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Hören auf die Sprache

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... Diese »zwischen« Sprechen und Hören spielende Maßgabe des Verstehens nennen wir die akroamatische Dimension (von gr. akroasthai, hören lassen, vernehmen, auf etwas hören im Sinne von »achten«). Die Öffnung der akroamatischen Dimension durch die hermeneutische Philosophie unseres Jahrhunderts gibt dem spekulativen Denken die ihm eigene Sache zurück. Spekulatives Denken heute ist eines nach Gadamer und Rorty, den beiden Nachfahren von Heidegger und Wittgenstein, die der Spiegel-Metaphorik vielleicht am konsequentesten abgesagt haben. Es weiß sich an der Zeit, ohne mit modischen Endzeiterwartungen als »postmodern« oder »postmetaphysisch« zu kokettieren. Zwischen den Zeiten denkend, enthält es sich Konjekturen der Moderne, ohne doch in der Sache »vormodern« sein zu können. Spekulativ denken heißt heute nicht mehr, was die Schultradition der speculatio auf dem Weg der »ersten« (theoretischen) Philosophie darunter verstand: die anschauende Betrachtung der göttlichen Ursache des Seienden im Spiegel der Natur oder, in neuzeitlicher Übersteigerung, des Unendlichen im Endlichen, unter Einschluß der Geschichte. Es besagt, in der Erfahrung der Endlichkeit aller möglichen Denkerfanrung Stand zu nehmen, die uns das Sprechen und das es tragende Hören darauf, was die Sprache sagen läßt, entgegenhält.

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Hören auf die Sprache, Manfred Riedel

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Erscheinungsdatum
1994
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(Paperback)
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Sprache
Deutsch
Autor*innen
Manfred Riedel
Verlag
Suhrkamp
Erscheinungsdatum
1994
Einband
Paperback
Seitenzahl
440
ISBN10
3518581813
ISBN13
9783518581810
Reihe
Beschreibung
... Diese »zwischen« Sprechen und Hören spielende Maßgabe des Verstehens nennen wir die akroamatische Dimension (von gr. akroasthai, hören lassen, vernehmen, auf etwas hören im Sinne von »achten«). Die Öffnung der akroamatischen Dimension durch die hermeneutische Philosophie unseres Jahrhunderts gibt dem spekulativen Denken die ihm eigene Sache zurück. Spekulatives Denken heute ist eines nach Gadamer und Rorty, den beiden Nachfahren von Heidegger und Wittgenstein, die der Spiegel-Metaphorik vielleicht am konsequentesten abgesagt haben. Es weiß sich an der Zeit, ohne mit modischen Endzeiterwartungen als »postmodern« oder »postmetaphysisch« zu kokettieren. Zwischen den Zeiten denkend, enthält es sich Konjekturen der Moderne, ohne doch in der Sache »vormodern« sein zu können. Spekulativ denken heißt heute nicht mehr, was die Schultradition der speculatio auf dem Weg der »ersten« (theoretischen) Philosophie darunter verstand: die anschauende Betrachtung der göttlichen Ursache des Seienden im Spiegel der Natur oder, in neuzeitlicher Übersteigerung, des Unendlichen im Endlichen, unter Einschluß der Geschichte. Es besagt, in der Erfahrung der Endlichkeit aller möglichen Denkerfanrung Stand zu nehmen, die uns das Sprechen und das es tragende Hören darauf, was die Sprache sagen läßt, entgegenhält.