"Diese Seelen" erzählt von den Herausforderungen im neoliberalen Alltag. Der Soziologe Robert wird arbeitslos, während seine Ex-Freundin Tess an ihrer Skrupellosigkeit scheitert. Jürgen träumt von einer Karriere als Tänzer, während seine Schwester Mika als Arbeitsvermittlerin in eine Katastrophe gerät.
Im kleinen rheinischen Städtchen Kirchheim feiert der örtliche Bürgerschützenverein sein 175-jähriges Jubiläum. Daher hat die Gemeinde eine zweitägige „Spätkirmes“ organisiert. Hannes Tannert und seine Frau Meta wohnen seit kurzer Zeit hier. Er ist Juniorprofessor in einem befristeten Anstellungsverhältnis, Meta ist seit der Geburt der gemeinsamen Tochter Cora auf 400 EUR-Basis tätig. Meta lebt gern im Grünen. Hannes will lieber nach Berlin und verachtet die „einfachen Leute“ – das Dorf wiederum sieht beide als Fremdlinge. Meta immerhin bemüht sich darum, Kontakt herzustellen. Hannes wird bald seinen Job verlieren, was Meta nicht weiß. Dann eskaliert die Situation während der Kirmes… Enno Stahl hat erneut einen seiner hochgelobten analytisch-realistischen Romane geschrieben. In „Spätkirmes“ dreht sich alles um die (eingebildeten) Leiden des Mittelstandes und um den verschleierten Widerspruch von „Heimat“ und Sicherheit. Gerade die analytische Schärfe macht Stahls Buch so unerhört aktuell.
Eine mittelalterliche Burg im Rheinland: Der deutsch-japanische Konzern Telematics hat zahlreiche Politiker und Wirtschaftsvertreter zur Weihnachtsfeier geladen. Die 'Rheinische Bewegung Tupac Amaru' und ihr charismatischer Anführer Hector Pandotero nehmen mehrere hundert Menschen als Geiseln und verschanzen sich auf der Festung. Pandotero gelingt es, seine Operation als popkulturellen Akt, als eine Art Terrorismus light zu inszenieren. Bis ein beispielloses Medienspektakel das neue Jahr einläutet.
Enno Stahl entwirft seinen Roman als brillante Mischung aus Thriller und Mediensatire. Hier gerät endlich wieder die politische Wirklichkeit in den Blick der Literatur.
Enno Stahl ist 1962 in Duisburg geboren, arbeitet heute als Schriftsteller, Performer und Schriftbildner in Köln. Veröffentlicht neben belletristischen auch wissenschaftliche Bücher.
Eine bedenkliche Aggressivität im verbalen Umgang, eine Abstumpfung gegenüber Gewalt und dem tragischen Schicksal anderer treten immer deutlicher zu Tage – es sind dies Reflexe, die gerade die Politiker und Politikerinnen der Neuen Rechten gerne und ausgiebig bedienen. In Internetforen und sozialen Netzwerken, den »digitalen Stammtischen« von Facebook, Twitter und Co., nehmen die Menschen kein Blatt mehr vor den Mund; zunehmend sind hier brutale, menschenverachtende und volksverhetzende Sprachausfälle zu verzeichnen, die einen angst und bange werden lassen. Womöglich ist das rechte Lager bereits dabei, den Boden zu bereiten, auch wenn heute noch nicht so viel auf eine neuerliche Machtübernahme von rechts hinweist. Doch damit rechnete vor 86 Jahren auch niemand. Daher ist es wichtig, die Sprachbilder der Neuen Rechten und die dahinterstehenden Denktraditionen zu dokumentieren und zu durchleuchten. Komplexe Kausalzusammenhänge haben dazu geführt, dass es so weit hat kommen können. Dieser Essay möchte einige davon nennen und die Bedingungen analysieren, die diese Entwicklung begünstigten. Was man dagegen tun kann? Der Essay schließt mit einigen Hinweisen zur Strategie im Handeln gegen Rechts.
Aus der PM: "Jo Winkler ist Werbetexter und kein sehr netter Mensch. Er ist zynisch, frauenverachtend und überheblich. Dabei ignoriert er seine körperliche und moralische Verfassung, denn sie passt so gar nicht in das Selbstbild des Senior Texters der Kölner Werbeagentur Goldreklamen. Das gelingt ihm bis zum diesjährigen, mehrtägigen Betriebsausflug auch ganz gut, bei dem sein Chef alles auffahren lässt, was seiner Meinung nach am Rhein dazugehört: Dampferfahrt, Kegeln in Bad Neuenahr und ein abschließender Kasinobesuch."
Enno Stahl erörtert in »Diskursdisko« das Verhältnis von Literatur und Gesellschaft und die Frage, ob Literatur kritisch auf die Gesellschaft reagieren muss oder frei von äußeren Ansprüchen sein sollte. Er analysiert die Rolle des Autors und subversive Schreibentwürfe nach dem Ersten Weltkrieg und kritisiert die aktuelle Abkopplung der deutschen Literatur von der Wirklichkeit.
Der Dokumentationsband des Symposiums 'Literatur in der neuen Klassengesellschaft' enthält Texte und Debattenbeiträge u.a. von Christoph Butterwegge, Klaus Dörre, Annett Gröschner, Joachim Helfer, Stefanie Hürtgen, Cornelia Koppetsch, Norbert Niemann, Monika Rinck, David Salomon, Stefan Schmitzer, Erasmus Schöfer, Ingar Solty, Enno Stahl und Michael Wildenhain. Er dokumentiert ? quasi in Echtzeit ? den Ablauf des Symposiums, das durch einen ungewöhnlich barrierefreien Zugang des Publikums zum Tagungsgeschehen gekennzeichnet war. Das Netzwerk 'Richtige Literatur im Falschen', das diese Veranstaltung zum vierten Mal in dieser Form realisierte, versteht sich als offenes Diskussionsforum. Diskutiert wird in diesem Band die Frage, ob Deutschland heute wieder eine Klassengesellschaft ist, was die meisten der Autorinnen und Autoren bejahen. Die Auswirkungen dieser sozialen Spaltung werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: der Pauperisierung, der Geschlechterproblematik und der Migration. Vor diesem Hintergrund werden sodann Überlegungen angestellt, ob Literatur auf die gesellschaftlichen Verwerfungen reagieren sollte oder gar muss ? und wenn ja, in welcher Form.