Die zweisprachige Ausgabe der Gedichte Nervals darf ohne Weiteres eine Pioniertat genannt werden. Mit Sorgfalt ist hier übersetzt worden. Den Zyklus "Die Chimären" hat Krüger gleich zweimal übertragen. Einmal in einer ungereimten Form, das andere Mal in einer Nachdichtung in Reimen.' Peer de Smit Gérard de Nerval zählte man im 19. Jahrhundert zu den 'kleineren Romantikern'. Seine Modernität wurde erst im 20. Jahrhundert entdeckt und gewürdigt. Die Symbolisten und Surrealisten sahen in ihm ihren Vorläufer. Heute gilt er – mit seinen Chimären – neben Baudelaire als Mitbegründer der modernen Lyrik.
Gérard de Nerval Bücher
Gérard de Nerval, das Pseudonym von Gérard Labrunie, zählt zu den wesentlichsten französischen Romantikern. Als Poet, Essayist und Übersetzer verkörperte er den Geist der Romantik in Reinkultur. Sein Werk ist ein Sinnbild dieser Epoche und sein Einfluss auf nachfolgende Generationen unverkennbar.







Gérard de Nerval wurde am 22. Mai 1809 in Paris als Sohn eines Militärarztes geboren und starb am 25. Januar 1855. Sein richtiger Name war Gérard Labrunie. Nach dem frühen Tod seiner Mutter wuchs er bei einem seiner Onkel im Valois auf. Trotz seiner Vorliebe für die Natur war er ein herausragender Schüler, der schon mit achtzehn Jahren seine „Elégies nationales“ verfasste. Auch seine Faust-Übersetzung, die zu den besten zählt, erschien in dieser Zeit, und Goethe dankte ihm persönlich dafür. Nerval bewahrte diesen Brief auf und zeigte ihn stolz seinen Freunden, zu denen Théophile Gautier und Arsène Houssaye gehörten. Er wurde von seinen Zeitgenossen geschätzt, die seine exzentrischen Launen geduldig ertrugen. Oft hielt er Verabredungen nicht ein und ließ seinen Vater, der ihn regelmäßig zum Essen erwartete, im Ungewissen, da er auf Reisen war. Nerval bereiste Deutschland, Ägypten, Syrien und die Türkei, was ihn zu bedeutenden Werken inspirierte, darunter das große Drama „Die Königin von Saba“. Besonders interessierten ihn die Sitten und Bräuche der Völker, die er traf. Ab seinem dreißigsten Lebensjahr litt er an psychischen Erkrankungen, was seine Neigung zur Mystik verstärkte.
Den Rahmen um die Geschichte spannt eine Reise im Oktober, die Nerval aus Paris in umliegende Dörfer führt. Abenteuerliche Personen an faszinierenden Orten kreuzen seine Wege und wir dürfen ihn dabei begleiten. Wir treffen auf längst vergessene oder unbekannte Personen, seltsame Gestalten, verruchte Etablissements abseits der feinen Gesellschaft und lernen ein anderes Paris und das damalige, noch ländliche Umland durch die eigenwillige Sprache Nervals kennen. Es spiegelt das echte Leben wider und bleibt doch auch ein Traum; eine Zeitreise, die kurzweilig und doch lange unvergessen bleibt. Eine Erzählung für alle Fans von Nerval und für jene, die es noch werden möchten.
Im Jahr 1921 legt der Expressionist Alfred Wolfenstein »Erzählungen« von Gérard de Nerval (1808–1855) in einer Auswahl und in eigener Übertragung vor; sie erscheinen in drei Bänden im renommierten Münchner Drei Masken Verlag. Wolfenstein hat sich damit einem französischen Autor gewidmet, der zu Lebzeiten in seiner Heimat eher als randständiger Vertreter der zeitgenössischen romantischen Literatur wahrgenommen wurde. Gleichwohl erfuhr er schließlich doch die Wertschätzung seitens bedeutender Schriftstellerkollegen wie Charles Baudelaire, Marcel Proust oder Théophile Gautier. Nervals künstlerisches Changieren zwischen Traum und Wirklichkeit war offensichtlich zu seiner Zeit zu radikal, als dass ihm allgemeine Aufmerksamkeit hätte beschieden sein können – mit Ausnahme seiner Meistererzählung »Aurélia«. Sein unstetes, durch zahlreiche Reisen unterbrochenes Leben zwischen Krankheit, Wahnvorstellungen und literarischer Besessenheit beendete er durch Suizid.Nun werden die Erzählungen innerhalb der von Hermann Haarmann herausgegebenen Wolfenstein'schen »Kleinen Bibliothek der Weltliteratur« wieder aufgelegt, diesmal in einem Gesamtband.

