"Losbücher gehören zu den beliebtesten und vielseitigsten Gattungen der frühen Druckzeit. In den meisten dieser Bücher wird durch einen Zufallsmechanismus ein Spruch ermittelt, der dem Losenden eine horoskopartige Auskunft über seine Zukunft gibt. Das Straßburger Kartenlosbuch ist ein in vielerlei Hinsicht herausragender Vertreter dieser Gattung und dies nicht zuletzt deshalb, weil es an einer prognostischen Zukunftsverkündung gar nicht interessiert ist, sondern der geistlichen Unterweisung dient. Wer das Straßburger Kartenlosbuch heute zur Hand nimmt, kann den Text natürlich mit philologischem Interesse verfolgen und ihn in gewohnter Manier von Anfang bis zum Ende lesen, er kann sich aber auch auf den Mechanismus des Buches einlassen und mit Hilfe eines Stapels von Karten spielerisch in die Welt seiner Lehren eintauchen. Denn was vielleicht auf den ersten Blick wie trockene moralische Unterweisungen erscheint, wird im Akt des Spielens zur lebendigen Lehre, der sich der Leser bis heute nicht entziehen kann: Auf unterhaltsame Weise vermittelt das Losbuch die Grundlagen des christlichen Glaubens, von den Seligpreisungen über die zehn Gebote bis hin zu den Gaben des Heiligen Geistes." --
Björn Reich Bücher


Vergessene Texte des Mittelalters
- 304 Seiten
- 11 Lesestunden
Dantes Göttliche Komödie oder die Minnelieder Walthers von der Vogelweide – klangvolle Namen der mittelalterlichen Literatur. Manches davon kennt man vom Hörensagen, aus Nacherzählungen, Verfilmungen, aus der Wagner-Oper oder vielleicht aus eigener Lektüre. Aber das Mittelalter hat mehr zu bieten als diese wenigen Klassiker. Von solchen unbekannten, nicht-kanonischen Texten berichtet dieses Buch. Diese Werke haben es schlicht nicht verdient, vergessen zu werden. 19 Fachwissenschaftler für mittelalterliche Literatur stellen ihre „Lieblingstexte“ in verständlicher Sprache und mit zahlreichen Bildern versehen einer breiten Leserschaft vor. Irische Sagen, ein Loblied auf das Hausschwein und die Erzählung vom Sündenfall aus der Sicht Evas sind hier genauso versammelt wie der Bericht von der Brautfahrt Isabellas von Aragon, die Erzählung vom Ritter mit dem Adler oder eine enzyklopädische Sammlung berühmter Männer und Frauen. Bevölkert sind diese Texte mit den wunderlichsten Wesen, wie etwa dem gräulichen Meermönch oder mit Dämonen, die in ihrer Freizeit die Torah studieren. So ist eine Art Blütenlese an seltsamen, wunderbaren, skurrilen und oft genug höchst erstaunlichen Texten entstanden.