Das vorherrschende Bild von Edvard Beneš, dem langjährigen Außenminister und zweiten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, ist oft negativ. Er wird als engstirniger Nationalist und sogar als Plagiator Hitlers wahrgenommen. Dieses Bild kann jedoch differenziert werden, wenn man Benešs Kritik an der deutschen Ideologie betrachtet. Das Buch stützt sich auf unveröffentlichte tschechische Quellen und beleuchtet Benešs westlichen Staatsbegriff, der sich am Individuum orientierte. Trotz der Herausforderungen durch autoritäre und völkische Bewegungen hielt er an diesem Konzept fest. Beneš erkannte früh die destruktiven Kräfte des deutschen Nationalsozialismus und unterschied ihn von anderen autoritären Systemen, wie dem italienischen Faschismus. Diese Einsichten erlangte er im Kampf gegen diese Ideologien. Seine Einschätzungen über Nationalsozialismus und Faschismus ähneln denjenigen von Franz Neumann und Hannah Arendt. Beneš verabschiedete sich von der Vorstellung, dass die in Großdeutschland unterdrückten Massen nur auf eine Gelegenheit warteten, um sich zu befreien. Auch im sudetendeutschen Exil waren völkische Ideen verbreitet, die er scharf kritisierte. Dennoch wird die Grenze seiner Einschätzungen deutlich, da er trotz seiner Ablehnung des Antisemitismus keinen eigenen Begriff desselben entwickelte.
Florian Ruttner Bücher


Sans phrase. H.11/2017
- 280 Seiten
- 10 Lesestunden
Markus Bitterolf: Vor ein paar Jahren wurden wir zum schönsten Dorf Deutschlands gewählt. Renate Göllner thematisiert den Mord an Marinus Schöberl vor 15 Jahren und fordert einen Bruch mit der Vergangenheit. Niklas Frank beleuchtet auf skandalöse und komische Weise, wie sich die Deutschen beim Entnazifizieren reinwaschen. David Hellbrück spricht über Staatsverweigerer und Reichsbürger als militante Querulanten. Karl Marx analysiert die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien, während J. E. Heufelder den Salonbolschewisten Felix Weil interviewt. Adrian Alban fragt, ob sich Schiller, Hegel und Adorno im Labor treffen würden. Gerhard Scheit betrachtet Mozarts "Clemenza di Tito" als Terror- und Flüchtlingsoper und reflektiert über den Welttheaterschwindel von 2017. Jonas Dörge thematisiert Auschwitz in einem unerwarteten Kontext. H. v. Z. bringt Weininger und Jazz zusammen. Ljiljana Radonic fragt, ob Queer noch zu retten ist, während Florian Markl den Ursprung der Israel-Boykottbewegung untersucht. Karl Pfeifer beleuchtet die Juden der arabischen Welt und Pavel Brunßen die Protokolle der Rabbis von der Westbank. Dominik Drexel diskutiert Herfried Münklers Sicht auf den Islamismus. In einer Presseschau wird populistische Außenpolitik thematisiert. Manfred Dahlmann und Christian Thalmaier reflektieren über die Logik des Kapitals. Ingo Elbe betrachtet Karl Jaspers' Konzept der nationalen Schuldgemeinschaft. Georges-Arthur Goldschmidt f