"Vernon Subutex" von Virginie Despentes ist ein viel diskutiertes Werk, das urbane Soziotope und die Neurosen der modernen Gesellschaft beleuchtet. Die Comic-Adaption von Luz bleibt der rauen Sprache und dem Stil der Vorlage treu. Zusätzlich sind die Bände in einem Schuber mit Postern und Essays erhältlich.
In der Fortsetzung der Geschichte um Vernon Subutex, einen ehemals erfolgreichen Plattenladenbesitzer, der nun obdachlos in Paris lebt, finden sich seine ehemaligen Freunde, Bandkollegen und Exfreundinnen zusammen, um ihm zu helfen. Vernon lebt auf einer Parkbank in den Buttes Chaumont und wird von anderen Obdachlosen unterstützt, während seine Freunde sich große Sorgen um ihn machen. Sie kommunizieren über Facebook und haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet, um nach ihm zu suchen. Das Café Rosa Bonheur am Park wird zu ihrem Treffpunkt und Hauptquartier. Als die lange vermissten Videobänder des verstorbenen Popstars Alex Bleach auftauchen, wird die Dringlichkeit, Vernon zu finden, noch größer. Virginie Despentes schafft es, in diesem zweiten Teil ihrer Trilogie ein eindringliches Bild der französischen Gesellschaft zu zeichnen. Sie verknüpft Themen wie Popkultur, Prostitution und Drogenabhängigkeit meisterhaft und präsentiert ein facettenreiches Panorama, das die verschiedenen Schichten der Gesellschaft beleuchtet. Die Erzählung setzt nahtlos dort ein, wo der erste Band endete, und entfaltet sich in einem dynamischen Zusammenspiel von Figuren und Handlungssträngen.
In seinen Träumen begegnet der ehemalige „Charlie Hebdo“-Zeichner Luz seinen früheren Kollegen, die bei dem Terroranschlag vom 7. Januar 2015 ums Leben kamen. Er selbst entging dem Massaker nur durch Zufall, denn er hatte an dem Tag Geburtstag und kam zu spät in die Redaktion. In einer langen, schlaflosen Nacht lässt er seine Zeit bei der französischen Satirezeitung wieder aufleben: die Persönlichkeiten, die es prägten, die hitzigen Diskussionen – und natürlich den Humor, die raffinierten Pointen wie die beiläufigen Zoten. Luz zeichnet ein intimes, ungeschminktes und höchst lebendiges Porträt von „Charlie Hebdo“ vor dem Anschlag: die getriebenen, idealistischen Journalisten und die begabten Künstler der Redaktion, kritische Geister, Respektlosigkeiten und Tabubrüche, politische Debatten und verlorene Kämpfe. Ganz nebenbei entfaltet er dabei ein Panorama Frankreichs in den Neunziger- und Nullerjahren.
Weil Luz am 7. Januar noch mit seiner Frau seinen Geburtstag feierte, kam er erst in die Redaktion von Charlie Hebdo, als die Attentäter schon auf der Flucht waren. Zeichnen konnte er erst einmal nicht mehr. Mit ›Katharsis‹ kam aber Luz zum Zeichnen zurück. In Bildern und Texten erzählt er von der Angst und dem Schrecken, von der Zeit danach, als er Charlie Hebdo als Redakteur verließ und herausfinden musste, wie es weitergehen soll: »Ich hatte jetzt das Bedürfnis, zu zeigen, wie es in meiner inneren Welt aussieht.« Dieses Buch ist überwältigend, von einer erschütternden Offenheit und bei allem von einem befreienden Humor.