Er fragt, wie die Schweiz sich zu verändern hätte, wenn sie einsehen könnte, daß ihre Distanz zu Auschwitz nicht so groß ist, wie sie meint.
Adolf Muschg Bücher
Adolf Muschg ist ein Schweizer Autor, dessen Werk sich mit den komplexen Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft, Geschichte und Erinnerung auseinandersetzt. Mit scharfer Einsicht erforscht er die menschliche Psyche und moralische Dilemmata, oft mit ironischer Distanz und tiefem Verständnis für menschliche Schwächen. Seine Prosa ist bekannt für ihre intellektuelle Stringenz, formale Erfindungsgabe und ihre Fähigkeit, beunruhigende Fragen nach der Natur von Realität und Identität zu stellen. Muschgs literarischer Beitrag liegt in seinem kompromisslosen Weltbild und seinem ständigen Bemühen, die menschliche Verfasstheit zu ergründen.







Leib und Leben
Erzählungen
Ihr Herr Bruder. der Zweitsitz Zigeunerleben. Intensivstation: Drei Stimmen 1. Diskant 2. Baß 3. Alt. Der 13. Mai. Wullschleger Country. Ein Glockenspiel. oder Unterlassene Anwesenheit. Lustig ist das
Brämis Aussicht. Hindukusch. Hans im Glück. Entfernte Bekannte. Für den Anfang auf jeden Fall. Mahlzeit. Immer noch Morgen.
Eine alte Dame sitzt zusammengesunken im Schaukelstuhl. Sie wurde erschossen. Der Name der Toten: Imogen Selber-Weiland, die letzte Nachfahrin und Alleinerbin eines Aluminium-Imperiums in der kleinen Grenzstadt Nieburg. Was ist geschehen? Die Spur führt zurück in die Nazizeit, in der das Familienunternehmen floriert, zu einem harmlosen und doch zukunftsweisenden Kinderhochzeitszug im Jahr 1949 und zu dem Historiker Klaus Marbach, der nach Nieburg gekommen ist, um die Geschichte der Firma zu erforschen … Kinderhochzeit brilliert mit dem bewährten Muschg-Mix aus spannendem Krimi, ergreifender Liebesgeschichte und scharfer Gesellschaftskritik.
Beat Schneider hat etwas Unverzeihliches getan, was ihn seine Ehe mit LouAnne kostet. Sie ist eine außergewöhnliche Zeichnerin, die nicht nur auf seine Liebe, sondern auch auf seine Fürsorge angewiesen ist. Umso kostbarer ist ihm die japanische Tasche, die ihm LouAnne geschenkt hat und die er nicht aus den Augen lässt. Bis er auch sie verliert. Das Leben Schneiders, eines originellen Historikers, der an Karriere nicht interessiert ist, steht unter dem besonderen Schutz seiner einstigen Kinderfrau, die er Alcina nennt und die ihm nach ihrem Verschwinden ein beträchtliches Erbe hinterlassen hat. Sie hat ihm Märchen erzählt und die Traumlogik der Märchen scheint auch in Schneiders Leben zu walten. Nicht nur dieses Motiv verbindet Adolf Muschgs neuen Roman „Die Japanische Tasche“ mit „Sutters Glück“ (2001). Denn auch dessen Hauptfigur, der ehemalige Gerichtsreporter Emil Gygax, den seine Frau Ruth Sutter nannte, taucht hier wieder auf, aus gutem Grund. Freundschaft und Liebe, Abschied und Verluste, die rätselhaften Verbindungen im Leben der Menschen, familiäre Bande und solche jenseits der Familie, die vielleicht noch stärker sind, spielen eine zentrale Rolle in diesem schönen, schwebend-geheimnisvollen Roman, der von einer großen Liebe und ihrem tragischen Verlauf erzählt.
Adolf Muschg erzählt die alte Geschichte von Parzival und Grâl. Er erzählt sie neu. Sein Roman folgt dem Epos von Wolfram von Eschenbach, und folgt ihm ebenso nicht. Muschgs Parzival ist ein ganz anderer Parzival als der, den wir zu kennen glauben. Gewiß, nicht nur der Name des Roten Ritters verweist darauf, auch das gesamte hundertfältige Personal ist zur Stelle: die Grâls- und Artussage, die Märchen, Legenden und Fabeln. Die Geschichte greift in den vollen und überlieferten Stoff, doch freizügig und selbstbewußt.
Empörung durch Landschaften
Vernünftige Drohreden
Adolf Muschg sucht den Konsensus, will überzeugen und nicht recht behalten, und seine Drohreden sind eigentlich eher Klagereden, aber ohne larmoyanten Beiklang. Sie stammen aus dem Nachsinnen über Verlorenes. Neue Zürcher Zeitung
Literatur als Therapie?
Ein Exkurs über das Heilsame und das Unheilbare. Frankfurter Vorlesungen
Die ersten Kapitel dieses Textes enthalten die notwendigen Erklärungen. Er basiert nur teilweise auf der Gastvorlesung für Poetik, die ich im Januar/Februar 1980 an der Frankfurter Universität gehalten habe. Der Text ist hauptsächlich meine Reflexion über die Auswirkungen dieser Vorlesungen auf andere und mich selbst, also ein Bericht über den Prozess, den ich zum Thema „Literatur als Therapie?“ unternommen habe. Das Thema ist unerschöpflich, was ich nicht rechtfertigen muss. Vielmehr stellt sich die Frage, ob mein Ansatz, der wie ein systematisches Werkzeug wirkt, angemessen ist. Der erste Teil bis Ziffer 25 beschäftigt sich mit den Therapie-Erwartungen, die gegenwärtig bei Schriftstellern und Lesern bestehen. Die Ziffern 26 bis 41 beleuchten die Vorgeschichte meiner eigenen Schreib- und Therapiebedürftigkeit. Der dritte Teil versucht einen historisch-anthropologischen Zugang und ist, da man sich dabei leicht übernehmen kann, der feierlichste, aber auch der am wenigsten konsequente. Ich spüre immer deutlicher, dass das Thema einer zusammenhängenden Behandlung spotten kann, und wünschte mir mehr Mut zu Aus- und Abschweifungen. Ich stelle mir Leser vor, die die Überschriften als Wegweiser im Dickicht verstehen und deren Komik ebenso freundlich deuten wie mein Bedürfnis nach Ordnung.
Mitgespielt
Roman
»Im dritten Roman von Adolf Muschg (erstmals erschienen 1969) spielen alle — sie spielen ›mit dem Feuer‹ oder einfach nur so: mit dem Flipper oder dem Tischfußballgerät, auf der Mundharmonika oder der Gitarre, mit Schachfiguren oder der Polizei. Man spielt Trauerfeier und Maskenball, mit Ideen, Theorien und Menschen, einer spielt einen Toten, ein anderer den Detektiv, ein dritter den Mörder. ... Das Hauptspiel wird von Andres in Gang gesetzt: wie man von der Bildfläche verschwindet, indem man ein Unfall inszeniert, um dem Ermordetwerden zuvorzukommen.« FAZ
Besuch in der Schweiz
- 88 Seiten
- 4 Lesestunden



