Das Christentum und die Entstehung des modernen Europa
Aufbruch in die Welt von heute
Heinz Schilling war Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte lagen auf der europäischen Geschichte der Frühen Neuzeit, einschließlich Studien zu Religion, Politik, Migrationsforschung, Außenpolitik sowie Sozial- und Kulturgeschichte. Seine Arbeit bietet tiefe Einblicke in prägende Aspekte der europäischen Entwicklung.






Aufbruch in die Welt von heute
Der Kaiser, dem die Welt zerbrach
Karl V. (1500-1558) ist der mächtigste Herrscher seiner Zeit - und der ohnmächtigste zugleich. In seinem Reich geht die Sonne nicht unter, doch nach seinem Willen formen kann er es nicht. Ebenso wenig gelingt es ihm, die große Kirchenspaltung aufzuhalten, mit der die Einheit der Christenwelt zerbricht. Heinz Schilling schildert in dieser Biographie, wie der Kaiser zwischen den Epochen alles in seiner Macht stehende tut, um dem Lauf der Zeit Einhalt zu gebieten - und sich am Ende gescheitert und gedemütigt aus der Welt zurückzieht in die Einsamkeit der spanischen Extremadura. Heinz Schilling befreit in dieser Biographie Karl V. aus dem Habsburgermythos des 19. Jahrhunderts und führt ihn wieder zurück in seine historische Welt - das kulturell reiche Burgund seiner Jugend und Spanien mit dem atlantisch-überseeischen Raum. Auch dem verschlossenen Menschen Karl spürt dieses Buch nach, seiner Erotik, seinen kurzen Liebesbeziehungen, seiner unterschätzten musischen Seite. Es räumt Karl einen fairen Platz in den Religionskämpfen der Zeit ein und porträtiert ihn als zutiefst religiösen Menschen - hierin Luther ebenbürtig. Vor allem aber zeigt Schilling die Tragik der Macht: Im Herzen ein Friedenspolitiker, kommt der Kaiser während seiner Herrschaft nur selten aus dem Militärlager, weil er sich dynastischen und religiösen Zielen verpflichtet fühlt, die er in einer Welt, die immer komplexer wird, nicht mehr verwirklichen kann.
DIE WELT ZUR ZEIT LUTHERS - EINE FASZINIERENDE ZEITREISE Wie sah die Welt zur Zeit Luthers eigentlich aus? Heinz Schilling, einer der großen Kenner der Epoche, nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise, die uns nach Italien und Spanien, zu den Osmanen, an den chinesischen Kaiserhof und ins Reich der Azteken führt. In diesem Buch wird das Zeitalter der Reformation aus einem ungewohnten Blickwinkel betrachtet. Es nimmt die Ereignisse von 1517 als Ausgangspunkt für eine Erkundung der Welt, in der Luther und seine Zeitgenossen lebten. Über 30.000 verkaufte Exemplare der Hardcover-Ausgabe Spannend, kurzweilig und höchst informativ Die Weltgeschichte des Reformationsjahres 1517
Reformácia v prvej polovici „dlhého“ 16. storočia predstavuje zlomové obdobie, ktoré ukončilo stredovek a otvorilo dvere formovaniu kresťanských konfesií a novoveku. Heinz Schilling, profesor novovekej histórie, píše s rozhľadom, ktorý osloví široké spektrum čitateľov. Jeho erudícia spája interpretáciu historických udalostí, politický a ekonomický kontext, teologické myšlienky, náboženské motivácie, sociálne otázky a charakteristické umelecké diela do hutného celku. Text je poučný pre každého čitateľa bez ohľadu na akademické pozadie, umožňuje hlbšie pochopenie zásadných historických udalostí na rôznych úrovniach súvislostí. Dejiny reformácie sú nerozlučne späté s osobou Martina Luthera, čo je vyjadrené aj v názve Schillingovej knihy. Schilling varuje pred definovaním Luthera podľa súčasných záujmov a vykresľuje obraz reformátora, ktorý je „neskladný“ a ťažko zaraditeľný do súčasných ideových predpokladov. Jeho obraz Luthera vzpiera politickej manipulácii, hierarchickej moci a odporuje zaužívaným predstavám, pričom zdôrazňuje jeho veľkosť, zásadovosť a osobný charakter.
Kein anderer Deutscher hat die Geschichte Europas zwischen Mittelalter und Moderne so stark geprägt wie der Wittenberger Mönch Martin Luther. Er tritt Kaiser, Papst und Kirche entgegen, strebt nach einer Universalreform der Christenheit und begründet damit den Protestantismus. Gleichzeitig fördert er die Entstehung der Territorialstaaten und das Verständnis des Individuums, das den modernen Menschen prägen wird. Heinz Schilling stellt diesen welthistorischen Rebell in seinen Kontext und zeigt eindrucksvoll seine Andersartigkeit. Luther wird nicht als einsamer Held, sondern als Akteur in einem gewaltigen Ringen dargestellt. Das Buch bietet Lehren für das Reformationsjubiläum 2017. Aus der Sicht des evangelischen Theologen war Luthers Rebellion nicht säkular motiviert, sondern hatte heilsgeschichtliche Gründe. Die Reformation war kein beabsichtigter Faktor der Modernisierung; die weltweite Mäßigung der Religion geschah durch die Partikularisierung ihrer universellen Ansprüche. Im 16. Jahrhundert war der Protestantismus eng mit der weltlich-bürgerlichen Kultur verbunden. Diese Dimension im heutigen Erinnern zu ignorieren, würde die evangelische Kirche gefährden. Reformatorisches Christentum war den Menschen in ihrem Alltag nah. Nur eine Kirche, die sich auf ihre reformatorischen Wurzeln besinnt, kann der Reformation angemessen gedenken. Martin Luther bleibt eine Quelle widersprüchlicher und fruchtbarer Entwicklungen.
Vergangenheit lebt durch Erinnerung und stirbt durch Vergessen. In allen Gesellschaften besteht die Gefahr, Vergangenheit selektiv zu verformen und Erinnerungspolitik zu betreiben. Die Geschichte der Deutschen ist ein lehrreiches Beispiel dafür. Viele Beiträge im zweiten Band der Reihe behandeln dieses Problem. Die Texte gruppieren sich um Begriffe wie "Revolution", "Disziplin" oder "Leistung", die typisch deutsche Konnotationen tragen. Die "ordnungsgemäße" Abwicklung von Revolutionen ist in der deutschen Geschichte ausgeprägt, wobei "Achtundsechzig" als Ausnahme erscheint. Heinz Bude, Soziologie-Professor, analysiert nüchtern die "Bewegung und den Bewegten" und entlarvt den Mythos, während 1968 dennoch als "sicherer Erinnerungsort im Kollektivgedächtnis" bestehen bleibt. Auch die Fußball-Bundesliga, ein Kind der Bundesrepublik, ist eng mit Mythenbildung und emotionaler Beteiligung verbunden. Gunter Gebauer zeigt, wie diese Institution die Entwicklung der bundesdeutschen Gesellschaft widerspiegelt. Ute Frevert thematisiert in ihrem Artikel "Pflicht" den Wandel des Begriffs, der von einer hohen Wertschätzung im wilhelminischen Deutschland über die Perversion zwischen 1933 und 1945 bis zu seiner "Beerdigung" durch Oskar Lafontaine 1982 reicht. Trotz dieser Veränderungen blieben Kontinuitäten bestehen, etwa in der Wahrnehmung der Wehrpflicht und der Steuerpflicht.
„Ein Pionierwerk ohne Konkurrenz.“ Hans-Ulrich Wehler, DIE ZEIT In über 120 Beiträgen bieten die „Deutschen Erinnerungsorte“ ein einzigartiges, spannend zu lesendes Panorama deutscher Geschichte und zugleich ein herausragendes Beispiel lebendiger Erinnerungskultur. Von Canossa bis zum Reichstag, vom Nibelungenlied bis zur Familie Mann, vom Weißwurstäquator bis zur Berliner Mauer, vom Dolchstoß bis zu Willy Brandts Kniefall in Warschau - in insgesamt 40 ebenso klugen wie glänzend geschriebenen Beiträgen präsentieren herausragende Autoren aus dem In- und Ausland die wichtigsten Bezugspunkte im kulturellen Gedächtnis der Deutschen. Der erste Band der „Deutschen Erinnerungsorte“ eröffnet ein faszinierend neues Panorama deutscher Geschichte und Erinnerungskultur.
Kleinbürgerliches Sicherheitsstreben und Harmoniezwang, Familienbindung und Ortsfixierung deuten auf eine Kultur der begrenzten Reichweite. Mehr Scheinen als Sein ist ein weiteres Kennzeichen des Kleinbürgers. Heinz Schilling entführt uns in Alltagswelten von New York bis Gelnhausen, in denen uns Ordnungssinn und Mittelmaß, das Misstrauen gegen Fremde und die Liebe zum Eigenheim, große und kleine Konflikte, Kitsch und Spießertum erwarten. Zwischen den Zeilen freilich fragt der Autor augenzwinkernd, ob nicht in jedem von uns ein Stück Kleinbürgerlichkeit steckt.
Ausgezeichnet mit dem Preis Das Historische Buch, Kategorie Zeitgeschichte 2001
Ein historisches Jahrhundertunternehmen: In vierzig klugen und glänzend geschriebenen Beiträgen präsentieren herausragende Autoren aus dem In- und Ausland die wichtigsten Bezugspunkte im kulturellen Gedächtnis der Deutschen. Der erste Band ist der Auftakt zu einem einzigartigen Abenteuer Geschichte. Die Erinnerung wird als ein dynamisches, emotionales Netz beschrieben, das nicht nur Individuen, sondern auch Gemeinschaften prägt. Gedenkfeiern, Denkmäler, Mythen und Rituale sowie die Beschwörung "herausragender" Persönlichkeiten und Ereignisse bilden die emotionalen und oft umkämpften Bezugspunkte im kollektiven Gedächtnis einer Nation. Diese "Topographie" deutscher Erinnerung umfasst insgesamt drei Bände mit über 100 Beiträgen, die nicht nur die Geschichte der Erinnerungsorte beleuchten, sondern auch deren Entstehung als "loci memoriae". Es wird untersucht, wie und warum diese Orte zu Kristallisationspunkten des kollektiven Gedächtnisses wurden und wie sich deren Bedeutungsgehalt im Laufe der Geschichte bis in die Gegenwart verändert hat. Das Ergebnis ist kein nostalgisches Werk, sondern ein Buch der Entdeckungen und kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte, das als Beispiel lebendiger Erinnerungskultur dient und in dieser Form in Deutschland einzigartig ist.
Vergangenheit lebt durch die Erinnerung und stirbt durch das Vergessen. Genau so sicher, wie es dabei verschiedene Wege des Erinnerns gibt, existiert in allen Gesellschaften die Gefahr, Vergangenheit selektiv zu verformen, zu instrumentalisieren und damit Erinnerungspolitik zu betreiben. Gerade die Geschichte der Deutschen ist hierfür ein lehrreiches Beispiel. Viele Beiträge im zweiten Band der Reihe Deutsche Erinnerungsorte behandeln dieses Problem oder streifen es zumindest.Wie bereits beim ersten Band gruppieren sich die Beiträge wiederum um bestimmte Begriffe wie "Revolution", "Disziplin" oder "Leistung", die zumindest über eine typisch deutsche Konnotation verfügen. So ist beispielsweise die Art der "ordnungsgemäßen" Abwicklung von Revolutionen in der deutschen Geschichte sicherlich weitaus mehr zu Hause als in anderen Nationalhistorien. Eine gewisse Ausnahme bildet hierbei auf den ersten Blick "Achtundsechzig". Auf welch tönernen Füßen dieser unterstellte Ausnahmecharakter allerdings steht, wird sehr schnell deutlich, wenn Heinz Bude, Soziologie-Professor aus Kassel mit sicherem Blick der "Bewegung und den Bewegten" den mythologischen Mantel abstreift und diese Erscheinung nüchtern in das Werden und Vergehen sozialer Bewegungen einordnet. Dennoch sind ja auch Mythen wirkmächtig und so wird 1968 als "sicherer Erinnerungsort im Kollektivgedächtnis" noch lange weiter wirken.Sehr viel mit Mythenbildung und der "Erzeugung von Welten mit emotionaler Beteiligung" hat auch ein anderes Kind der Bundesrepublik, die Fußball-Bundesliga, zu tun. Gunter Gebauer, Professor für Sportwissenschaft, führt diese "Institution" gekonnt als Spiegel- und Zerrbild der Entwicklung der bundesdeutschen und nach 1990 der gesamtdeutschen Gesellschaft vor.Den Konjunkturverlauf von Begriffen demonstriert die Geschichtsprofessorin Ute Frevert in ihrem Artikel "Pflicht". Ehemals hoch dekoriert im wilheminischen Deutschland, zwischen 1933 und 1945 durch die kompromisslose Ausrichtung am "Führerwillen" pervertiert, wurde "Pflichterfüllung" mit Oskar Lafontaines Qualifizierung als "Sekundärtugend" 1982 wohl "öffentlichkeitswirksam beerdigt". Dabei gab es aber auch durchaus Kontinuitäten: War die Pflichterfüllung nach außen (Wehrpflicht/Landesverteidigung) immer als besonders wichtig eingestuft worden, so erfreute sich die Steuerpflicht zu keiner Zeit großer Beliebtheit.--Dr. Manfred Schwarzmeier