Obgleich allgegenwärtig in Familie, Museum und Stadtbild, spielen historische Sachüberreste im Geschichtsunterricht bis heute nur eine untergeordnete Rolle. Zu Unrecht, denn der Umgang mit authentischen Zeugnissen der Vergangenheit birgt vielfältige Potenziale für das historische Lernen. Ihre haptischen und ästhetischen Qualitäten ermöglichen es, Geschichte im doppelten Sinn zu „begreifen“. Der vorliegende Band stellt die erste umfassende Monografie zum Thema dar. Auf Grundlage der lerntheoretischen Voraussetzungen wird eine Methodik zum Einsatz von gegenständlichen Quellen im Geschichtsunterricht entwickelt. Der vernachlässigten Quellengattung wird dabei in der Bildungsarbeit erstmals ein gleichberechtigter Rang neben der Text- und der Bildquelle einräumt. Zahlreiche Unterrichtsbeispiele veranschaulichen die Umsetzung in der Unterrichtspraxis. Der Band ergänzt das Verlagsangebot zur Interpretation von Text- und Bildquellen.
Thorsten Heese Bücher



Glokalgeschichte
Ein Ausstellungsprinzip
In deutschen Museen hat die klassische stadtgeschichtliche Dauerausstellung ausgedient! Stattdessen schlägt dieser Band ein neues Modell vor, das den Erfordernissen aktueller Einwanderungsgesellschaften Rechnung trägt, indem es glokal verankerte – das heißt am konkreten Ort aufzeigbare, aber über diesen hinausweisende – Interpretationsangebote macht. Es geht um die Dekolonisierung der geschichtlichen Masternarrative.
Die Geschichte der ersten jüdischen Gemeinde(n) in Osnabrück ist eine zwischen Anziehungskraft und Hass schwankende Erzählung. Im christlich-jüdischen Miteinander kontrastierte die gelebte Nähe mit einem tiefen Misstrauen zwischen beiden Religionen. Antijudaismus war Alltag. 1309 vom Osnabrücker Bischof offiziell für den Geldverleih in die Stadt geholt, wurden die jüdischen Menschen während des Pestpogroms von 1350 von ihren christlichen Nachbar:innen brutal ermordet. Nur wenige Jahre später entstand in der Stadt erneut eine jüdische Gemeinde. Nach 1400 hielt die christliche Mehrheit die Jüd:innen für entbehrlich, weil sich das Geldwesen veränderte und die bislang geschätzten Kompetenzen jüdischer Geldverleiher:innen nicht länger gefragt waren. Dieses Stück Osnabrücker Wirtschafts-, Religions- und Migrationsgeschichte führt am lokalen Beispiel die über Jahrhunderte entstandenen Wurzeln des modernen Antisemitismus unserer Zeitgeschichte und Gegenwart vor Augen. Der reich bebilderte Band präsentiert die Geschichte jüdischen Lebens im spätmittelalterlichen Osnabrück anhand der originalen Überlieferung. Der Katalogteil umfasst die Exponate der gleichnamigen Ausstellung im Kulturgeschichtlichen Museum.