Robert Walser, ein deutsch-schweizerischer Prosaautor, wird für seine sprachliche Raffinesse und Lebendigkeit geschätzt. Sein Werk bewegt sich zwischen einer modernistisch geprägten Kunstliebe und einer ständigen Hinterfragung der moralischen Legitimität und praktischen Nutzbarkeit von Kunst. Walser thematisiert Spannungen zwischen stilistischer Ausgelassenheit und nachdenklicher Melancholie, zwischen Natur und Kultur sowie zwischen demokratischem Respekt vor dem Individuum und elitären Reaktionen auf Massenkultur.
Aufgrund der Intensivierung der Forschung über Robert Walser sind unbekannte Gedichte und bisher nicht eruierte Feuilletons entdeckt worden. Die über zwanzig Prosatexte zeigen, wie er in seinen Zeitungsfeuilletons den Raum "unter dem Strich" nutzte. Er wendet sich in ihnen der Gegenwart zu und distanziert sich zugleich von ihr
Robert Walsers Poetenleben ist eine Sammlung von 25 Kurzgeschichten, entlarvenden, doch mit schalkhafter Arglosigkeit vorgetragenen Episoden aus dem abenteuerlich unzeitgemäßen Alltag eines «Poeten».
Die Erzählung besticht durch ihre meisterhafte Schreibweise und hat internationale Anerkennung gefunden. Sie behandelt tiefgehende Themen und bietet komplexe Charaktere, die den Leser in eine fesselnde Welt entführen. Die Handlung entfaltet sich auf eine Art und Weise, die sowohl emotional berührt als auch zum Nachdenken anregt. Die geschickte Verknüpfung von persönlichen Schicksalen mit universellen Fragen macht das Werk zu einem bedeutenden literarischen Erlebnis.
Am Ende seiner Berner Zeit, er war fünfzig Jahre alt, hatte sich Robert Walser damit abgefunden, zum »Zeitungsschreiber« geworden zu die Buchverleger verweigerten sich seiner Produktion, aber immerhin standen ihm noch angesehene Feuilletons und Zeitschriften offen, in denen seine Glossen und erzählerischen Skizzen, Aufsätze und Gedichte in Prosa erschienen – seine ganz eigene und höchst moderne Gattung des Prosastücks, in der sich, was traditionell Literatur genannt wurde, auflöste und doch als Sprach- und Erzählexperiment immer wieder neu entstand. Zu Anfang des Jahres 1929 erlitt Walser eine psychische Krise, er gab seine vielleicht allzu unabhängige, einsame und gefährdete Existenz auf und war bis Juni 1933 Patient in der Nervenheilanstalt Waldau bei Bern. Dort setzte er, mit Unterbrechungen und in eingeschränktem Umfang, seine schriftstellerische Arbeit fort, und es entstanden noch eine Fülle von Prosastücken und Gedichten, die ihn auf der Höhe seiner Kreativität zeigen – bis zu dem plötzlichen Abbruch und Verstummen, als er gegen seinen Willen in eine andere Anstalt verlegt wurde. Dieser letzte Abschnitt seines Schaffens wird, soweit es sich um Prosastücke handelt, in diesem Band vollständig vorgelegt; überwiegend entstammen die Texte dem handschriftlichen Nachlass. – Im Anhang finden sich editorische Berichte zur Gesamtausgabe sowie ein alphabetisches Gesamtverzeichnis der kleinen Prosa Robert Walsers.
Die Texte aus den Jahren 1925 bis 1933 bieten einen tiefen Einblick in Walsers letzte Jahre in Bern und seine Zeit in der Psychiatrischen Klinik Waldau. In diesen letzten Zeugnissen seines Schaffens versucht Walser, in den wechselnden Erlebnissen und Stimmungen ein Gefühl der Selbstakzeptanz zu finden. Band 6 komplettiert die Edition „Aus dem Bleistiftgebiet“ und präsentiert die Ergebnisse mühevoller Dechiffrierarbeit, die es ermöglicht, alle unbekannten Texte aus dem umfangreichen Konvolut von 526 Blättern zugänglich zu machen.
Beim Schreiben die Schwerkraft der Sprache aufheben: vierzig Gedichte aus Robert Walsers lyrischem Frühwerk. Sie behandeln Themen und Motive,die Walsers gesamtes Werk durchziehen: Landschaftsbeschreibung und Naturwahrnehmung, Arbeit im Büro und dichterische Freiheit, Liebe und Rückzug, Zeitlichkeit und Ruhe. An Motive der Romantik anknüpfend, greifen Walsers Gedichte Themen der Moderne auf und variieren virtuos die tradierte Formensprache. Beiseit Ich mache meinen Gang; der führt ein Stückchen weit und heim; dann ohne Klang und Wort bin ich beiseit.
Robert Walser wurde am 15. April 1878 in Biel geboren. Er starb am 25. Dezember 1956 auf einem Spaziergang im Schnee. Nach seiner Schulzeit absolvierte er eine Banklehre und arbeitete als Commis in verschiedenen Banken und Versicherungen in Zürich. Seine ersten Gedichte, die 1898 erschienen, ließen ihn rasch zu einem Geheimtip werden und verschafften ihm den Zugang zu literarischen Kreisen. Nach Erscheinen seines ersten Buches Fritz Kochers Aufsätze folgte er 1905 seinem Bruder Karl nach Berlin, der dort als Maler und Bühnenbildner den Durchbruch erzielt hatte. In rascher Folge publizierte Walser nun seine drei Romane Geschwister Tanner (1907), Der Gehülfe (1908) und Jakob von Gunten (1909). Infolge einer psychischen Krise geriet Walser Anfang 1929 gegen seinen Willen in die Psychiatrie, deren Rahmen er nie mehr verlassen konnte. 1933 von der Berner Klinik Waldau nach Herisau verlegt, gab er das Schreiben vollständig auf und lebte dort noch 24 Jahre als vergessener anonymer Patient.