Nonkonformismus als Rebellion der Gefühle »Es ist ein Meisterwerk, worin hinreißendes Gefühl und frühreifer Kunstverstand eine fast einmalige Mischung eingehen. Jugend und Genie sind sein gegenstand, und aus Jugend und Genie ist es selbst geboren« Thomas Mann Goethe selbst hat die bündigste Inhaltsangabe zu seinem »Werther« gegeben: »Eine Geschichte ..., darin ich einen jungen Menschen darstelle, der, mit einer tiefen reinen Empfindung und wahrer Penetration begabt, sich in schwärmende Träume verliert, sich durch Spekulation untergräbt, bis er zuletzt durch dazutretende unglückliche Leidenschaften, besonders eine endlose Liebe zerrüttet, sich eine Kugel vor den Kopf schießt.« Nonkonformismus als Rebellion der Gefühle - diese Botschaft des berühmten Romans, der innerhalb der deutschen Literatur den Beginn der modernen Prosa markiert, ist heute so aktuell wie vor 200 Jahren. Der unüberbrückbare Zwiespalt zwischen Geist und Natur, zwischen Ich und Gesellschaft, den der sensible Bürgersohn Werther empfindet und an dem er zerbricht, gibt diesem Werk die Würde einer Tragödie.
Gianluca Folì Bücher


Sturmhöhe
Brontë, Emily – englischer Klassiker der Literatur in deutscher Übersetzung
Gleich darauf setzte draussen ein leises Kratzen ein, und der Bücherstapel bewegte sich, als würde er von hinten geschoben. Ich wollte aufspringen, konnte aber kein Glied rühren und schrie, in wahnsinnigem Entsetzen, laut auf. Zu meiner Bestürzung bemerkte ich, dass ich mir den Schrei nicht nur eingebildet hatte. Hastige Schritte näherten sich der Tür zu meinem Zimmer, jemand stiess sie mit kräftiger Hand auf, und ein Lichtschein fiel durch die viereckigen Öffnungen oben an meinem Bett. Ich sass noch schaudernd da und wischte mir den Schweiss von der Stirn. Der Eindringling schien zu zögern und murmelte etwas vor sich hin. Schliesslich fragte er fast flüsternd und offensichtlich, ohne eine Antwort zu erwarten: Ist hier jemand?