Auf der Ehrentribüne sitzt inmitten französischer Honoratioren der Kollaborateur. Auf dem Feld spielen noch zwei Algerier in der französischen Mannschaft, aber bereits entschlossen, sich dem FLN anzuschließen. Auf den Rängen, inmitten eines fanatisierten Publikums, der Widerstandskämpfer. Es gibt ihn wirklich, diesen Mohamed Ben Sadok: ein Mann aus dem Volk, gezeichnet von den »Narben und Schmerzen der Geschichte« seines Landes, einer von vielen, die »die Nachttischlampen der alten Welt umstießen«. Mitten im algerischen Befreiungskrieg erhält er den Auftrag zu einem Attentat. Lässt sich ein dramatischerer Schauplatz denken als das Fußballstadion während des Pokalfinales, das ganz Frankreich verfolgt?
Jeanne Pachnicke Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)


Gedächtnis mit Flügeln. Roman
- 410 Seiten
- 15 Lesestunden
Der elternlose Ludo lebt in einem Dorf in der Normandie bei seinem Onkel, dem Landbriefträger Ambroise Fleury. Der gilt als leicht durchgeknallt und erfreut die Kinder rundum mit seinen selbst gebauten Drachen: BLAUER VOGEL, ZITTERBACKE, JEAN-JACQUES ROUSSEAU. Ludo, als wahrer Fleury, einer Familie, der die »Fähigkeit des Vergessens« nicht gegeben ist, leidet an »Gedächtnisüberschuss«; er kann das halbe Kursbuch der Eisenbahn aufsagen. Auch nicht aus dem Kopf geht ihm Lila, Tochter polnischer Adliger, die ihn nach Jahren des Wartens endlich auf den Sommersitz der Familie einlädt. Die Liebe ist kompliziert, im Weg steht nicht nur Lilas deutscher Cousin Hans, sondern bald auch der Krieg. Nach der Besatzung der Deutschen, verbunden mit Razzien und Deportationen, schließt Ludo sich der Résistance an, während der Onkel sieben gelbe Sterne am Himmel aufsteigen lässt.