auslegung haben in der ästhetischen Reflexion und im Erzählwerk Jean Pauls vielfältige Spuren hinterlassen. Die Studie verfolgt diese Bezüge in seinem Gesamtwerk und berücksichtigt dabei ihren bibelgebrauchs- und diskursgeschichtlichen Kontext sowie zeitgenössische Debatten. Unter Zuhilfenahme bislang unbeachteter Exzerpte und Briefe wird nachgewiesen, wie eng Jean Paul mit der zeitgenössischen Bibelforschung vertraut war und wie sehr er sich davon faszinieren ließ. Die Textanalysen konzentrieren sich auf Jean Pauls biblisch fundierte poetologische Metaphorik, die Eigenheiten seines poetischen Sprachstils, der durch Lutherbibel, Mystik und Pietismus geprägt ist, sowie auf die Parallelen zwischen ausgewählten bibelkritischen und Jean Pauls eigenen poetologischen Konzepten. Die Studie zeigt, dass der Dichter biblische Bilder, Stilregister und Textmuster fruchtbar macht und zudem Modelle aus der Bibelphilologie aufgreift, um sein Selbstverständnis als Autor und seine Erzählmodelle zu entwickeln. Sein ambivalent-provokatives Schreiben wirft auch neues Licht auf das komplexe Problem der ‚Säkularisierung‘ um 1800.
