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Sebastian Werr

    1. Januar 1969
    Musikwissenschaft und Rassenforschung im Nationalsozialismus
    • Die Verstrickungen der Geisteswissenschaften mit dem NS-Regime führten zu einer moralischen Diskreditierung und einer Schädigung ihrer wissenschaftlichen Integrität. Die Öffnung gegenüber völkischen Irrationalismen erforderte die Aufgabe akademischer Standards, da Fakten oft durch gefühlte Wahrheiten ersetzt wurden. Auch die Musikwissenschaft reagierte auf das politische Verständnis des Nationalsozialismus als 'angewandte Rassenkunde', wobei einige Musikwissenschaftler antisemitische Diffamierungen betrieben. Im Mittelpunkt des Fachdiskurses stand die Suche nach musikalischen Äquivalenten für die vermeintlich konstanten leiblich-seelischen Eigenheiten der 'nordischen Rasse'. Dies führte zur Frage nach dem Deutschen in der Musik, was nicht immer deckungsgleich war, da die Anwendung der Theorien viele deutsche Historienhelden als 'rassisch' fragwürdig erscheinen ließ. Die Suche nach überzeitlichen Wesensmerkmalen der Musik von der germanischen Vorzeit bis zur Gegenwart war von Widersprüchen und methodischen Inkonsequenzen geprägt. Die Bereitschaft, sich dem Regime anzudienen, war groß, jedoch variierte die Tiefe der Durchdringung der Texte erheblich: Einige Autoren verwendeten lediglich opportunistische Schlagworte, während andere modische Rassenlehren intuitiv übernahmen oder eingehende Überlegungen zur Professionalisierung des Fachs anstellten.

      Musikwissenschaft und Rassenforschung im Nationalsozialismus