Valerie Jean Solanas war eine amerikanische radikale feministische Autorin, die vor allem für ihr Werk Das SCUM-Manifest bekannt ist. In diesem Text analysiert Solanas die patriarchale Kultur und plädiert für die Schaffung einer rein weiblichen Gesellschaft, womit sie eine radikale Vision gesellschaftlicher Transformation anbietet. Ihre Schriften zeichnen sich durch scharfe Kritik und einen provokativen Stil aus, der bis heute in Debatten über Feminismus und gesellschaftliche Strukturen nachhallt. Das SCUM-Manifest ist ein Schlüsselwerk zum Verständnis radikaler feministischer Ideen des 20. Jahrhunderts.
Valerie Solanas’ Theaterstück ›Up Your Ass‹ bricht mit sozialen und sexuellen Normen und kritisiert die patriarchale Kultur durch Respektlosigkeit und Witz. Es zeigt verschiedene stereotype Charaktere und folgt der Protagonistin Bongi Perez, einer sardonischen Stricherin, die uns in die Abgründe ihres Lebens führt.
In dieser Gesellschaft ist das Leben bestenfalls eine endlose Langeweile, und nichts betrifft die Frauen: Daher bleibt den verantwortungsbewussten, zivil engagierten Frauen, die nach aufregenden Emotionen suchen, nichts anderes übrig, als die Regierung zu stürzen, das Geldsystem abzuschaffen, die globale Automatisierung einzuführen und das männliche Geschlecht zu vernichten. Der Mann ist in einem Schattenbereich gefangen, der zwischen Mensch und Affe liegt; doch es geht ihm viel schlechter als den Affen, denn im Gegensatz zu ihnen verfügt er über eine Vielzahl negativer Gefühle: Hass, Eifersucht, Verachtung, Abscheu, Schuldgefühle, Scham, Unsicherheit und ist sich zudem bewusst, was er ist und was nicht. Irraationale, kranke Männer, die versuchen, sich vor ihrer Schande zu schützen, werden sich ängstlich an die Große Mama mit den Großen Gummibrüsten klammern, doch die Brüste werden sie nicht vor der SCUM retten; die Große Mama wird sich an den Großen Papa klammern, der sich in einer Ecke verkriecht und in seine Superman-Hosen macht. Vernünftige Männer hingegen werden nicht treten, nicht kämpfen, keine kläglichen Proteste erheben, sondern ruhig sitzen bleiben, entspannt sein und das Schauspiel genießen, während sie sich dem Ende hingeben.
Zu den vielen erstaunlichen Merkmalen, die Valerie Solanas’ S. C. U. M. Manifesto kennzeichnen, gehören sein scharfsichtiger Blick und seine konsequente Durchführung. So, als kreise die Verfasserin wie ein Greifvogel hoch oben über der Zivilisation, während sie seelenruhig entscheidet, in welchen der Zuchtbullen auf der Weide des rechtschaffenen Bauern sie ihre Klauen schlagen soll – und schließlich alle, einen nach dem anderen, zerfleischt, bis nur noch ein einziges Rindvieh übrig ist, das mit dem kleinsten Pimmel und dem lautesten Schnarchen: der Bauer selbst. Im Juni 1968 borgte sich Valerie Solanas etwas Geld, kaufte davon eine Pistole, warf sich in schwarze Klamotten und ging in die Factory, um Andy Warhol niederzuschießen. Sie feuerte drei Schüsse auf ihn ab, der letzte traf ihn in die Lunge. 'Es geschieht nicht oft, dass ich jemanden erschieße', sagte sie in der Verhandlung – und: 'Lest mein Manifest, das erklärt euch, wer ich bin.'