Die Entzauberung eines Kanzlers
Über das Scheitern der Berliner Politik - Eine Flugschrift
- 108 Seiten
- 4 Lesestunden
Olaf Scholz wollte unbedingt Kanzler werden und erreichte dieses Ziel. Doch nun zeigt sich, dass nicht nur er, sondern das gesamte Land in einer trüben Lage steckt. Scholz wurde oft als unterschätzt wahrgenommen, tatsächlich war er jedoch überbewertet. Ursprünglich von der linken Seite kommend, war sein Programm stets auf seine eigene Karriere ausgerichtet. Als SPD-Generalsekretär propagierte er Hartz IV, während er als Hamburger Bürgermeister sowohl Lob als auch Misserfolge, wie den G20-Gipfel, erlebte. Als Finanzminister lobte er die Schuldenbremse und rief als Kanzler 2022 eine militante „Zeitenwende“ aus. Der Blick auf Scholz wird zum Spiegelbild des ganzen Landes. Lange herrschte die Devise „Läuft schon“. Nach 1989 sollte das „Ende der Geschichte“ eintreten, während Westeuropa und die USA im Siegestaumel des Neoliberalismus schwelgten. Scholz verkörpert den typischen Politiker dieser Ära, der sich stets im Mainstream bewegte. Trotz seines gescheiterten Versuchs, SPD-Parteivorsitzender zu werden, wurde er Kanzler in der sogenannten Fortschrittskoalition und kündigte das Bundeswehr-Sondervermögen an. Diese Analyse ist zugleich ein Nachruf auf die Berliner Politik, da Scholz' Scheitern an der Realität – und das einer ganzen politischen Generation – als nahezu zwangsläufig angesehen wird. Die alten Rezepte funktionieren nicht mehr, und Scholz zeigt die Widersprüche offener als seine Vorgängerin.
