Kiran Nagarkar erzählt in seinem Roman eine faszinierende Dreiecksgeschichte zwischen einem Gott, einem eifersüchtigen Prinzen und der Prinzessin Mirabai im Indien des 16. Jahrhunderts. Zu Beginn der Hochzeit zwischen dem Kronprinzen von Chittor und Mirabai verweigert sich die Prinzessin ihrem Prinzen, da sie bereits dem Gott Krishna versprochen ist. Diese amüsante Liebes- und Eifersuchtsgeschichte ist eingebettet in die politischen Machtkämpfe der Zeit. Der rajputische Herrscher Mewar befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Macht, während die Rajputen, ein kriegerischer und ritterlicher Stamm, Rajputana, das heutige Rajasthan, dominieren. Sie gehören zur zweiten der vier Varna-Kasten und sind somit sehr einflussreich. Ihre Konflikte mit den Sultanaten von Delhi sind historisch belegt. Der Roman bietet nicht nur eine persönliche Erzählung über Mirabai, die eine Liaison mit Krishna hatte, sondern beleuchtet auch die Machtsituation am Hofe von Rajputana. Nagarkar verleiht Mirabais Geschichte eine neue Dimension, indem er sie als Prinzessin darstellt, die sich dem Kronprinzen verweigert, um ihrer Liebe zu Krishna treu zu bleiben. Sowohl der Machtkampf des rajputischen Herrschers als auch die Legende der Mirabai sind für Indien von großer Bedeutung.
Kiran Nagarkar Bücher
Kiran Nagarkar etablierte sich als herausragende Stimme der zeitgenössischen indischen Literatur mit seinen Romanen, Theaterstücken und Drehbüchern. Seine Werke erforschen die Komplexität des Postkolonialismus und verbinden auf kunstvolle Weise Ehrfurcht mit Respektlosigkeit, was oft ideologische Kritik auslöst. Nagarkars Schreiben zeichnet sich durch innovative Sprache und einen fragmentierten Stil aus, der scharfe Darstellungen der indischen Gesellschaft bietet. Er stellt konsequent Bigotterie einer Toleranz gegenüber, die auf Zweifel basiert, und betont die Gefahren absoluter Selbstsicherheit sowie die Notwendigkeit ständiger Selbsthinterfragung.





Das Bombay der 60er- und 70er-Jahre ist der Schauplatz von Kiran Nagarkars neuem Roman "Die Statisten", einem satirischen Heldenroman im Rabelais’schen Sinne. Ravan arbeitet als Taxifahrer, Eddie in einer illegalen Kneipe. Aufgewachsen in den Chawls, den vier- bis fünfstöckigen Mietskasernen Bombays, sind beide elektrisiert von der Glitzer- und Glamourwelt Bollywoods und der westlichen Rockmusik. Während Ravan mit seiner Hochzeitsband regelmäßig um die Gage geprellt wird, ist Eddie, der gemeinsam mit seiner hinreißenden angloindischen Freundin Belle die "Bandra Bombshells" gründet, nicht wesentlich erfolgreicher. Ihre Versuche, der Enge ihrer hinduistischen und katholischen Familien zu entfliehen und im Musik- und schließlich im Filmbusiness Fuß zu fassen, sind von Rückschlägen und Scheitern begleitet, doch sind sie unbezähmbar in der Zuversicht, ihre Träume zu verwirklichen. Schamlos, schockierend, brüllend komisch und einfühlsam porträtiert Nagarkar seine Protagonisten und treibt sie mit einer unglaublichen Geschwindigkeit durch die Stadt. Vor dem Hintergrund der indischen Film- und Musikgeschichte entsteht plastisch und sinnlich die Megacity Bombay mit ihren Rhythmen, ihrem Duft und ihrer Vielstimmigkeit. Zugleich ist dieser Roman ein philosophisches Nachsinnen über unseren Platz in der Welt. Sind wir die Protagonisten oder doch nur Statisten in diesem Film namens Leben?
Ein großes Mietshaus in Bombay: Seit Ravan als Baby vom Balkon fiel und Eddies Vater starb, als er ihn auffing, hassen sich die beiden Jungen von ganzem Herzen. Daß Ravan Hindu und Eddie Christ ist, macht die Sache nicht leichter - doch sie kommen nicht aneinander vorbei. Farbenprächtig, mit großem Witz und stilistisch brillant erzählt Kiran Nagarkar die turbulente Geschichte von Ravan und Eddie und ihrer Welt.
Von den dunklen Seitenstraßen in Bombay zu den heiligen Hallen von Cambridge, von der Jagd nach Salman Rushdie zu den Terroristencamps in den Bergen Afghanistans, vom abgeschiedenen Trappistenkloster in Kalifornien zu den geheimen Weihen und kriminellen Machenschaften der internationalen Finanzwelt führt der Kreuzzug von Zia Khan – Gottes kleinem Krieger. Egal, welchen Glauben er verteidigt und welcher der Weltreligionen er sich in den verschiedenen Phasen seines Lebens verpflichtet fühlt: Zia – Sprössling einer liberalen muslimischen Familie aus Bombay und ein begnadetes Mathematikgenie – glaubt, der Auserwählte zu sein, dazu erkoren, die Welt zu retten. Eng verknüpft und verwoben mit Zias Schicksal ist das seines Bruders Amanat, der einen ganz anderen Weg wählt – brüchig, voller Zweifel, nicht ohne Schuld, aber offen für die Welt und das Leben. Ihre Überzeugungen könnten unterschiedlicher nicht sein, aber beide sind auf ihre Weise gleichermaßen konfrontiert mit den großen Themen von Hingabe und Verrat, Gott und Moral, Gut und Böse, Religion und purem Leben. Daraus entsteht ein meisterhaft erzählter, mitreißender und zugleich tief philosophischer Einblick in die Fragen unserer Zeit: Religiosität, Extremismus, Globalisierung, Liebe, die menschliche Natur und die universelle Frage nach dem Sinn des Lebens. Gottes kleiner Krieger zeigt schonungslos, wie schmal die Grenze zwischen echter Hingabe und Fanatismus ist.
Die Traumbilder des Schreibens : Tübinger Poetik Dozentur 2008
- 147 Seiten
- 6 Lesestunden
In seinen Tübinger Vorlesungen erkunden Kiran Nagarkar und Christoph Peters die Verbindung zwischen Schreiben und Traumbildern. Nagarkar thematisiert in seiner ersten Vorlesung „Clueless – Ahnungslos: Der Weg eines Gelegenheitsschriftstellers“ die Entstehung seiner Texte. Er vergleicht das Schreiben eines Romans mit dem Drachensteigen: Man kann den Drachen lenken, doch spannender ist es, ihn seinem eigenen Flug folgen zu lassen. In der zweiten Vorlesung „Die Sprachenkonflikte in Indien“ betont er die Rolle des Schriftstellers in politischen und kulturellen Konflikten. Als zweisprachiger Autor erlebte er Irritationen im indischen Literaturbetrieb, sowohl mit seinem ersten Buch auf Marathi als auch mit seiner Entscheidung, sein zweites Buch auf Englisch zu schreiben, was ihm den Vorwurf des „Verrats“ einbrachte. In der dritten Vorlesung skizziert er das Bild eines Künstlers, der, ähnlich wie Shiva, die Welt ohne moralisches Urteil betrachtet und sowohl das Gute als auch das Schlechte in sein Werk aufnimmt. Christoph Peters untersucht in seiner Vorlesung „Teppiche – Verkehrsmittel für den inneren Orient“ die metaphorische und materielle Bedeutung von Teppichen für sein Schreiben. Er reflektiert über die Textur des Schreibens, den Ort der Kultur und die Migration von Geschichten und Menschen, wobei Teppiche sowohl Theologien als auch subjektive Empfindungen verkörpern.