Eine Ausnahmeerscheinung des europäischen Films Der Filmemacher und Autor Peter Liechti (1951-2014) war ein Virtuose der Wort- und Bildkomposition, der scharf denkend und humorvoll Menschen, Orte und Landschaften befragte und dabei stets seine künstlerische Unabhängigkeit verteidigte. Seine Filme, darunter Werke wie «Signers Koffer», «Hans im Glück» oder «Vaters Garten», wurden weit über die Grenzen der Schweiz hinaus rezipiert und vielfach ausgezeichnet. Sein radikal subjektives Schaffen, mutig und zumutend zugleich, macht ihn zu einem prägenden Vertreter des internationalen «personal cinema». Diese erste Monografie über diesen herausragenden europäischen Dokumentaristen bietet einen Überblick über sein Gesamtwerk. Sie weitet den Blick auf seine filmische und literarische Arbeit und situiert diese im internationalen Kontext. Mit einer offen essayistischen Herangehensweise treten die Autorinnen und Autoren der Beiträge in den Dialog mit Liechtis eigener (Film-)Sprache: Formal stringent und gleichzeitig spielerisch nähern sie sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln seinem Werk. Ausgewählte Texte sowie Bilder, Fotos und Fundstücke aus dem Nachlass Liechtis werden hier zum ersten Mal überhaupt veröffentlicht. Der Band erschliesst so das Werk eines aussergewöhnlichen Filmmenschen und zugleich ein bedeutendes Stück Schweizer Filmgeschichte.
Hannes Brühwiler Bücher



Mit der Frage "Are you or have you ever been a member of the Communist Party?" begann der Kalte Krieg in Hollywood. Reaktionäre Kräfte sahen ihre Chance und präsentierten die Filmindustrie als von Kommunisten unterwandert. Die Anhörungen des 'House Committee on Un-American Activities' ab Oktober 1947 wurden zu einem medialen Schauprozess, der dazu führte, dass zehn Filmschaffende, die Hollywood Ten, im Gefängnis landeten. Die Studios beugten sich dem Druck der Kommunistenjäger, und die 'Schwarze Liste' wurde institutionalisiert. In den folgenden Jahren verloren Hunderte von Filmschaffenden ihre Existenzgrundlage und fanden oft bis in die 1960er Jahre keine Arbeit mehr in der Branche. Die Essays in diesem Werk beleuchten dieses düstere Kapitel der amerikanischen Filmgeschichte und untersuchen, was dem US-Kino während dieser Hexenjagd verloren ging. Autoren analysieren das Werk von Cy Endfield, Joseph Losey, Dorothy Parker und Abraham Polonsky und bieten Texte zu etwa 20 ausgewählten Filmen sowie Kurzbiografien der wichtigsten Betroffenen. Das Blacklist-Kino ermöglichte einen kritischen Blick auf die US-Gesellschaft, der selten utopisch, aber immer präzise war. Zahlreiche, seltene Abbildungen ergänzen die Texte.
Frederick Wiseman
Das Schauspiel der Gesellschaft
Frederick Wiseman ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Dokumentarfilmer der letzten sechs Jahrzehnte. 1967 debütierte er mit TITICUT FOLLIES, einem Film über eine geschlossene Anstalt für psychisch kranke Straftäter, der über 20 Jahre nicht gezeigt werden durfte. Schon hier folgte Wiseman Grundsätzen, die sein Werk bis heute prägen: Es gibt keine gefilmten Interviews, keine erklärenden Kommentare, keine zusätzliche Musik – stattdessen eine Montage, die die einzelnen Sequenzen so ordnet, dass sie in einen argumentativen Dialog treten. Wisemans Filme nehmen nicht die Lebensumstände Einzelner in den Blick, sondern handeln von Institutionen: Schulen, Krankenhäusern, Museen, Opernhäusern, dem Militär oder ganzen Nachbarschaften. Sie werden als Mikrokosmen mit eigenen Regeln gezeigt, in denen sich größere Teile der Gesellschaft wiederfinden lassen. Die Monografie versammelt Aufsätze von internationalen Autor*innen und Filmemacher*innen, die über Wisemans umfangreiches Werk aus vielfältigen Perspektiven schreiben; außerdem ein Gespräch mit dem Regisseur – und als Rahmung zwei Texte von Frederick Wiseman selbst.