In der Kinder- und Jugendliteratur finden sich zahlreiche Figuren, die aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen. Dieses Ausreissen zeigt sich auf unterschiedliche Weise: Einige Charaktere überschreiten tatsächlich räumliche Grenzen und verlassen ihr Zuhause, während andere das Ausreissen nur gedanklich durchspielen. Es kann den Prozess des Erwachsenwerdens einleiten oder begleiten, für die Loslösung von den Eltern stehen oder als Flucht aus einer unzumutbaren Realität dienen. Das Motiv des Ausreissens ist vielschichtig und hat in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur an Bedeutung gewonnen. Die Beiträge des Bandes analysieren das Ausreissen in zeitgenössischen Texten und bieten didaktische Kommentare. Die behandelten Werke eignen sich als Ganzschriften für den Deutschunterricht verschiedener Jahrgangsstufen. Sie thematisieren grundlegende Probleme der kindlichen und jugendlichen Lebenswelt, schildern Abenteuer und begleiten Figuren auf ihrem Weg zur Identitätsbildung. Aufgrund ihrer ästhetischen Gestaltung bieten diese Texte reichhaltige Ansatzpunkte für literarisches Lernen. Der Band berücksichtigt sowohl Perspektiven der Kinder- und Jugendliteraturforschung als auch der Literaturdidaktik.
Sebastian Bernhardt Bücher






Zeitnutzung in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur
- 347 Seiten
- 13 Lesestunden
Welche Rolle spielt die Zeit in der Kinder- und Jugendliteratur? Wie wird thematisiert, dass Kinder Zeit oft ganz anders wahrnehmen als Erwachsene? Und wie kann das Thema Zeit literaturdidaktisch erfolgreich bearbeitet werden? Diesen Fragen gehen die Autorinnen und Autoren dieses Bandes aus literaturwissenschaftlicher und literaturdidaktischer Sicht nach. Aus ihren Antworten leiten die literaturdidaktischen Beiträge kompetenzorientierte Ansätze für den Literaturunterricht aller Altersstufen ab. Fakt ist, dass die kindliche Wahrnehmung von Zeit in der aktuellen Kinder-und Jugendliteratur explizit und in interessanten Wechselspielen zwischen Darstellendem und Dargestelltem verhandelt wird. Die kindliche Aneignung erwachsener, oftmals neoliberal strukturierter Zeitnutzungsmodelle verdichtet sich im Konflikt von absoluter Effizienz und einem Leben „in den Tag hinein“, von strategischer Planung „für die Zukunft“ und dem Wert des Augenblicks.
Historisches Erzählen in der Gegenwartsliteratur
Positionen der germanistischen Literaturdidaktik
Das Besondere an Frank Maria Reifenbergs Werken ist deren thematische und formale Vielfalt. Egal, ob Bilderbuch, anspruchsvoller historischer Roman oder dystopische Gesellschaftskritik – seine Bücher eint ihr hohes zeitdiagnostisches Potenzial. In spannenden und unterhaltsamen Geschichten greifen die Texte mit großer Sensibilität Themen wie geschlechtsbezogene Diversität, Diskriminierung, Rassismus oder die Gefahren und Perspektiven durch Künstliche Intelligenz auf. Dieser Sammelband bietet zum ersten Mal eine umfassende und systematische Analyse der Werke Reifenbergs. Im Mittelpunkt stehen dabei narratologische Besonderheiten und serielle Strukturen, historisches Erzählen, Diversität und Problemorientierung sowie die literarische Sozialisation mit Reifenbergs Werken. Besonderes Augenmerk legen die Autor*innen auf die didaktische Aufbereitung der Bücher Reifenbergs für das literarische Lernen in unterschiedlichen Klassenstufen.
Der Umgang mit erzählenden Texten und Medien spielt im Deutschunterricht eine zentrale Rolle. Dabei sollen Schüler/innen lernen, deren Darstellungsverfahren wahrzunehmen, sie mithilfe eines adäquaten Begriffsinstrumentariums zu beschreiben und ihre ästhetische Wirkung zu untersuchen. Die Formulierungen der Vorgaben in den Lehrplänen bieten Raum für weitergehende Fragen nach dem Verhältnis von narratologischen Begrifflichkeiten der Literatur- und Medienwissenschaft einerseits sowie der Theorie und Praxis des unterrichtlichen Umgangs mit erzählenden Texten und Medien andererseits. Die Beiträge des Bandes gehen der facettenreichen Frage nach, ob und wie narratologische Fachbegriffe den Deutschunterricht bereichern können.
Literarästhetisches Lernen im Ausstellungsraum
Literaturausstellungen als außerschulische Lernorte für den Literaturunterricht
Literaturausstellungen bieten zahlreiche Perspektiven für literarästhetische Erfahrungen im Raum. Literatur wird dabei nicht auf ihre Trägermedien reduziert, sondern als immaterieller Gegenstand betrachtet. Diesem Ansatz folgend untersucht Sebastian Bernhardt die didaktischen Potenziale von Ausstellungen, die Literatur mittels Szenografie in den Raum übertragen. Neben einer Systematisierung der Möglichkeiten solcher Übertragungen erschließt er die sich daraus für eine mediale Erweiterung des Literatur- und Medienunterrichts ergebenden Potenziale. Damit liefert er spezifische Einsichten in die genuin literarästhetischen Erfahrungen im Ausstellungsraum.