Wie vollzieht sich das Erinnern und wie werden Erinnerungen weitergegeben? Welche Rolle spielen symbolische und soziale Praktiken des Alltags, und wie wird im Familiengespräch Vergangenheit gebildet? Die Beiträge konzentrieren sich auf nicht-intentionale Formen der Geschichtsweitergabe. Neben dem kulturellen und kommunikativen Gedächtnis wird der Begriff des sozialen Gedächtnisses als bindendes Element eingeführt. Die vier Medien des sozialen Gedächtnisses – Kommunikation, Aufzeichnungen, Bilder und Räume – transportieren Geschichte und formen im sozialen Gebrauch Vergangenheit. Affekt, Gedächtnis und Erinnerungsbilder stehen in einem dynamischen Verhältnis zueinander. Erinnerung ist kulturell präformiert und beeinflusst von medialen Erzeugnissen. Es geht um die Annäherung an die „Wirklichkeit“ der sozialen Praxis des Erinnerns, ein herausforderndes Unterfangen angesichts der oft flüchtigen Textur des sozialen Gedächtnisses. Harald Welzer präsentiert die Ergebnisse der Konferenz „Traditions/Transitions. Communicating History and Presenting the Past“ von 1999 in Hannover. Internationale Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen eröffnen ein spannungsreiches Feld im Verständnis von Geschichte und Erinnerung. Harald Welzer, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Hannover, leitet mehrere Forschungsprojekte zu den sozialpsychologischen Fortwirkungen der nationalsozialistischen Vergangenheit.
Harald Welzer Bücher
Harald Welzer ist bekannt für seine interdisziplinäre Forschung zu Gedächtnis und Sozialpsychologie. Seine Arbeit befasst sich häufig mit gesellschaftlichen und politischen Aspekten des modernen Lebens und untersucht, wie kollektive Erinnerungen und historische Traumata gegenwärtige Ereignisse prägen. Sein analytischer Ansatz und seine Fähigkeit, verschiedene Fachgebiete zu verbinden, machen ihn zu einer herausragenden Persönlichkeit im gegenwärtigen Diskurs. Welzers Stil zeichnet sich durch tiefgründige intellektuelle Auseinandersetzung mit komplexen sozialen Phänomenen aus, was seinen Texten eine besondere Resonanz verleiht.







Autonomie. Eine Verteidigung
- 328 Seiten
- 12 Lesestunden
Was tun gegen den Zwang zur Anpassung? Autonomie gilt als zentrale menschliche Eigenschaft. Doch sie gerät von vielen Seiten unter Beschuss: Die Neurowissenschaft erklärt, der Wille sei nicht frei, die Sozialpsychologie zeigt in ihren Experimenten ebenso wie Shitstorms im Internet, wie mächtig der Anpassungsdruck ist. Die Auswirkungen sind beträchtlich, wenn unsere Autonomie in Gefahr ist. Harald Welzer und Michael Pauen analysieren die Situation auf Grundlage eigener Experimente und Forschungen, um Möglichkeiten der Gegenwehr sichtbar zu machen: Wie können Gemeinschaften so gestaltet werden, dass Konformitätszwänge gering bleiben? Gleichzeitig zeigen sie, dass es wirksame Gegenstrategien nur auf der sozialen Ebene geben kann – solange wichtige Freiheitsspielräume noch bestehen. Die Zeit drängt.
Zeiten Ende
Politik ohne Leitbild, Gesellschaft in Gefahr
Sinkende Wahlbeteiligung, Kirchenaustritte, fallende TV-Quoten und Zeitungsauflagen zeigen, dass viele Menschen sich von der politischen und medialen Öffentlichkeit in Deutschland nicht mehr angesprochen fühlen. Multi-Krisen und eine marode Daseinsvorsorge – im Schienenverkehr, in Schulen und der Verwaltung – erhöhen den Stress der Bürger. Das Erbe von vier Jahrzehnten neoliberaler Fehlsteuerung wird als Erosion der materiellen und mentalen Infrastrukturen sichtbar. Angriffe auf Polizisten, Ärzte und Zugbegleiter wirken in diesem Kontext zynisch, während Kinder keinen ordentlichen Unterricht erhalten und öffentliche Einrichtungen verfallen. Die Enttäuschung über eine Politik, die ihre Wähler aus den Augen verliert, wächst, insbesondere angesichts der unzureichenden Maßnahmen gegen den Klimawandel. Die Regierung beschäftigt sich mit veralteten Positionen und simuliert Konzepte in endlosen Gipfeltreffen, während sie Ideenlosigkeit mit Moralismus kompensiert. Ein Mediensystem, das mehr am Schauwert als am gesellschaftlichen Gelingen interessiert ist, unterstützt diesen Zustand. Das Buch thematisiert die Fahrlässigkeit und Arroganz einer politischen und medialen Klasse, die die wachsende Distanz zur Bürgerschaft ignoriert und den Kontakt zur sozialen Realität verloren hat. Es ermutigt alle Empörten, nicht länger still zu bleiben.
Täter
- 323 Seiten
- 12 Lesestunden
Über den Holocaust ist viel geschrieben worden, aber die wichtigste Frage, ist bis heute nicht beantwortet: Wie waren all die „ganz normalen Männer“, gutmütigen Familienväter und harmlosen Durchschnittsmenschen imstande, massenhaft Menschen zu töten? Es gab keine Personengruppe, die sich der Aufforderung zum Morden verschlossen hätte, weshalb Erklärungsansätze, die sich auf die Persönlichkeiten der Täter, ihre Charaktereigenschaften, ihre psychische Verfassung richten, nicht weiterführen. Harald Welzer untersucht Taten aus dem Holocaust - und auch aus anderen Genoziden - in ihrem sozialen und situativen Rahmen und zeigt, wie das Töten innerhalb weniger Wochen zu einer Arbeit werden kann, die erledigt wird wie jede andere auch. Mit seiner sozialpsychologischen Studie öffnet sich eine Perspektive auf die Täter, die auf beunruhigende Weise erhellt, wie Tötungsbereitschaft erzeugt wird, und wie wenig unseren moralischen Überzeugungen zu trauen ist.
Futurzwei Zukunftsalmanach ...
- 496 Seiten
- 18 Lesestunden
FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2017/18 – Themenschwerpunkt Stadt Alternativlos? Gibt es nicht. Der dritte FUTURZWEI-Zukunftsalmanach, herausgegeben von Harald Welzer, Dana Giesecke und Saskia Hebert, erzählt in über 50 Geschichten von gelebten Gegenentwürfen zur Leitkultur des Wachstums und der Verschwendung. Erstmals bietet er dabei auch eine internationale Perspektive. Gemeinsam mit dem Goethe-Institut ist FUTUREPERFECT entwickelt worden, das in inzwischen 32 Ländern Geschichten des Gelingens sammelt, von denen die besten hier erzählt werden und die einmal mehr zeigen, was es heißt, seine Handlungsspielräume zu nutzen. Der Themenschwerpunkt Stadt widmet sich aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen: Jenseits hierarchischer Stadtplanung und gegen Gentrifizierung, Verdrängung und Luxussanierung werden neue, kreative Formen der Urbanität und des Umgangs mit dem Lebensraum Stadt aufgezeigt. Hierbei geht es unter anderem um alternative Wohnprojekte, die gleichberechtigte und nachhaltige Nutzung des öffentlichen Raums und um dezentrale Energieversorgung. Zudem bieten literarische Stadtgeschichten jede Menge Inspiration, um sich selbst das gute Leben nicht mehr aus der Hand nehmen zu lassen.
Heute glaubt niemand mehr, dass es unseren Kindern mal besser gehen wird. Muss das so sein? Muss es nicht! Der Soziologe und erprobte Zukunftsarchitekt Harald Welzer entwirft uns eine gute, eine mögliche Zukunft. Anstatt nur zu kritisieren oder zu lamentieren, macht er sich Gedanken, wie eine gute Zukunft aussehen könnte: In realistischen Szenarien skizziert er konkrete Zukunftsbilder u. a. in den Bereichen Arbeit, Mobilität, Digitalisierung, Leben in der Stadt, Wirtschaften, Umgang mit Migration usw. Erfrischend und Mut machend zeigt Welzer: Die vielbeschworene »Alternativlosigkeit« ist in Wahrheit nur Phantasielosigkeit. Wir haben auch schon viel erreicht, auf das man aufbauen kann. Es ist nur vergessen worden beziehungsweise von andere Prioritäten verdrängt. Es kann tatsächlich alles anders sein. Man braucht nur eine Vorstellung davon, wie es sein sollte. Und man muss es machen. Die Belohnung: eine lebenswerte Zukunft, auf die wir uns freuen können.
Die politische Öffentlichkeit befindet sich im radikalen Wandel: Außenpolitik findet heute auf Twitter statt, Politiker müssen sich auf Facebook digitalen Shitstorms stellen und Rezo ruft auf YouTube die Zerstörung der CDU aus. Vom 10. September 2020 bis zum 11. April 2021 ist im Deutschen Historischen Museum die Ausstellung »Von Luther zu Twitter. Medien und politische Öffentlichkeit« zu sehen. Dieser Essayband versammelt Beiträge von prominenten Historikern und Medientheoretikern wie Andreas Bernard, Gerd Koenen, Bernhard Pörksen und Astrid Blome. Wenn man auf die Geschichte schaut, dann hatten technologische Entwicklungen wie der Buchdruck, die Telegraphie oder das Radio immer eine gewisse Latenzzeit, bis ein jeweiliger politischer Akteur ihre Potenz für politische Kommunikation erkannt und genutzt hat. Diese Struktur gibt dem Band seine Form: Einem technikgeschichtlichen Essay zur jeweiligen Medientechnologie folgt jeweils ein biographisch-medientheoretischer Text über die Person, die das politische Potential des neuen Mediums erfasst und einen tiefgreifenden Strukturwandel der Öffentlichkeit eingeleitet hat. Von Luther und dem Buchdruck, über Karl Marx und das Pamphlet, Napoleon und die Telegrafie, J. F. Kennedy und das Fernsehen bis hin zur digitalen Öffentlichkeit nach der Öffentlichkeit – ein Band mit überraschenden Befunden zu einem brandaktuellen Thema.
Was wird in Familien "ganz normaler" Deutscher über Nationalsozialismus und Holocaust überliefert? Die Autoren haben in Familiengesprächen und Interviews untersucht , was Deutsche aus der NS-Vergangenheit erinnern, wie sie darüber sprechen und was davon an die Kinder- und Enkelgenaration weitergegeben wird.
Bestseller-Autor Harald Welzer stellt fest, dass unsere Kultur kein Konzept vom Aufhören hat. Deshalb baut sie Autobahnen und Flughäfen für Zukünfte, in denen es keine Autos und Flughäfen mehr geben wird. Und sie versucht, unsere Zukunftsprobleme durch Optimierung zu lösen, obwohl ein optimiertes Falsches immer noch falsch ist. Damit verbaut sie viele Möglichkeiten, das Leben durch Weglassen und Aufhören besser zu machen. Diese Kultur hat den Tod genauso zur Privatangelegenheit gemacht, wie sie die Begrenztheit der Erde verbissen ignoriert. Harald Welzer zeigt in einer faszinierenden Montage aus wissenschaftlichen Befunden, psychologischen Einsichten und persönlichen Geschichten, wie man aus den Absurditäten dieser gesellschaftlichen Entwicklung herausfindet. Man muss rechtzeitig einen Nachruf auf sich selbst schreiben, damit man weiß, wie man gelebt haben will.
Welzer wundert sich
Rückblicke auf die Zukunft von heute
Selbst denken für Einsteiger Monatlich wundert sich Harald Welzer in der deutschen Ausgabe des »National Geographic Magazins«: über unsere Innenstädte, die immer gleich aussehen, über Gänsebraten in der Südsee, die Effizienzfalle, Smartphones und deren Nutzer, über Gipfeltreffen, piepende Bagger, Alt-Ökos, Sofortismus, Hyperkonsum und was ihm sonst noch auffällt. Immer prägnant, immer witzig, immer politisch. Diese Kolumnen liegen nun gesammelt vor, für Fans, Einsteiger und alle, die sich beim Selbstdenken Anregungen verschaffen möchten.



