Der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Roman eines Schicksallosen von Imre Kertész inspirierte mich, meine eigene Geschichte niederzuschreiben. Als 14-Jähriger erlebte ich das Leben im streng organisierten Konzentrationslager, das viele Parallelen zu Kertész’ Erfahrungen aufwies. Doch ich hatte den Eindruck, dass ich alles anders erlebte als er. Dies könnte an meinem unterschiedlichen Umfeld in der Kindheit liegen. Mein starkes Streben nach Objektivität ließ mich sogar meinem Vater, der mir mehrfach das Leben gerettet hat, kritisch gegenüberstehen, während er in den letzten Tagen im Lager starb. Dieses Bedürfnis nach Objektivität beeinflusste meine Wahrnehmung von mir selbst, meinen Mitgefangenen, den Wachen und den alten bayerischen Bauern, denen ich im April 1945 kurz begegnete. Meine psychische Distanzierung war so stark, dass ich in den letzten sechzig Jahren nie vom Lager träumte. Der hochgewachsene Jugendliche, der ich damals war, trat in dem Moment, als der Güterzug über die Brücke des kleinen Grenzflusses rollte und ich das Häuschen des ungarischen Grenzpostens sah, mit einem Schlag ins Erwachsenenalter ein. Ich war zu Hause angekommen.
László Bernáth Bücher
