Michel Tournier war ein französischer Schriftsteller, dessen Werke für ihre tiefe Auseinandersetzung mit dem Fantastischen hoch geschätzt werden. Inspiriert von der traditionellen deutschen Kultur, dem Katholizismus und der Philosophie von Gaston Bachelard, bietet sein Schreiben eine einzigartige und originelle Perspektive. Sein unverwechselbarer Stil und seine fesselnden Erzählungen haben seinen Platz als bedeutende literarische Stimme gefestigt.
Abel Tiffauges, ein Automechaniker aus Paris, wird während des Zweiten Weltkriegs unschuldig verurteilt und an die Front geschickt. In deutscher Kriegsgefangenschaft gewinnt er das Vertrauen von SS-Führern und rekrutiert junge Männer für eine Erziehungsanstalt. Als er die Wahrheit erkennt, zerbricht sein Glaube an eine bessere Welt. Tournier verknüpft meisterhaft Geschichte mit Mythos und Philosophie.
Im Jahre 1845 emigriert Pastor Eleaser mit seiner Familie aus Irland nach Amerika. Für Eleaser wird Kalifornien zum Gelobten Land, er selbst zu einem Moses seiner Zeit, der sein Volk aus der Gefangenschaft führt.
'Wir haben diesen Roman zum Buch des Monats gewählt', entschied seinerzeit die Darmstädter Jury, 'weil der Versuch eines Franzosen, deutsche Unheimlichkeit in einer phantastisch-realistischen Groteske seinen Landsleuten begreifbar zu machen, auch für deutsche Leser bedeutungsvoll ist.' Wohl nur ein Nicht-Deutscher konnte sich so (un-)befangen an die Nazi-Jahre machen und einen Titelhelden mit dem beziehungsreichen Namen Tiffauges vom Elsaß aus in deutsche Kriegsgefangenschaft schicken, von dort nach Ostpreußen, wo er in der Rominter Heide Tierpfleger von Gnaden des Reichsjägermeisters Göring und schließlich Faktotum in der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt 'Kaltenborn' wird. Nebenbei: In keinem deutschsprachigen Nachkriegsbuch finden sich derart brillante und präzise Landschaftsbeschreibungen Ostpreußens wie im 'Erlkönig'.
Wie einst bei Defoe strandet auch Tourniers Protagonist auf einer kleinen Südseeinsel, übernimmt die Kontrolle und trifft auf Freitag, den Wilden, den er als Sklaven hält. Doch mit Freitag beginnt die Unterwanderung seiner Herrschaft. Je mehr Robinson versucht, ihm seine Regeln beizubringen, desto mehr entgleiten ihm die Kontrolle und die Bedeutung seiner Bemühungen. Das Boot, das er gebaut hat, verfällt, und all seine Anstrengungen erscheinen absurd. Freitag wird für Robinson zum Spiegel, der die Lächerlichkeit seines Herrschaftswunsches offenbart. Schließlich gibt er sich der Insel und Freitag hin und lässt sich treiben. Das Symbol seiner einstigen Macht, das Schießpulver, nutzen sie für kleine Feuerwerke. Plötzlich erscheint am Horizont das ersehnte Schiff, das Robinson zurück zur Zivilisation bringen könnte. Doch es ist Freitag, der die Insel verlässt, neugierig auf die Welt. Während Freitag an Bord geht, flieht ein Schiffsjunge von Deck und sucht in Robinsons Wildnis Schutz vor dem Kapitän. Robinson steht nun vor einer ernsthaften Herausforderung: Er muss etwas aufbauen, das nichts mehr mit seinem früheren englischen Leben zu tun hat, sondern den Gesetzen der Natur auf der Insel folgt.
»Eine ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte... und ein Lesevergnügen.« Der Tagesspiegel Das Matthäus-Evangelium gibt nur spärlich Auskunft über die Heiligen drei Könige. Wer sie wirklich waren erzählt Michel Tournier: Kaspar von Meroe war ein unglücklich Liebender, der dem Stern folgte, weil er hoffte, auf Reisen über seinen Liebesschmerz hinwegzukommen. Er bemerkt als Einziger, dass der Heiland dunkelhäutig ist. Ebenso Erstaunliches weiß Tournier von Melchior und Balthasar zu berichten. Und von dem indischen Märchenprinzen Taor von Mangalore, der im Bunde der Könige hätte der vierte werden können, wäre er nicht ein so guter Mensch gewesen. Alle vier erleben das Wunder von Bethlehem, und es verändert ihr Leben auf dieselbe einschneidende Weise, wie es das Leben des gesamten Abendlandes verändern sollte.
In Maghreb, im Nordwesten der Sahara, photographiert eine schöne, junge, blonde Pariserin, von ihrem Landrover steigend, den 15jährigen Schafhirten Idris vom Stamm der Berber, der in der Oase Tabelbala lebt. Er ist von ihrer Schönheit wie verzaubert, um nicht zu sagen: verhext, zugleich aber schockiert, weil ihm mit dem Photo seine Seele genommen ist. Er fordert die Frau auf, es ihm sofort aus Paris zu schicken. Da das Photo natürlich nicht eintrifft, bricht Idris fünf Jahre später, als Zwanzigjähriger, nach Paris auf, um seine Seele wiederzufinden. Seine Stationen, von Tournier atmosphärisch eindrucksvoll geschildert, sind Beni Abbes. Bechar, Oran und Marseille. Hier ereilt ihn das Pech, daß ihm eine blonde Dirne auch noch seinen Talisman, seinen Goldtropfen, entwendet, der in der Oase Symbol des Mannes und Symbol seiner Freiheit ist. Tournier. um uns seine Idee von der modernen Bilderwelt als Falle vorzuführen, läßt nun den naiven Araberjungen Idris 14 Abenteuer bestehen, die Begegnung mit einem Fremdenführer, der Berberphotos in einer Glasvitrine erklärt, was Idris seine «Gefangenschaft» beweist; die Bekanntschaft mit einem Photographen, der in seinem Atelier die Sahara nachstellt und auf einem einzigen Photo Eiffelturm, L'Étoile, Moulin Rouge und Notre Dame...