Um Hegels Denken wird auch heute noch heftig gestritten: Er gilt als Philosoph der Restauration, als Wegbereiter des Marxismus wie als Denker der Freiheit, als Verteidiger wie als Kritiker der Religion. Das vorliegende Handbuch verbindet einen Überblick über Hegels Leben mit einer detaillierten Darstellung seines Werks. Aus der ausführlichen Analyse sämtlicher Einzeltexte erwächst erstmals ein sowohl entwicklungsgeschichtlich als auch systematisch orientiertes Gesamtbild seiner Philosophie. Die frühe Phase seiner Wirkung wird bis zur Spaltung seiner Schule in eine „Rechte“ und eine „Linke“ dargestellt.
Walter Jaeschke, einer der führenden Hegel-Forscher, bietet als Herausgeber der Akademieausgabe der »Gesammelten Werke« Hegels und als Direktor des Hegel-Archivs an der Ruhr-Universität Bochum einen einzigartigen Überblick über Hegels Schriften. In den letzten 15 Jahren hat er zahlreiche Beiträge zu zentralen Themen der Hegelschen Philosophie verfasst, die nun in diesem Band zusammengestellt sind. Besonders bemerkenswert ist der Editionsbericht zu GW 2, der zeigt, dass das Bild von Hegel als theologischen Denker in seiner Jugend eine Erfindung seiner Nachlassverwalter war, die nach seinem Tod Texte selektiv vernichteten. Die thematische Spannweite der Aufsätze reicht vom Frühwerk über die Phänomenologie des Geistes bis zur Wissenschaft der Logik und den Grundlinien der Philosophie des Rechts. Zudem werden die Hegelsche Verfassungsschrift, metaphysik-kritisches Denken, die Begriffe Person/Persönlichkeit und Anerkennung sowie das Verhältnis zwischen Geist und Wissenschaften behandelt. Weitere Beiträge thematisieren Hegels oft simplifizierte Geschichtsphilosophie, seine Beziehung zur antiken griechischen Kultur, Ästhetik und Religionsphilosophie sowie die Kritik an der Romantik. Das abschließende Kapitel hinterfragt den Epochenbegriff »Deutscher Idealismus«.
Mit den drei Banden dieser Reihe wird erstmals eine zusammenhangende Darstellung und Deutung der weit uber das 19. Jahrhundert hinaus einflussreichen Debatten zum Materialismus, Darwinismus und Ignorabimus vorgelegt. Darwins Schrift Uber die Entstehung der Arten (1859) loste eine neue Debatte aus, die sich zeitlich und inhaltlich unmittelbar an den Materialismus-Streit anschloss. Umstritten war einerseits die wissenschaftliche Akzeptanz der Evolutionstheorie, andererseits die vor allem von Ernst Haeckel vertretene Verabsolutierung der Darwinschen Theorie zum Schlussel fur die Losung aller ungelosten wissenschaftlichen und philosophischen Ratsel. Wahrend so die Evolutionstheorie gleichsam zur neuen Religion erhoben wurde, zog sich die Theologie - und teilweise auch die Philosophie - aus der Deutung der empirischen Welt zuruck. Unveranderter Print-On-Demand-Nachdruck der Ausgabe von 2007."
Der Streit um die Gestalt einer ersten Philosophie (1799-1807)
Welchen Weg hat die Philosophie nach der Kantischen Kritik einzuschlagen? Den Weg einer Neugestaltung der Metaphysik, den der Transzendentalphilosophie Fichtes oder auch Schlegels und Schellings, den der Kritik Reinholds? Es ist undenkbar, einen der damaligen philosophischen Entwürfe oder gar die Entwicklungsgeschichte eines der an diesem Streitthema beteiligten Denker immanent zu verstehen, ohne die Gegenposition zur Kenntnis zu nehmen. Die spezifische Kontroverse zwischen Transzendentalphilosophie und Spekulation versucht dieses Handbuch an vier Haupt-linien als eine »Knotenausgabe« mit Kommentar nachzuzeichnen: an der Auseinandersetzung Jacobis, Reinholds und Jean Pauls mit Fichtes Transzendentalphilosophie, an der Kontroverse zwischen Fichte und Schelling um den Begriff der Transzendentalphilosophie, an deren Ablösung durch den spekulativen Idealismus sowie an dem Versuch von dessen skeptischer Widerlegung.
Ist jede konsequente philosophische Theologie pantheistisch oder atheistisch? Im Streit um die Göttlichen Dinge, der sich an den Spinozastreit (1785 ff.) und den Atheismusstreit (1798 ff.) anschloss, wurde der Theismus selbst zum Gegenstand. Die beiden zentralen Texte – Jacobis Angriff auf Schelling (1811) und dessen Entgegnung (1812) – diskutieren die Möglichkeit einer philosophischen Gotteserkenntnis sowie die inhaltliche Bestimmung des Gottesgedankens. Der Quellenteil enthält neben diesen beiden Hauptdokumenten Texte aus der Vorgeschichte des Streits von Eschenmayer, Hegel, Kotzebue, Novalis, Schelling und Jean Paul sowie der Nachgeschichte von Goethe, Jacobi und Schlegel. Der Kommentarteil macht den dialogisch strukturierten Entstehungszusammenhang dieser wichtigen Texte des deutschen Idealismus deutlich.
Die Auseinandersetzungen um den Philosophiebegriff durchziehen die gesamte Philosophie und Literatur des Vormarz. Eine Ihrer wichtigsten Linien stellt der Streit um die Romantik dar: um ihre asthetische Bedeutung und ihre politischen Implikationen. Verhandelt wurden die Fragen nach der politischen Verantwortung der Philosophie, der notwendigen Veranderung der Philosophie sowie der Veranderung der Gesellschaft durch die Philosophie. Der Quellenteil bietet Texte von v. Eichendorff, Hegel, Heine, Feuerbach, Fichte, Schlegel u.a. - etliche davon zum ersten Mal seit ihrem ersten Erscheinen. Der Kommentarteil diskutiert den Zusammenhang von Philosophie und Literatur an diesem herausragenden Beispiel. Zusatzlich aufgenommen wurden Beitrage, die das gesellschaftliche und das theologische Umfeld der Auseinandersetzung thematisieren und so dazu beitragen, ihren Hintergrund zu erhellen. Unveranderter Print-on-Demand-Nachdruck der Ausgabe von 1995.
Der Streit um die Grundlagen der Ästhetik (1795–1805)
278 Seiten
10 Lesestunden
Dieses Handbuch untersucht den frühen Idealismus und die Frühromantik, deren Einfluss auf Kunst und Ästhetik bedeutend war. Es analysiert die Dialoge zwischen den Denkern dieser Zeit und beleuchtet die komplexen Zusammenhänge ihrer Werke, um die Intensität ihrer Kommunikation und den Austausch über gemeinsame Probleme darzustellen.
In den ersten Jahrzehnten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand eine intensive Diskussion zwischen Philosophie und Wissenschaften statt, insbesondere im Streit um Materialismus und Spiritualismus. Diese Epoche, obwohl von großer gedanklicher und wirkungsgeschichtlicher Bedeutung, wurde von der Forschung bislang kaum beachtet. Besonders die Beziehungen zwischen Philosophie und den sich entwickelnden Wissenschaften, die in dieser Zeit intensiv diskutiert wurden, verdienen mehr Aufmerksamkeit. Die Philosophie wandte sich von den klassischen deutschen Denkgebäuden ab und suchte nach einem neuen Verständnis ihrer Rolle im Verhältnis zu den expandierenden Wissenschaften. Der Streit um Materialismus und Spiritualismus, an dem sowohl Philosophen als auch Vertreter empirischer Wissenschaften teilnahmen, hatte erhebliche Auswirkungen auf die Philosophie, die gegen Ende des Jahrhunderts in eine Konfrontation zwischen Idealismus und Positivismus geriet. Auch das Selbstverständnis der empirischen Wissenschaften, von Physik über Chemie bis hin zu Psychologie, wurde beeinflusst. Die Beiträge in diesem Band zielen darauf ab, diese weitgehend vernachlässigte Diskussion zu rekonstruieren, die Fragestellungen und Problemzusammenhänge darzustellen und sowohl erfolgreiche Wechselbeziehungen als auch Missverständnisse und Hemmnisse des Austauschs aufzuzeigen, die durch institutionelle und weltanschauliche Blockaden verstärkt wurden.
Sv. 10/2 s podnázvem Od Fichta po Hegela od autorů Jaeschkeho a Arndta pojednává o filosoficky plodném období, v němž se myslitelé jako Fichte, Schelling a Hegel vyrovnávají s Kantovou filosofií. Autoři se nevěnují jen ústředním postavám německého idealismu, ale čtenáře seznamují s obnoveným zájmem o Spinozovo myšlení, s filosofickým odkazem raných romantiků či se „sporem o atheismus".