Gerhard Polt ist ein bayerischer Schriftsteller, Filmemacher, Schauspieler und satirischer Kabarettist. Seine Hauptthemen sind Menschen, Kultur und Politik in Bayern, wobei er überwiegend in Hochdeutsch auftritt, jedoch mit stark bayerischer Aussprache und Melodie, die für Nicht-Bayern kaum vom Dialekt zu unterscheiden ist. Seine Münchner Theateraufführungen, die er 1976 begann, sind äußerst beliebt. 1979 erlangte er einem breiteren Publikum in Deutschland durch seine Fernsehserie "Fast wia im richtigen Leben" bekannt. In den folgenden Jahren war er als Autor und Schauspieler in Filmen tätig und führte auch Regie.
Dieser Band versammelt zum ersten Mal das bis 2002 geschaffene, größtenteils seit langem vergriffene Polt-Werk: unverwechselbare Geschichten, Stücke, Monologe und Dialoge von grandioser, subversiver Komik, vergleichbar allein mit der Kunst eines Karl Valentin. So absurd wie im richtigen Leben. Aber witziger.
In zahlreichen Interviews begegnen wir Gerhard Polt und tauchen ein in seine Welt und Weltsicht, die wir von seinen Figuren und Bühnenstücken her kennen. Auch in diesen Gesprächen schafft er es, dass wir seinen philosophischen und satirischen Blick auf die Dinge, den Alltag, auf die Vergangenheit und Gegenwart und auf den Menschen teilen und darüber nachdenken können.
Die neue, 10-bändige Werkausgabe versammelt Gerhard Polts wichtigste Texte, das heißt alle Geschichten, Stücke, Monologe und Dialoge, aus der Anfangszeit in Zusammenarbeit mit Hanns Christian Müller bis heute. Ergänzt wird die Sammlung durch bisher unveröffentlichtes Material.
Die Reise nach Petuschki Der Trinker Wenedikt Jerofejew besteigt den Zug von Moskau nach Petuschki, um dort seine Geliebte zu besuchen. In der Gesellschaft nicht minder trinkfreudiger Reisegefährten entwickelt sich die Zugfahrt zu einer regelrechten Sauftour, und mit jedem Schluck werden die Schilderungen Wenedikts absurder. „Die Reise nach Petuschki“ vereint auf einzigartige Weise Satire mit feuchtfröhlichem Nonsens und gilt zurecht als Meisterwerk der modernen russischen Literatur.
"Öha!" versammelt Gerhard Polts heimattreue Texte. Wortmächtig referieren typische bayerische Stützen der Gesellschaft über Gemütlichkeit, Gastfreundschaft und Gaudi.
In Milchkannen spucken, in der Trambahn mit Zigarettenstumpen Hutbrände verursachen oder beim Metzger die Weißwürste vorkosten … Gerhard Polts Kindheitserinnerungen aus der Nachkriegszeit sind gespickt mit den Waffen des phantasiebegabten Kindes, eingesetzt gegen erwachsene Griesgrame und Grantler, um ihnen derbe Flüche zu entlocken wie »Du Hundskrüppel, du verreckter!«. Denn jeder Kindertag ohne einen gelungenen Streich ist verschenkt.
»Arnulf Schmitz-Zceisczyk mein Name, sehr erfreut. Ich bin schon lange hier. Ich wohn ja hier am Tegernsee. Wir sind hierhergekommen und da hat uns ein Bekannter aus München, ein Steuerberater, der hat mir gesagt, da gäbs ein Schnäppchen direkt am See. Und da waren so Bauersleutchen drin, aber ich muss Ihnen sagen, ich konnte dann das Ding, weil also finanziell waren die ja verzweifelt. Dann habe ich gesagt, na gut, ich bin so nett, ich geb ihnen das Geld. Sukzessive haben wir das Haus auf Vordermann gebracht. Ich war damals noch in Celle, dann in Göttingen, dann musste ich rüber nach West-Berlin - meine Frau hat gesagt, du bist ja immer unterwegs. Ich war immer ambulant. Sie müssen sich vorstellen, beruflich bin ich ja im Finanzwesen. Dann musste ich nach New York, wieder rüber, Südafrika, von Südafrika nach München und dann schnell zum Tegernsee wieder gucken, wie entwickeln sich die Sachen da.«
Auf dem Pappteller in der berühmten Fernsehshow "Die Talkrunde in aller Munde" begrüßt Moderator Rafael Schmitz der Pommfritz seine versammelten Gäste: ein Wiener Schnitzel, eine Berliner Bulette, eine traurige Fleischfliege, eine Fettwolke aus der Friteuse, einen weitgereisten Virus sowie die ungleich starken Partner Knorpel und Sehne. Special guests: die singenden Salmonella-Sisters. Das Gesprächsthema: Der Mensch!