„Ich weiß nicht, welchen Platz ich unter den vierundzwanzig Kindern meines Vaters und seiner vier Frauen vom Alter her einnahm, aber ich war das fünfte Kind im Haus meiner Mutter.“ Ngugi wa Thiong’os Mutter Wanjiku bietet dem Heranwachsenden Schutz und Geborgenheit nach dem Zerwürfnis mit dem Vater und bereitet den Boden für seine Träume. Sie ermöglicht ihm den Schulbesuch, und er verspricht, sein Bestes zu tun und sie nicht zu enttäuschen – ein Pakt, der sein Leben prägt. Im ländlichen Limuru-Distrikt in Zentralkenia geboren, wächst Ngugi im Schatten des Zweiten Weltkriegs und der britischen Kolonialherrschaft auf, während sein Bruder sich der Mau-Mau-Befreiungsbewegung anschließt. Ngugi erzählt von seiner Kindheit, einem einfachen, harten Leben zwischen Tradition und Moderne. Mit Wärme berichtet er von kindlichen Freuden, Enttäuschungen, dem überwältigenden Erlebnis des Lesens und Schreibens, Ängsten, Demütigungen und dem allmählichen Gewahrwerden politischer Zusammenhänge. Mit poetischer Kraft schildert er ein Stück Kolonialgeschichte aus kindlicher Sicht und zeichnet ein eindringliches Bild der kolonialen Realität der dreißiger bis fünfziger Jahre. Sein Erinnerungsbuch liest sich wie ein fesselnder Roman über das Erwachsenwerden – zärtlich, schockierend und humorvoll. Es zeigt den Autor auf dem Höhepunkt seines literarischen Schaffens.
Memoiren Reihe
Diese Reihe taucht tief in die persönliche Geschichte ein und erforscht komplexe familiäre Dynamiken sowie die Auswirkungen historischer Ereignisse auf das Leben von Einzelpersonen. Verfolgen Sie die Reise der Charaktere, während sie kulturelle Veränderungen, koloniale Vergangenheiten und persönliches Wachstum durchlaufen. Jede Folge bietet einen intimen Einblick in Kindheit, Jugend und Identitätsbildung in unruhigen Zeiten. Dies sind bewegende Erzählungen über Widerstandsfähigkeit, Wissensdurst und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt.




Empfohlene Lesereihenfolge
›Im Haus des Hüters‹ ist nach ›Träume in Zeiten des Krieges‹ der zweite Band der Lebenserinnerungen des kenianischen Schriftstellers Ngugi wa Thiong’o: ein einzigartiges Dokument der gesellschaftlichen Umbrüche in Kenia gegen Ende der britischen Kolonialzeit. Es herrscht Ausnahmezustand in Kenia, der bewaffnete Aufstand der Mau-Mau-Bewegung für die Unabhängigkeit des Landes ist 1955 auf dem Höhepunkt. Für den sechzehnjährigen Ngugi wa Thiong’o wird seine Schule zum Refugium, das die Grausamkeiten des Krieges fernhält. Als er in den Ferien erstmals nach Hause zurückkehrt, findet er sein Dorf zerstört vor. Die politische Wirklichkeit bricht mit unbarmherziger Härte auch in seine Welt ein. Mit suggestiver Kraft beschreibt Ngugi wa Thiong’o einen Heranwachsenden auf der Suche nach seinem Platz in der Welt.
In diesem dritten Band seiner Erinnerungen fokussiert Ngũgĩ wa Thiong’o auf seine Studienzeit zwischen 1959 und 1964, die für ihn und das damalige Ostafrika prägend war. Im Makerere University College, der einzigen Bildungseinrichtung ihrer Art in der Region, spiegeln sich die tiefgreifenden Veränderungen des Kontinents wider: Der Rückzug der Kolonialmächte und die Unabhängigkeit der meisten Kolonien. Ngũgĩ wa Thiong’o erkennt, dass sein persönliches Leben eng mit diesen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen verknüpft ist. Ein entscheidendes Ereignis ist die Schriftstellerkonferenz von 1962, auf der über Literaturverständnis, Identität und Sprache diskutiert wird. Diese Konferenz bringt ihm die erste Begegnung mit Chinua Achebe, der ihm den Zugang zur angesehenen Heinemann African Writers‘ Series eröffnet. Dies ist ein wichtiger Schritt auf seinem Weg zum Schriftsteller, der seit Jahren für den Nobelpreis für Literatur nominiert ist. Ngũgĩ wa Thiong’o schildert eindrucksvoll und detailliert diese Zeit des Aufbruchs und reflektiert den Weg, den die modernen afrikanischen Literaturen seither zurückgelegt haben, einschließlich seines eigenen.
Kaltgestellt
- 344 Seiten
- 13 Lesestunden