Ilse Aichinger Bücher
Ilse Aichingers Schriften vermitteln eindringlich ihre Erfahrungen der Verfolgung durch die Nazis aufgrund ihrer jüdischen Abstammung. Ihre Prosa zeichnet sich durch Prägnanz und starke Symbolik aus und wird oft mit Franz Kafka verglichen. In ihren Werken erforscht sie Themen wie Identität, Erinnerung und Trauma, wobei sie sich mit der psychologischen Tiefe ihrer Charaktere und deren Weltwahrnehmung auseinandersetzt. Aichinger bietet den Lesern eine einzigartige Perspektive auf die Auswirkungen historischer Ereignisse auf das individuelle Leben.







Zum 100. Geburtstag: Die verstreuten, weitgehend unbekannten Publikationen Ilse Aichingers in einem Band Heiter und ohne Trost, zornig und zärtlich zugleich: Ilse Aichingers Schreiben bewegt sich von Anfang an in solchen Spannungsfeldern. »Aufruf zum Mißtrauen« versammelt über 100 Texte Ilse Aichingers, die zwischen 1946 und 2005 in diversen Anthologien, Zeitschriften oder Tageszeitungen erschienen sind. Die Publikationen, die zu Lebzeiten Aichingers keinen Eingang in ihre Bücher gefunden haben, lassen eine Autorin sichtbar werden, die vom Essay bis zum Gedicht, von der Rezension bis zum Dialog ganz unterschiedliche Formen der Auseinandersetzung erprobt und deren entscheidendes Motiv über Jahrzehnte hinweg das Misstrauen geblieben ist: Misstrauen gegenüber der Welt, gegenüber der Sprache und vor allem gegenüber sich selbst. Zu entdecken ist dabei eine den Menschen zugewandte, erstaunlich politische Autorin, die immer auf der Seite der Leidenden steht: der »Sieger im Schatten«.
Meine Sprache und ich
- 221 Seiten
- 8 Lesestunden
Dialoge, Erzählungen, Gedichte
- 110 Seiten
- 4 Lesestunden
InhaltsverzeichnisAjax - Algebra - Auf verlorenem Posten - Der Bastard - Bauernregel - Chrigina - Erinnerungen für Samuel Greenberg - Fünf Vorschläge - Herodes - Hohe Warte - Mein Vater aus Stroh - Meine Sprache und ich - Das Milchmädchen von St. Louis - Nicht vor Mailand - Port Sing - Der Querbalken - Die Rampenmaler - Schweres Wasser - Die Schwestern Jouet Gedichte: Marianne - Gonzagasse - St. Gilgen - Dreizehn Jahre - Attersee - Alter Blick - Ihr da - Zwei Orte, zusammengelegt - Heutig - Mein Vater - Mägdemangel - Winterrichtung - Selbstgebaut - Übermorgen - Triest
Schlechte Wörter
- 133 Seiten
- 5 Lesestunden
»Die Untergänge vor sich her schleifen« Nichts ist aggressiver in Ilse Aichingers Werk als die Sammlung ›Schlechte Wörter‹. Der Band versammelt Texte, die mit einer unbeirrbaren Genauigkeit, in zwingenden Assoziationen die menschliche Existenz bedenken, bis an ihre äußersten Grenzen und Stationen. Sie wenden sich skeptisch und ohne Illusion gegen Gebote, Maximen und Devisen. »Diese Prosa hebt alles aus den Angeln, was sie anspricht und meint« (Jürgen Becker).
Ilse Aichinger zählt zu den wichtigsten Autorinnen der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Sie ist mit ihrem Roman ›Die größere Hoffnung‹, ihren Gedichten, Hörspielen und Prosastücken zu einer der überragenden schriftstellerischen Persönlichkeiten dieser Epoche geworden. Ihre Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. In diesem Buch zu Leben und Werk Ilse Aichingers interpretieren namhafte Kritiker und Wissenschaftler ihre Arbeiten. Der Band enthält mehrere Beiträge von Ilse Aichinger selbst, einundzwanzig Fotos und zahlreiche Gesamtdarstellungen und Einzeluntersuchungen zu ihrem Werk. Jedes Buch von Ilse Aichinger wird in eingehenden Rezessionen vorgestellt und aus verschiedenen Perspektiven analysiert.
Die größere Hoffnung: Nachw. v. Ruth Klüger
- 253 Seiten
- 9 Lesestunden
Ilse Aichingers 1948 erschienener Roman über rassisch verfolgte Kinder während der Hitlerzeit irritiert noch immer. In verfremdenden Bildern wird von der Angst, der Bedrohung und der widerständigen Hoffnung der "Kinder mit den falschen Großeltern" erzählt. Diese Kinder, die nach den Nürnberger Gesetzen als jüdisch oder - wie die Hauptfigur Ellen - als halbjüdisch gelten, leiden unter Isolation, Demütigung und Verhöhnung. Doch es wird auch von unnachgiebigem Widerstand berichtet: "als könne es ruhig den Kopf kosten, wenn es nur nicht das Herz kostete". Aus diesem Widerstand schöpfen die verfolgten Kinder neue Hoffnung, die über die Aussicht auf Auswanderung hinausgeht. Diese "größere Hoffnung" beinhaltet die Gewissheit, dass "irgendwann der Abschied endet und das Wiedersehen beginnt", und dass Liebe und Leiden eins werden: "Peitscht uns, tötet uns, trampelt uns nieder, einholen könnt ihr uns erst dort, wo ihr lieben oder geliebt werden wollt". Diese Hoffnung haben die Opfer ihren Mördern voraus. Der Anhang des Bandes enthält Aichingers erste Veröffentlichung, einen Text über den Jüdischen Friedhof in Wien, erstmals seit 1945 wieder abgedruckt. Mit einer 1988 gehaltenen Rede an die Jugend wird der Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlossen.
»Hör gut hin, Kleiner, / es gibt Weißblech, sagen sie, / es gibt die Welt, / prüfe, ob sie nicht lügen.« Ilse Aichingers Gedichtsammlung ›Verschenkter Rat‹ gilt seit ihrem Erscheinen als ein Höhepunkt deutschsprachiger Nachkriegslyrik. Die Aufforderung zur Unabhängigkeit, zum Nichteinverstandensein mit staatlichen, gesellschaftlichen und religiösen Erwartungen wird in schlichten, in ihrer Schlichtheit aber umso subversiveren Versen proklamiert. Von Verlust, von Trauer und von Hingabe sprechen diese Gedichte, von den verlorenen Orten der Kindheit, von Gewalt und errungener Gewaltlosigkeit, vom Glück gesteigerter Wahrnehmung und vom Widerstand, den die scheinbar einfache Betrachtung lehrt.
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