Gernot Wolfram erkundet in seinem Essay die komplexe Geschichte Europas, geprägt von Macht und Ausgrenzung, aber auch von Sprachen und Migration. Er sucht nach kulturellen Netzwerken und jüdischen Wurzeln, und betrachtet Europa als offene geistige Landschaft, die über politische Grenzen hinausgeht. Ein faszinierendes Reisebuch.
Gernot Wolfram Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)






Dieser Essay ist ein leidenschaftliches Plädoyer, für sich selbst zu sprechen - abseits von Ideologie oder politischer Agenda. Er ist zugleich eine kurze kulturgeschichtliche Abhandlung gutgemeinter Vereinnahmungen: etwa von Geflüchteten durch Ehrenamtliche, die deren Geschichte so vortragen als wäre es ihre eigene. Der Essay beschreibt Irrtümer, Falschdarstellungen und Missverständnisse, die auftreten, wenn gegenseitiges Zuhören nur unzureichend stattfindet: wenn etwa von Künstlern Konzerte veranstaltet werden, bei denen Geflüchtete als Staffage in einem Chor auftreten, oder wenn osteuropäische Bürger klischeehaft als Europäer vom Rand dargestellt werden. Auf der Suche nach dem, was die Kunst, für sich selbst zu sprechen, ausmacht, findet Gernot Wolfram etliche Beispiele für solche Vereinnahmungen. Er beschreibt aber auch Menschen, die trotz aller Widerstände Wege gefunden haben, selbst für ihre Anliegen einzustehen. So liefert sein Essay zahlreiche Hinweise darauf, wie ein Austausch auf Augenhöhe gelingen kann.
In der jüdischen Tradition bedeutet Lesen nicht nur Wissenserwerb, sondern auch Kraftquelle des Augenblicks. Immer wieder haben Kulturphilosophen wie Walter Benjamin oder Aby Warburg auf diesen magischen Moment des Lesen hingewiesen. Zur Geschichte des Lesens gehören aber auch die Orte, an denen Menschen ihre besonderen Erfahrungen mit Büchern machen. Ob in Cafés, Krankenhäusern, Flugzeugen, U-Bahnen oder in politischen Verstecken, in Kriegszonen oder in den Ghettos der Alten und der Neuen Welt: die Lektüre verändert sich je nach Umgebung, in der Leser sich mit Texten beschäftigen. Der Autor und Kulturwissenschaftler Gernot Wolfram erkundet in diesem Essay das Verhältnis zwischen Leser, Büchern und Orten und zeigt wie stark es unsere Wahrnehmung von Kultur prägt. Sein Blick darauf erscheint als Schlüsselzugang zur Kultur, wobei er sich immer wieder auf bestimmte Traditionen jüdischen Kulturverständnisses beruft. Ein farbig und lebendig geschriebener Essay über die Macht des Lesens im Raum der Kultur.
Kulturmanagement und europäische Kulturarbeit
- 280 Seiten
- 10 Lesestunden
Internationalität und Vernetzung sind aktuelle Stichworte im Kulturmanagement. Projektförderungen durch die Europäische Union, durch Stiftungen sowie durch Unternehmen betonen zunehmend Begriffe wie »Mobilität«, »Flexibilität« und »Transkulturalität«. Doch was bedeuten diese Anforderungen für die Theorie und Praxis des Kulturmanagements? Welche Kompetenzen müssen Kulturmanager_innen mitbringen, um auf dem internationalen und europäischen Markt erfolgreich zu sein? Welche Spielräume eröffnen sich für Kulturunternehmen? Dieses Buch, das Beiträge aus Theorie und Praxis vereint, versteht sich als Orientierungshilfe und Handlungsleitfaden für die entstehende Praxis einer europäischen Kulturarbeit. Mit Beiträgen u. a. von Patrick Föhl, Armin Klein, Birgit Mandel, Oliver Scheytt, Michael Schindhelm und Artemis Vakianis.
Ein Tag im April und die Macht des Zufalls Auf einer Ferieninsel in Tunesien wird im Frühjahr 2002 ein Anschlag auf eine alte Synagoge verübt, bei dem mehrere deutsche Touristen ums Leben kommen. Fünf Jahre später erreicht einen Journalisten in Berlin ein merkwürdiger Anruf. Die junge Frau am anderen Ende der Leitung behauptet, sie müsse ihn dringend sprechen, denn er habe den Tod ihrer Eltern verschuldet. Mit der ihm eigenen 'verblüffenden Leichtigkeit' der Sprache (Die Zeit) erzählt Gernot Wolfram in seinem zweiten Roman vom Zauber des Südens und dem mutigen Versuch eines jungen Mädchens, mit den Folgen eines schicksalhaften Zufalls fertig zu werden. Das Wüstenhaus ist die Geschichte einer Konfrontation zweier vollkommen unterschiedlicher Menschen auf der Suche nach sich selbst, inmitten einer ihnen fremd bleibenden Kultur. Terrorismus und die Frage nach Schuld - ein beunruhigender Roman von hoher Aktualität.
Die Geschichte einer ungewöhnlichen Reise. Ein junger Übersetzer verliebt sich in eine Frau, die einen eigenwilligen Sohn hat. Der Junge, Samuel, interessiert sich nur selten für andere Menschen und lebt in der Welt von Science-fiction-Romanen. Er schickt Briefe an den Autor dieser Bücher, einen alten Mann in Krakau, in dem unschwer Stanislaw Lem zu erkennen ist, und träumt davon, ihn eines Tages zu treffen. Als die Mutter Samuels ein vierwöchiges Stipendium in Amerika erhält, reist ihr Freund mit dem Jungen nach Polen. In Krakau angekommen, verschwindet Samuel plötzlich, und der Mann begegnet auf der Suche nach ihm Menschen, deren Leben und Geschichte ihn auf die geheimen Wege dieser Stadt im Wandel führen und ihn unentrinnbar verändern.
Gernot Wolframs Geschichten thematisieren Täuschungen und unerwartete Wendungen im Leben der Menschen. Sie schildern, wie Überzeugungen brüchig werden und Zweifel aufkommen, etwa bei einem Journalisten, der selbst verdächtigt wird, oder einer Gruppe Restauratoren, die auf Fresken eines ermordeten Dichters stoßen. Wolframs prägnante Schreibweise und psychologische Tiefe schaffen eindrucksvolle Atmosphären.
