Evelyn Schlag ist seit über 15 Jahren eine bedeutende Stimme der zeitgenössischen Lyrik. In ihren vier Gedichtsammlungen stehen Liebe und Natur im Mittelpunkt, die sie in einer ruhigen und zugleich drängenden Sprache feiert.
New York 1957. Eine Frau hat sich entschieden: Für ihren Mann und gegen ihr Kind, zumindest für zehn Monate. Doch dann verliebt sie sich in einen anderen. Lisa kommt aus dem postfaschistischen Stillstand der österreichischen Provinz in eine laute, aufregende Gegenwelt. Sie arbeitet als Kindermädchen in Manhattan und durchstreift mit ihrer Kamera die Stadt. Beobachtet und fotografiert fasziniert alles, was sie von daheim nicht kennt, ist bezaubert und überfordert von den gesellschaftlichen Regeln und Freiheiten. Ihr Aufenthalt ist nicht ganz freiwillig. Sie ist ihrem Mann gefolgt, einem Mediziner, der aus beruflichen Gründen für ein Jahr in die USA musste. Die gemeinsame fünfjährige Tochter haben sie bei den Großeltern in Österreich zurückgelassen. Bald nach ihrer Ankunft lernt sie den Fotografen John kennen. Sie verliebt sich in ihn, in sein Englisch, in das Paar, das sie sind und verzehrt sich gleichzeitig nach ihrem abwesenden Kind. Wird sie bleiben oder muss sie zurückgehen? Welche Zukunft und welchen Ort hätte ein Leben mit John?
Oktober 1956: Nahe der Grenze fallen Schüsse, Blut fließt. Schnell ist der Traum von der großen Freiheit in Ungarn vorbei. István Földesch flüchtet mit seiner Frau Etelka und dem Sohn László über die grüne Grenze. In einer Molkerei findet die Familie rasch Arbeit. Viele Jahre später begegnen sich der Rechtsanwalt Valentin Görtz aus Österreich und der Ungar László Földesch an einer Tankstelle. Obwohl sie sich nie zuvor gesehen haben, sind ihre Biographien eng miteinander verknüpft. Görtz findet heraus, dass sein Vater einst der Anwalt des Molkereidirektors war, und auch bei seiner Lebensgefährtin Katharina setzt László Erinnerungen in Gang.
Laura lernt David in Lissabon kennen. Beide sind Gäste eines internationalen Poesiefestivals, sie, die glücklich verheiratete Dichterin aus Österreich, er, der berühmte Schriftsteller aus London, der ihr vom ersten Augenblick an ein Gefühl der Nähe vermittelt. Zwischen ihnen bahnt sich eine Beziehung an, vor der beide zurückscheuen, wohl wissend, dass sie ihr nicht entkommen werden.
Ein raffinierter Roman über Liebe, Begehren und die Frage, wo der Verrat beginnt.
E. Schlag beschreibt in sechs Erzählungen weibliche Lebensstationen, die von Liebe und Erotik geprägt sind. Sie beleuchtet verschiedene Entwicklungsstufen ihrer Heldinnen, von der Körperentdeckung einer Dreizehnjährigen bis zur Einsamkeit einer Frau, die ihren im Koma liegenden Mann pflegt. Die Geschichten zeigen psychologischen Scharfblick und gesellschaftliche Hintergründe.
Jonathan ist Arzt und arbeitet in einem Krankenhaus in Sana’a, das Regierungsbeamten und Ausländern vorbehalten ist. Doch selbst hier herrschen zum Teil katastrophale Bedingungen und man weiß nie, wem man trauen kann. Auch privat gerät der weitgereiste Mediziner in der von Krieg und Terrorismus gezeichneten Hauptstadt des Jemen zunehmend in Konflikte zwischen Loyalität und Lüge. Seine ehemalige Lebensgefährtin Delphine ist weit weg von dem aufwühlenden Alltag, er trifft eine alte Bekannte wieder und verliebt sich in eine junge Frau, die für eine NGO arbeitet. Raffiniert verwebt Evelyn Schlag die politischen mit den persönlichen Ungewissheiten, die existenziellen Fragen mit den aktuellen Entwicklungen in Nahost.
Erinnerungen an eine ukrainische Zukunft
Ein Krieg ist gerade zu Ende gegangen. Drei Männer und eine Frau machen sich auf den Weg über verlassene Landstriche zu einer
mythischen Halbinsel; sie nennen es eine Wallfahrt gegen den Krieg. Tanjas Verlobter Andrij ist gefallen, sie möchte ein letztes, gültiges Bild von ihm haben. Jens und Iwo, zwei Deutsche, haben als Freiwillige an der Seite der ukrainischen Nationalisten gekämpft, Andrij war einer von ihnen. Vitalij, der Vierte, ist ein junger Dichter, auf Abenteuer aus. Der Überfall der Deutschen 1941, an dem auch der Urgroßvater von Jens teilgenommen hat, ist nach wie vor lebendig in der Geschichte der Ukraine. Jens lässt die Frage nicht los, ob er an den Verbrechen beteiligt war.
In diesem pazifistischen Roman über den Krieg werden Schrecken, Zerstörung und Tod durch den Aberwitz der Akteure konterkariert.
Zwischen Sankt Petersburg, Philadelphia, Paris und Wien - der Erfolg scheint Toria Montis ständiger Begleiter zu sein, gewandt und polyglott, weiß sich die fünfzigjährige Architektin aus Paris jederzeit in bestem Licht zu präsentieren. Mit dem Neubau des Mariinskij-Theaters in Sankt Petersburg steht ihr eine neue Herausforderung bevor. Bei einem Besuch in der Eremitage begegnet sie einem Mann, mit dem sie nur einen Blick, keine Worte wechselt - doch eine bislang ungekannte Sehnsucht ist geweckt, nach Nähe, Vertrautheit, Intimität.