Dieter Reinisch untersucht den irischen Republikanismus und dessen politische Ausrichtung im Kontext der linken Bewegung seit den 1970er-Jahren. Er analysiert die Geschichte der Linken in Irland, einschließlich Republikanismus, Kommunismus und sozialer Bewegungen, sowie deren Einfluss auf gesellschaftliche Veränderungen wie die gleichberechtigte Ehe und die Austeritätspolitik.
»Endlich legen sie wieder ihre Krawatten ab«, so ein Beteiligter an den Bergarbeiterstreiks von 1984/85 über die jüngsten Arbeitskämpfe in Großbritannien. »Zu brav« seien die Gewerkschaften lange Zeit gewesen, nachdem sie in der Ära Thatcher gebrochen worden waren und der neoliberalen Politik unter Blair kaum Paroli boten. Doch 2022 brachte die Wiederkehr der Klassenkämpfe: Hunderttausende legten die Arbeit nieder – in der Logistik, im Verkehrs-, Bildungs- oder Gesundheitswesen. Die Gewerkschaften forderten Lohnerhöhungen über der zweistelligen Inflationsrate und hielten dagegen, als die Regierung Soldaten als Streikbrecher einsetzte oder ein neues Antistreikgesetz eingebracht wurde. Dieter Reinisch spannt einen Bogen von den Arbeitskämpfen der 1970er Jahre bis heute und beschreibt die Wurzeln der gegenwärtigen Krise: Von den Privatisierungen unter Tory- und Labour-Regierungen über das Brexit-Desaster bis zur inflationären Teuerung. Und er fragt nach den Fallstricken: In der Opposition profitiert die Labour Party von den Kämpfen, ohne sie zu unterstützen. Doch wird sie in der Regierung noch einmal eine antisoziale Politik ohne Gegenwehr der Gewerkschaften durchsetzen können?
Weimar-Vergleiche sind angesichts des Aufstiegs der Rechten en vogue – die Weimarer Verfassung wird oft als Problem betrachtet. Der Verfassungsrechtler Horst Dreier erläutert, warum sie besser war als ihr Ruf. Aleida Assmann widerspricht der These von Ivan Krastev und Stephen Holmes, dass der Imperativ zur Nachahmung des Westens zur Abwendung von der liberalen Demokratie führt. Caspar Nickel argumentiert, dass sich nicht nur die Ränder, sondern auch die vermeintlich liberale Mitte in ihr eigenes Milieu zurückgezogen hat. Der Philosoph Andreas Dorschel reflektiert über das Wesen der Unterbrechung. Holger Schulzes Klangkolumne behandelt Klangspielereien mit modernen digitalen Technologien. Philipp Oswalt räumt mit Bauhaus-Mythen auf, während Joseph Ben Prestel die problematische Geschichte der Palästina-Solidarität anhand neuerer Veröffentlichungen beleuchtet. Richard Schuberth entdeckt zwei Romane aus dem 19. Jahrhundert in Griechenland und zieht Bezüge zur Gegenwart. Roman Trips-Hebert untersucht die wenig bekannte Geschichte des NS-Reichssippenamts. Birgit Aschmann hinterfragt die Brauchbarkeit von "Stimmungen" als wissenschaftliche Kategorie. Dieter Reinisch berichtet über den schwelenden Nordirland-Konflikt, und Robin Detje thematisiert in seiner Schlusskolumne Wohnungsfragen.
How IRA Prisoners Shaped the Peace Process in Ireland
240 Seiten
9 Lesestunden
Focusing on Irish republican prisoners during the Northern Irish Troubles, this book explores their significant influence on the peace process while incarcerated. It highlights how these individuals navigated the challenges of internment camps and prisons, contributing to the broader political landscape and reconciliation efforts in Ireland. Through their experiences and actions, the narrative reveals the complex interplay between imprisonment and activism in the pursuit of peace.
Armed Struggle and the Construction of a Radical Nationalist Community in Northern Ireland, 1969-1998
174 Seiten
7 Lesestunden
This volume examines the critical factors and processes by which the Provisional Irish Republican movement campaign from 1969 to 1998 transformed a once acquiescent nationalist population in Northern Ireland into a counterpublic of resistance demanding national self-determination and social justice. Considering the establishment of Irish Republican community institutions, prison protests, Republican Feminism, and Provisional IRA media and communications, this volume explores the emergence of Republicanism as a mass social movement in the nationalist Catholic ghettos and rural regions of Northern Ireland in the 1970s - a development that helped to sustain the armed struggle of the Provisional Irish Republican Army for three decades. An examination of the emergence and transformative power of the counterpublic discourse and action of the Irish Republican movement, this volume provides a framework for conceptualizing counterpublics in social movement studies. As such it will appeal to scholars of sociology, history, and politics with interests in social movements and mobilization.