Eine geheimnisvolle Unbekannte in beigem Trenchcoat, eine schöne Frau in einem zerrissenen weißen Kleid und eine schimmernde Stadt am Horizont – was bedeuten die Traumbilder, die Dave jede Nacht heimsuchen? Mit seiner Frau Janet, einer Chirurgin, kann er nicht mehr offen reden, und seine Tochter Mel ist in der Pubertät, während sein Sohn Max in fantastischen Computerspielen versinkt. Nur mit Nobbs, seinem jüngsten Sohn, der eine nächtliche Freundschaft mit einem geträumten Roboter pflegt, fühlt er sich verbunden. Daves Träume führen ihn ins New York der 1970er Jahre und zurück in seine Kindheit, die von der Dominanz seines Vaters und der Verlorenheit seiner österreichischen Mutter geprägt ist, deren Eltern vor den Nazis flohen. Eine Reise nach New York bringt ihn zu Bill, dem Bruder seines Vaters, einem Vietnam-Veteranen, der ihm ein Familiengeheimnis offenbart. In dieser spannenden Spurensuche durch seine Psyche erkundet der Protagonist geheimnisvolle Traumwelten und die Brücke zwischen Bewusstem und Unbewusstem, während er in den toten Winkel seiner Familiengeschichte vordringt. Der Roman thematisiert luzide Träume und blinde Flecken und führt von Wien bis nach New York, um verdrängte Wahrheiten zu enthüllen, die über Generationen hinweg wirken.
Ruth Cerha Reihenfolge der Bücher





- 2018
- 2015
Schon seit Jahren zieht es die Schriftstellerin Mara auf die kleine kroatische Insel, deren Geruch nach Sonne, Meer, Salz und Rosmarin sie ebenso liebt wie das launische Wechselspiel der Winde. Doch dieser Sommer ist anders: Stürmischer als sonst weht die Bora, und auch Maras Leben ist aus dem Gleichgewicht geraten. Eines Morgens kommt Andrej auf die Insel, ein Fotograf ohne festen Wohnsitz, der rastlos durch die Welt reist. Seine Eltern sind wie so viele Bewohner der Insel in den 60er-Jahren vor dem Tito-Regime geflüchtet und nach Hoboken, New Jersey, ausgewandert. Mara und Andrej beginnen, sich zu umkreisen, kommen sich näher, doch als Mara immer tiefer in die Geschichte von Andrejs Familie vordringt, die von Entwurzelung und der Sehnsucht nach dem Ankommen erzählt, müssen beide eine Entscheidung treffen.
- 2012
Mischa, ein junger DJ in Wien, ist glücklich mit seiner Freundin Hannah – bis sie mit ihm eine Familie gründen will. Zu zwiespältig ist sein Verhältnis zu seiner eigenen, ein kompliziertes Geflecht aus einer viel zu jungen Mutter, die irgendwann von der Bildfläche verschwand, einem kaum vorhandenen leiblichen Vater und einem schwierigen Stiefvater, dessen wechselnden Partnerinnen sowie einem Haufen Halb- und Stiefgeschwistern. Fluchtartig stürzt sich Mischa in eine Affäre mit der attraktiven, eigenwilligen Nella und gerät dadurch unversehens in die Wirren einer anderen Familie, die ebenfalls alles andere als normal zu sein scheint. Aber was ist schon eine normale Familie, was ist Familie überhaupt? Als sein jüngerer Halbbruder Julius in die rechte Szene abzurutschen droht und er ihn nachts von einer Polizeistation abholen muss, stellt sich diese Frage für Mischa neu: Was bedeutet es für ihn, verwandt zu sein? »Zehntelbrüder« ist ein brandaktueller und warmherziger Roman über eine Patchworkfamilie, die aus allen Nähten platzt – und trotz allem den rettenden Halt gibt. Denn was dieses dehnbare Netz aus Halb-, Viertel- oder gar Zehntelgeschwistern schlussendlich zusammenhält, ist kein genetischer Code oder eine gesellschaftliche Verpflichtung, sondern die Entscheidung der Mitglieder, füreinander da zu sein.
- 2010
Kopf aus den Wolken
- 252 Seiten
- 9 Lesestunden
Von Kairo in die Wiener Kindheit. Mit präzisem Sprachgespür erzählt Ruth Cerha die Geschichte einer jungen Frau, die in der Ferne ihre Wurzeln sucht. Anna ist jung, ungebunden, rastlos. Seit Jahren zieht sie von Ort zu Ort, bleibt nirgendwo länger als ein paar Monate, dann treibt die innere Unruhe sie weiter. Erst in Kairo, wo sie dem Künstler Paul und der quirligen Diplomatentochter Marjana begegnet, kommt die lange Reise zum Stillstand. Zwischen Anna und Paul entspinnt sich eine zarte Affäre: Seine Zurückhaltung und Verletzlichkeit berühren sie, und dann sind da seine Zeichnungen, die auf unheimliche Weise Bilder aus ihrer Wiener Kindheit heraufbeschwören und die Erinnerung an ihren geliebten Bruder Franjo anstoßen, der vor über 15 Jahren spurlos verschwand. Hals über Kopf beendet Anna die Beziehung - und weiß doch genau, dass es nicht Paul ist, vor dem sie flieht, sondern die eigene Vergangenheit ... Ruth Cerha verwebt die losen Enden von Annas Geschichte zu einem reichen, atemlosen, schönen Roman.
- 2007
Veränderungen bereiten sich im Verborgenen vor, sie sind ein meist langsamer, aber stetig voranschreitender Prozess, dessen Auswirkungen oft erst durch zufällige Ereignisse oder scheinbar nebensächliche Begegnungen sichtbar werden. Genau jenen Punkt aufzuspüren, an dem diese Veränderungen möglich oder notwendig werden, an dem sich das gewohnte Bild wie plötzlich verschiebt, steht im Mittelpunkt der in diesem Band vorliegenden Erzählungen. So verschieden sie inhaltlich auch angelegt sein mögen, thematisch handeln sie allesamt vom Fortgehen, Ankommen, Zurückkehren und auch vom Zustand des Dazwischen: vom Reisen als reale und unmittelbare Erfahrung, dass man immer in Bewegung ist, auch wenn man keine im Voraus klar definierte Strecke zurücklegt. Und auch wenn die tatsächliche Entfernung der ProtagonistInnen zueinander oft wächst, so wird jede dieser Geschichten zu einem Fugato über die fast naive Sehnsucht, einander (wieder) näher zu kommen. In atmosphärisch dichter Prosa und mit einem Gespür für die Bedeutung scheinbar nichtiger Details fängt Ruth Cerha das Lebensgefühl von Menschen ein, die in Liebe und Angst verfangen an einem Wendepunkt ihres Lebens angekommen sind, und behutsam schildert sie die feinen Modulationen, die sich im Moment der Veränderung vollziehen.