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Tragik des Lebens

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  • 104 Seiten
  • 4 Lesestunden

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In der Landeshauptstadt waren Arbeiterunruhen entstanden, die sich zunehmend steigerten und drohten, auf die benachbarten Eisenwerke überzugreifen. Ein Streik musste unbedingt verhindert werden. Man erwartete den Fürsten, der sich mit seiner Mutter und seiner jungen Gemahlin in Florenz befand, während die Betriebsleiter Tag und Nacht arbeiteten und Verhandlungen anstrebten. In der Stadt war es jedoch zum Äußersten gekommen, Militär wurde mobilisiert, und es gab unvermeidliche Opfer, die eine dumpfe, unentschiedene Ruhe hinterließen. An einem Abend saß ich mit Graf Erwin im kleinen Salon des Schlosses, einem traulichen Raum, der durch einen prachtvollen alten Gobelin abgegrenzt war. An der gegenüberliegenden Wand hingen einige Familienporträts, darunter eines, das besonders hervortrat. Es zeigte den Urgroßvater des Fürsten in der grünen Uniform eines Landsturmmajors aus den Befreiungskriegen, gemalt von Lampi. Hohe Intelligenz sprach aus den edlen, aber sanften Zügen des Mannes, der in kräftigstem Alter war. Sein Haar war, der Tracht seiner Zeit gemäß, leicht gepudert und nach hinten in einem Beutel zusammengefasst. Die Farben des Meisterwerks waren so frisch, als stammte es von heute, und die lebendige Wiedergabe der bedeutenden Persönlichkeit regte zur längeren Betrachtung an. So blickten wir beide auch jetzt schweigend darauf hin.

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Tragik des Lebens, Ferdinand von Saar

Sprache
Erscheinungsdatum
2023
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(Paperback)
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Titel
Tragik des Lebens
Sprache
Deutsch
Verlag
Culturea
Erscheinungsdatum
2023
Einband
Paperback
Seitenzahl
104
ISBN13
9791041907946
Reihe
Schlagwörter
Belletristik
Beschreibung
In der Landeshauptstadt waren Arbeiterunruhen entstanden, die sich zunehmend steigerten und drohten, auf die benachbarten Eisenwerke überzugreifen. Ein Streik musste unbedingt verhindert werden. Man erwartete den Fürsten, der sich mit seiner Mutter und seiner jungen Gemahlin in Florenz befand, während die Betriebsleiter Tag und Nacht arbeiteten und Verhandlungen anstrebten. In der Stadt war es jedoch zum Äußersten gekommen, Militär wurde mobilisiert, und es gab unvermeidliche Opfer, die eine dumpfe, unentschiedene Ruhe hinterließen. An einem Abend saß ich mit Graf Erwin im kleinen Salon des Schlosses, einem traulichen Raum, der durch einen prachtvollen alten Gobelin abgegrenzt war. An der gegenüberliegenden Wand hingen einige Familienporträts, darunter eines, das besonders hervortrat. Es zeigte den Urgroßvater des Fürsten in der grünen Uniform eines Landsturmmajors aus den Befreiungskriegen, gemalt von Lampi. Hohe Intelligenz sprach aus den edlen, aber sanften Zügen des Mannes, der in kräftigstem Alter war. Sein Haar war, der Tracht seiner Zeit gemäß, leicht gepudert und nach hinten in einem Beutel zusammengefasst. Die Farben des Meisterwerks waren so frisch, als stammte es von heute, und die lebendige Wiedergabe der bedeutenden Persönlichkeit regte zur längeren Betrachtung an. So blickten wir beide auch jetzt schweigend darauf hin.