\"Alles Schreiben hat ja das Ziel, daß wir drei wieder zusammenkommen\"
Nachrichten an den Sohn Walter Kaufmann 1939–1943
Der Briefwechsel der Duisburger Familie Kaufmann ist ein einzigartiges zeitgeschichtliches Dokument. Im Zentrum stehen der Schriftsteller Walter Kaufmann und seine Eltern, der Rechtsanwalt Sally und dessen Frau Johanna. Nach dem Novemberpogrom von 1938 bringen die Eltern ihren Sohn mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit und schreiben ihm fortan regelmäßig Briefe aus Duisburg. Diese Briefe spiegeln die Sorge um Walter und die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen wider, sowie den Wunsch, in einem anderen Land neu zu beginnen. Diese Hoffnung wird jedoch nach mehr als vier Jahren zerstört. Sally Kaufmann, als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, wird von den NS-Machthabern gezwungen, die Gemeinde aufzulösen, bevor er mit dem letzten Deportationszug über Theresienstadt nach Auschwitz verschleppt wird. Sally und Johanna Kaufmann werden 1944 in Auschwitz ermordet. Walter bewahrt die Briefe seiner Eltern über acht Jahrzehnte auf, bis er sie der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz übergibt. Die Edition, bearbeitet vom Historiker L. Joseph Heid, macht die Briefe aus den Jahren 1939 bis 1943 erstmals öffentlich zugänglich. In einer umfangreichen Einleitung skizziert Heid die Familiengeschichte und thematisiert das Grauen der Nazizeit, in der die Judenheit Deutschlands und Europas tödlich bedroht war.
