Clemens K. Stepina untersucht in einem dialogischen Format die Lebensgeschichte von Hermes Phettberg und thematisiert prägende Fragen zu Kindheit, Versuchung und dem Künstlerdasein. In vier Abschnitten werden zentrale Lebensfragen ehrlich behandelt, begleitet von einem Vorwort von Kurt Palm. Hermes selbst reflektiert über seine Identität.
Nicht die Liebe zu den Eltern, nicht das Prägende einer Sozialisation, nicht das Gesunde im Verhältnis zum anderen Geschlecht und nicht die Erfülltheit im Beruf kann hier der Einzelne in die Waagschale seines Lebens werfen. Im Gegenteil: Er kommt als Krüppel auf die Welt, muss für die Welt zurecht operiert werden und wächst im Zeichen von Argwohn und Unverständnis auf. Doch anders als Charlotte Roche entschuldigt sich Clemens K. Stepina für sein Thema nicht. Die Wörter für das Eklige und das Grausige wählte er streng entschlossen und fand für seinen Spott über das Gesunde, das Normale und das Angepasste eine extrem komische Sprache. Er schuf einen raren Text, der Paradoxien des sozialen Lebens betont und da und dort die Werte anderer Menschen verletzt. Aber es ist eine verzweifelte Rache, die über nicht mehr ganz starke Werte spottet, in einer Welt, die sich offenbar in einem Wertewandel befindet. Martin Luksan
Ideologiekritische Reformulierung des Handlungsbegriffs in Politik, Ethik und Poetik bei Aristoteles und im Neoaristotelismus
584 Seiten
21 Lesestunden
Das Buch beschäftigt sich mit den handlungstheoretischen Grundlagen einer systematischen Kultur- und Sozialwissenschaft. Die zentrale These Stepinas ist, dass sich den einzelwissenschaftlichen Modellen des Handelns in der Sozial- und Kulturwissenschaft ein systematisches Modell überordnen lässt. Begründet ist dieses im Aristotelischen Organon, welches in zeitgenössische Theorieanlagen hineinreicht.
Die gegenwärtige Universitätsphilosophie hat im deutschsprachigen Raum das fragwürdige Erbe des Historismus angetreten, so die Ausgangsthese des Autors: sie reagiert nicht praxisbezogen auf gesellschaftliche Probleme unserer Zeit, sondern kommentiert diese nur geschichtlich, ohne dass sich dadurch in unserer Gesellschaft etwas ändern könnte. Die hier versammelten Aufsätze wollen den Beweis antreten, dass es möglich ist, auf der Grundlage der Reformulierung klassischer Theorie aktuelle Philosophie zu betreiben, ohne dabei dem Verdikt des Historismus Tribut zollen zu müssen. Im Zentrum steht daher die Legitimationsfrage nach dem praktischen gesellschaftlichen Wert des Philosophierens, welcher im Spannungskreis von Kreativität – Identität – Kommunikation auszuloten ist.