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Hiobs Brüder

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„Was dachte Gott sich nur dabei, das geschehen zu lassen? War es eine Prüfung? Hatte Gott sich überlegt: Ich schlage dich mit einem Gebrechen, das dich zum Außenseiter macht, und dann schaue ich tatenlos zu, wie die Menschen Schindluder mit dir treiben, um zu sehen, wie fest dein Glaube ist? Waren sie alle, die von der Insel entkommen waren, Hiobs Brüder?“ Er weiß nicht, wer er ist, und so nennen sie ihn Losian. Mit einer Handvoll anderer Jungen und Männer lebt er eingesperrt in einer verfallenen Inselfestung vor der Küste Yorkshires. Als eine Laune der Natur ihnen den Weg in die Freiheit öffnet, wagen sie die Flucht zurück aufs Festland. Ein Abenteuer beginnt und eine Suche - und Losian muss fürchten, dass er den grauenvollen Krieg verschuldet hat, unter dem ganz England leidet ...

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Hiobs Brüder, Rebecca Gablé

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2011
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England, 1147. Nicht Könige oder Schlachten stehen zunächst im Mittelpunkt, sondern eine Gruppe von Ausgestoßenen, weggesperrt in einer verfallenen Inselfestung: Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, mit Schuld, Wahn und verlorener Identität. Als eine Sturmflut ihnen die Freiheit öffnet, beginnt eine Reise durch ein vom Krieg zerrüttetes Land. Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil lebt vom Zusammenhalt der Ausgestoßenen, von Angst, Hoffnung und vorsichtigem Vertrauen. Gerade der soziale Blick auf Behinderung, Ausgrenzung und religiösen Fanatismus hebt den Roman positiv von vielen anderen historischen Romanen ab. Hier zeigt Gablé große Stärke. Leider verliert die Geschichte für mich danach spürbar an Zug. Sobald Losian sein Gedächtnis zurückerlangt und wieder Alan wird, geht viel von der Figur verloren. Der frühere Alan hatte Ecken, Kanten und fragwürdige Einstellungen, der neue handelt fast durchgehend edelmütig. Das nimmt Spannung und Tiefe, auch weil die Gruppe zunehmend in den Hintergrund rückt. Im dritten Teil kehrt der Roman ins politische Fahrwasser zurück: Machtkämpfe, Fronten, ein neuer König. Solide erzählt, routiniert, aber auch erwartbar. Stark bleibt Hiobs Brüder vor allem dort, wo es um gesellschaftliche Ausgrenzung geht. Ein guter historischer Roman mit einem großartigen Anfang und einem wichtigen sozialen Fokus, der hinten raus an Tiefe und Spannung verliert, mir persönlich gefiel Das zweite Königreich etwas besser.