Die Tragödien des Jean Racine galten in Deutschland, zumal nach Lessings gnadenlosem Verdikt, nicht nur als unspielbar, sondern auch als unübersetzbar. Schiller, der selbst eine deutsche Übertragung der "Phädra" geschaffen hat, bemerkt dazu in einem Brief an Goethe: "Wenn man in der Übersetzung (von französischen Stücken) die Manier zerstört, so bleibt zu wenig poetisch Menschliches übrig, und man behält die Manier bei und sucht die Vorzüge derselben auch in der Übersetzung geltend zu machen, so wird man das Publikum verscheuchen." Es ist das Verdienst von Simon Werle, durch eine neue Übersetzung die großen Tragödien des französischen Klassikers für das deutsche Theater entdeckt und aufführbar gemacht zu haben. Für seine Racine-Übersetzungen erhielt Werle 1988 den Paul-Celan-Preis.
Jean Racine Bücher
Jean-Baptiste Racine ist eine herausragende Figur des französischen Dramas des 17. Jahrhunderts, gefeiert für seine tiefen psychologischen Einblicke und die eindringliche Intensität seiner Erzählungen. Seine Dramaturgie zeichnet sich durch die Fokussierung auf vorherrschende Leidenschaften und einen reduzierten Ansatz in Bezug auf Handlung und Bühnenbild aus. Obwohl er hauptsächlich für seine Tragödien bekannt ist, zeigt seine Auseinandersetzung mit klassischen Themen, insbesondere aus der griechischen und römischen Mythologie, eine einzigartige Beschäftigung mit beständigen menschlichen Konflikten. Racines Werk bietet eine kraftvolle und dauerhafte Untersuchung des menschlichen Zustands durch die Linse klassischer Formen.







Antigone
- 143 Seiten
- 6 Lesestunden
Die Zuneigung zum Bruder wird ihr zum Verhängnis: Antigone wird auf Befehl Kreons bei lebendigem Leib eingemauert. Sie hatte es gewagt ihren Bruder Polyneikes zu bestatten, der gegen die Heimatstadt Theben ins Feld gezogen war. Damit handelte sie dem Verbot des Königs zuwider. Das »Recht der Götter« und das »Recht des Staats« stehen sich in diesem Konflikt unversöhnlich gegenüber. Sophokles’ Tragödie aus dem Jahr 442 v. Chr. bringt damit zeitlose Fragen auf die Bühne: Wo sind die Grenzen der Selbstbestimmung des Einzelnen – und wo sind die Grenzen der Verfügungsgewalt des Staates? Sprachen: Deutsch, Griechisch (bis 1453)



