„Der allerbeste Vater ist der tote Vater, der Vater im Himmel. Jetzt kann er mir nicht mehr im Weg stehen, ihn zu lieben.“ Inna Kamenarova, im Bulgarien der 1960er-Jahre geboren und nach der politischen Wende in die Schweiz emigriert, macht sich nach dem überraschenden Tod ihres Vaters auf den Weg in ihr Heimatland. Die Reise zu seiner Beerdigung wird für sie zur Rekapitulation ambivalenter Beziehungen, jener zum autoritären Vater sowie jener zur vom totalitären Regime gebeutelten Heimat. Diese Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend unter der Strenge des Vaters und des Regimes dringen während der Reise ins Städtchen Neblisch in die Gegenwart. In atmosphärisch dichten Szenen erzählt Evelina Jecker Lambreva zärtlich von einer wilden, unberührten Natur, einem Volk, dessen Erfindungsreichtum im Kampf gegen Armut und Unterdrückung nicht zu überbieten ist, und von Begegnungen mit Menschen, die die stets politisch induzierte Tragödie ihres Landes gekonnt zu hintertreiben wissen. Vaters Land ist eine liebevolle und dennoch nichts beschönigende Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eines einzelnen Schicksals und eines gesamten Landes.
Evelina Jecker Lambreva Bücher




Mein Name ist Marcello
- 240 Seiten
- 9 Lesestunden
In Mailand stellt eine berühmte Schweizer Schriftstellerin ihren neuen Kriminalroman vor. Während der Veranstaltung steht ein Mann aus dem Publikum auf und behauptet, die Schriftstellerin habe seine Biografie gestohlen und seine persönliche Geschichte erzählt. In dem darauf folgenden Skandal droht er mit einer Klage, besucht immer wieder Veranstaltungen, stalkt sie und will herausfinden, warum sie das getan hat. Die Schriftstellerin kann sich das alles nicht erklären, sie kennt den Mann nicht, lässt sich aber auf ein Gespräch mit ihm ein. Die beiden gehen eine Liaison ein und verlieben sich sogar ineinander. Durch die Nähe kommen sie der Wahrheit immer mehr auf die Spur und entdecken Unglaubliches. Eine dicht erzählte Geschichte mit einem erstaunlichen und nicht erwarteten Ende.
Im Namen des Kindes
- 280 Seiten
- 10 Lesestunden
Nach dem Verschwinden einer jungen Frau wird die ehemalige Sozialarbeiterin und Mitarbeiterin einer Opferberatungsstelle in eine Reihe merkwürdiger Ereignisse verstrickt. Erst verunglückt ein bekannter Gynäkologe tödlich, dann wird ein Psychiater ermordet. Es scheint, als hätte die verschwundene Rebecca etwas mit den Todesfällen zu tun. Magdalena beginnt in ihrer Vergangenheit zu graben und stößt auf ein prominentes Paar, das vor vielen Jahren um jeden Preis ein Kind haben wollte. In Evelina Jecker Lambrevas neuem Roman zeigt sich, dass Kinderwunsch und Kindeswohl auch im Widerspruch zueinander stehen können. Bei allen Chancen, die die künstliche Befruchtung bietet, bringt sie dennoch ethische Probleme mit sich, die im schlimmsten Falle zu einer Katastrophe führen können.
Entscheidung
- 288 Seiten
- 11 Lesestunden
Im Sommer 1987 wird die junge Ärztin Anja, wie viele ihrer Kollegen, vom Staat in ein abgelegenes Dorf im Balkangebirge geschickt. Dort, in Svescht, lernt sie die harten Realitäten des Lebens kennen, einschließlich des Leidens und der Schicksale der Kinder und Jugendlichen aus benachteiligten Familien, die in einem nahegelegenen Heim untergebracht sind. Ein Lichtblick in ihrem Alltag ist die Lehrerin Dora, die ebenfalls gegen das kommunistische System und seine Gewalt ankämpft. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Freundschaft, die jedoch die Aufmerksamkeit des Geheimdienstlers Genossen Nakov auf sich zieht. Er versucht, Anja für seine Spionageaktivitäten zu gewinnen, was ihr eine vielversprechende Karriere als Ärztin versprechen würde. Ihre Weigerung, sich ihm anzuschließen, führt zu einem gefährlichen Konflikt und verstärkt Nakovs Hass auf sie. Der Roman bietet eine tiefgründige und einfühlsame Betrachtung des Lebens in Bulgarien und verbindet Fiktion mit einer intimen Landeskunde, wobei er sich durch seine Sachlichkeit und Konzentration auszeichnet.