Seit vielen Jahrhunderten hat das durch einen Zaubertrick unlöslich ineinander verstrickte Liebespaar die Phantasie der Menschen beschäftigt. Aus den vielfachen französischen und deutschen Überlieferungen der Tristan-Sage hat der Romanist an der Sorbonne Joseph Bédier, ohne die alten Formen des Denkens und Fühlens mit modernen Auffassungen zu vermengen, diese Nacherzählung geschaffen. Die Holzschnitte dieser Ausgabe sind der von Anton Sorg in Augsburg im Jahre 1484 gedruckten »Historie von Tristan und Isolde« entnommen. Joseph Bédier schreibt in einer Anmerkung zu seinem Buch: »Ich habe in diesem Buch versucht, jegliche Vermischung des Alten und Modernen zu vermeiden. Die Unstimmigkeiten, die Anachronismen, die falschen Ausschmückungen auszumerzen … Niemals unsere modernen Auffassungen mit den alten Formen des Denkens und Fühlens zu vermengen: Das war mein Vorwurf, meine Arbeit und, ohne Zweifel, ach! meine Chimäre. Mein Text aber ist weither zusammengekommen, und wenn ich meine Quellen im einzelnen angeben wollte, müßte ich an den Fuß der Seiten eine solche Menge von Noten setzen, daß sie das kleine Buch belasteten und überwucherten.«
M. Joseph Bédier Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)
Joseph Bédier war ein Professor für mittelalterliche französische Literatur, dessen Forschung das moderne Verständnis altfranzösischer Texte grundlegend prägte. Er belebte das Interesse an wichtigen mittelalterlichen Werken wieder und machte sie für zeitgenössische Leser zugänglich, wobei er grundlegende Theorien für Gattungen wie die Fabliaux und Chansons de geste entwickelte. Bédiers Arbeit lieferte unschätzbare Einblicke in die literarischen Traditionen der Vergangenheit und festigte sein Erbe als Schlüsselfigur der Mediävistik. Seine Beiträge erstreckten sich auch auf umfassende Darstellungen der französischen Literatur und bekräftigten seine Bedeutung weiter.
