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Cornelia Ortlieb

    Das Tier als Medium und Obsession
    Weiße Pfauen, Flügelschrift
    • Weiße Pfauen, Flügelschrift

      Stéphane Mallarmés poetische Papierkunst und die Vers de circonstance · Verse unter Umständen

      Stéphane Mallarmé hinterließ als Dichter, Übersetzer und Visionär der Avantgarden nicht nur enigmatische Gedichte und poetologische Prosa, sondern auch eine Vielzahl von Papierarbeiten, die im Kontext seines Projekts der Verse unter Umständen betrachtet werden. Diese Gedichte, die für besondere Anlässe oder gesellige Ereignisse verfasst wurden, sind oft auf ungewöhnlichen Materialien wie Briefumschlägen, Visitenkarten und Kieselsteinen geschrieben. Die Buchausgabe von 1920 umfasst fast 500 adressierte Gedichte, die humorvolle Komplimente formulieren und auf die Eigenheiten der Adressierten eingehen, während sie die besonderen Anlässe poetisch reflektieren. Insbesondere die Verse für Méry Laurent zeigen eine Vielzahl an Formen und Formaten, die alltägliche Dinge, modische Accessoires und Geschenke einbeziehen. Diese einzigartige Verbindung von Ding, Schrift und Vers hebt die Materialität der poetischen Artefakte hervor. Die Arbeiten werden als Bastelarbeiten und Farbenkunst betrachtet, die gesellige Praktiken und Rituale reflektieren und in ihrer Variation japanischer Bildelemente ein west-östliches Projekt im Zeichen von Mehrsprachigkeit und Hybridisierung darstellen. Mallarmés Zeichnungen für Méry Laurent, in denen die Adressatin als Pfau und Fächertier dargestellt wird, verkörpern diese dichte Symbolsprache, die höchste Abstraktion und dingliche Konkretion vereint.

      Weiße Pfauen, Flügelschrift
    • Das Tier als Medium und Obsession

      Zur Politik des Wissens von Mensch und Tier um 1900

      • 318 Seiten
      • 12 Lesestunden

      Um 1900 gerät das Mensch-Tier-Verhältnis in den Sog evolutionistischer, esoterischer und poetischer Diskurse. Ideologien und Mythen, die das Differenzschema von Mensch und Tier angreifen, formieren sich im Grenzbereich menschlichen und nichtmenschlichen Lebens. Das Tier als Medium und Obsession beleuchtet literarische und theoretische Interventionen, die affirmativ auf die evolutionsbiologisch begründete Nähe zum Animalischen reagieren. Fragen sozialgeschichtlicher und psychohistorischer Natur drängen sich auf: Ist die intensive Auseinandersetzung mit Tieren der Wunsch, das Amorphe zu inkorporieren? Reagiert die Sehnsucht nach All-Einheit mit dem Organischen auf Entfremdung in der Moderne? Wie verhält sich die obsessive Hinwendung zur tierischen Welt zur Hybris, die Schranken des Menschendaseins transzendieren will? Zudem wird die Verbindung von Tierliebe und politischer Krisenstimmung thematisiert, insbesondere im Kontext der Animal Studies. Der Sammelband zielt auf eine literaturwissenschaftliche Annäherung an die bizarren Erscheinungsformen, in denen Menschliches und Nicht-Menschliches sich überkreuzen. Untersucht werden Sprachformen und Diskurse, die Vorstellungen von Tiersein und Menschsein konstituieren oder auflösen. Auch das Unheimliche und Abgründige am Haus- und Dressurtier wird betrachtet. Die Beiträge zeigen, wie Mensch-Tier-Beziehungen um 1900 zwischen Liebe und Grausamkeit, Bio-Utopien und sozialer Krisenstimmung

      Das Tier als Medium und Obsession