In fünf Jahrzehnten hat Volker Koepp über 60 Dokumentarfilme gedreht und zählt zu den wenigen DEFA-Regisseuren, die sich mit einem bedeutenden Œuvre in die internationale Filmgeschichte eingeschrieben haben. Sein Werk kartographiert den ostelbischen Raum zwischen Brandenburg und dem ehemaligen Ostpreußen bis hin zum Schwarzen Meer. Die Annotation beleuchtet die Entstehung eines Koepp-Films, die charakteristische „Koepp’sche Fragetechnik“ und die Rolle von Frauen vor der Kamera und im Team. Zudem wird der Einfluss von Kino und Fernsehen, Quoten und Zensur thematisiert. In Gesprächsrunden kommen Wegbegleiter zu Wort, die Einblicke in die Zusammenarbeit mit Koepp und dessen Werk geben. Dazu zählen Kameramänner, Produktionsleiter, Dramaturgen, Autorinnen, Fernsehredakteure und Protagonistinnen, die ihre Erfahrungen und Perspektiven teilen. Der Band bietet eine einzigartige Fallstudie über ein Werk, das in zwei politischen Systemen entstand und beide überdauert. Es thematisiert die Ästhetik und Ethik des Dokumentarfilms, die Produktionsbedingungen und deren Wandel sowie die Beziehung zwischen Ost und West, Poesie und Magie. Darüber hinaus wird die Verbindung zwischen Filmemachen, Freundschaft, dem Leben und dem Suchen von Pilzen erkundet.
Grit Lemke Bücher




Kinder von Hoy
Freiheit, Glück und Terror | Eine mitreißende Oral History der DDR-Musterstadt Hoyerswerda
- 259 Seiten
- 10 Lesestunden
Hoyerswerda – einst DDR-Musterstadt, in der morgens die Eltern in Schichtbussen davonrollten und die Kinder in einem Kollektiv aufwuchsen - erlangte durch die rassistischen Ausschreitungen 1991 traurige Berühmtheit. In ihrem dokumentarischen Roman verschränkt Grit Lemke die Stimmen der Kinder von Hoy zu einer mitreißenden Oral History und gibt einer Generation Gehör, für die Traum und Trauma dicht beieinanderlagen. Sie versammelt Gespräche mit Freunden und Familie und erzählt von ihrem eigenen Leben als Teil einer proletarischen Boheme um Gerhard Gundermann, die sich nachts im Kellerclub trifft und tagsüber malocht. Als nach der Wiedervereinigung Neonazis das erste Pogrom der Nachkriegszeit verüben, bleibt die Kulturszene tatenlos. Danach ist nichts mehr, wie es war …
Wir waren hier, wir waren dort
Zur Kulturgeschichte des modernen Gesellenwanderns
Die Männer und Frauen in Kluft, mit Hut, »Stenz« und Reisebündel, fallen auf. In Film und Medien sind sie mit ihren gedrechselten Sprüchen und scheinbar archaischen Riten dauerpräsent. Umweht von der Aura des Geheimen, von Pathos, Abenteuer und Exotik rühren sie an Sehnsüchte und in unserer Kultur tief verwurzelte Topoi. Welche in den Wirren von zwei Weltkriegen, deutscher Teilung, 68er Revolte und vielfältigen Emanzipationsbewegungen ins Wanken geraten. Grit Lemke erzählt Lebensgeschichten aus drei Generationen, Ost und West, von sechs Männern und einer Frau, der Älteste geboren 1908, die Jüngste 1971, »auf Tippelei« im 20. Jahrhundert. Zugleich stellt sie diese in einen politischen, sozialgeschichtlichen und kulturellen Kontext und hinterfragt wirkmächtige Narrative. Denn in der einfarbigen Kluft tritt ein buntes Volk zutage: Vagabund und treudeutscher Handwerker, Anarchist und Sozialdemokrat, gutbetuchter Meister und Autonomer, Macho und Feministin. Das 2002 erstmals veröffentlichte Buch gilt heute als Standardwerk zur Geschichte der modernen Gesell:innenbewegung. Es begleitet diese bis zum Eintritt ins neue Jahrtausend. Für die Neuauflage wurde es mit einem aktuellen Nachwort der Autorin versehen.