Einspruch aus christlicher Sicht - das biblische Lebensverständnis steht gegen die 'Tyrannei des gelingenden Lebens' in der Identitätspsychologie, im Kontext von Gesundheit und Krankheit sowie bei der Sinnsuche.
Gunda Schneider-Flume Bücher





Dogmatik erzählen?
- 181 Seiten
- 7 Lesestunden
Der Band vereint Beiträge eines Symposiums und eines anschließenden Arbeitstreffens an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Das Thema reagiert auf die Sprachunfähigkeit der Christen hinsichtlich ihres Glaubens und die Vermutung, dass die Dogmatik dazu beiträgt. Dogmatische Begriffe wie Schöpfung, Allmacht und Sünde sind oft unverständlich geworden, was es erschwert, die biblische Tradition als Orientierungswissen zu kommunizieren. Die Dogmatik sollte, wie Paul Ricoeur sagt, diese Begriffe zerbrechen und die Geschichten des sich erbarmenden Gottes erzählen. Ein grundlegender Teil behandelt die aristotelische Argumentation (M. Landfester), das Erzählen nach Ricoeur (D. Hiller) und den Pluralismus der biblischen Tradition (G. Schneider-Flume). Ein kritischer Beitrag betrachtet das Thema aus der Sprachphilosophie (M. G. Petzoldt). Exegetische Beiträge analysieren die Redeformen im Hiobbuch (R. Lux), die Erzählungen über Jesus Christus (O. Wischmeyer) und den Redaktor als Erzähler des Markusevangeliums (E.-M. Becker). Dogmatische Aufsätze thematisieren die Rede von Gott (W. Krötke), die Bedeutung der Reich-Gottes-Gleichnisse (M. Petzoldt), die Schöpfung als erzählte Geschichte (O. Bayer) und den Menschen als Sünder in Gottes Geschichte (G. Schneider-Flume).
Theologie für die Gemeinde - 2: Wenig niedriger als Gott?
Biblische Lehre vom Menschen
- 112 Seiten
- 4 Lesestunden
Die biblische Tradition nimmt den Menschen aus der Perspektive der Geschichte Gottes wahr. Die vielen Lebens- und Glaubenserfahrungen der Menschen, von denen die Geschichten der biblischen Bucher erzahlen, mussen in die heutige Zeit ubersetzt und mit den zahlreichen anthropologischen Perspektiven der zeitgenossischen Humanwissenschaften ins Gesprach gebracht werden. Die unterschiedlichen Perspektiven schliessen einander nicht aus, sondern korrigieren und bereichern sich gegenseitig. Mit den biblischen Geschichten von damals werden Erfahrungen fur heute formuliert, die sich im Leben als wahr erweisen. Die biblische Rede von Gott verweist auf den Menschen, das gottliche Geschopf, das zu Gottes Ebenbild, d. h. zu Gottes Reprasentanten geschaffen ist. Wenig niedriger als Gott ist der Mensch zu verantwortlicher Herrschaft berufen. Trotz Verfehlungen, Schuld und Sunde wird der Mensch von der Barmherzigkeit Gottes getragen. Jesus Christus tritt fur ihn ein und schenkt ihm die Hoffnung auf Gottes Zukunft uber sein endliches Leben hinaus.
Alter – Schicksal oder Gnade?
Theologische Überlegungen zum demographischen Wandel und zum Alter(n)
- 157 Seiten
- 6 Lesestunden
Gesellschaften stehen heute vor der Herausforderung des demografischen Wandels, insbesondere der Überalterung, die ein Umdenken über das Alter erfordert. Alterszugehörigkeit zum Leben wird oft verdrängt, und das Alter wird als defizitäres Minderleben betrachtet. Diese Sichtweise führt dazu, dass der Reichtum dieser Lebensphase verspielt wird und Alter als „uneigentliches Leben“ abgewertet wird. Der Gegensatz zwischen Leben und Alter wird durch die gesellschaftliche Ausgrenzung älterer Menschen aus dem Berufsleben verstärkt, während sie nach den Maßstäben der Arbeits- und Leistungsgesellschaft beurteilt werden. Alte Menschen gelten als nicht mehr produktiv, als die „Generation-Nicht-Mehr“. Gerontologen sehen Produktivität als Lösung für die finanziellen Herausforderungen und den Verlust individueller Kräfte im Alter. Dennoch sollte die Tyrannei von Erfolg und Leistung nicht dominieren. Die christliche Tradition bietet ein Lebensverständnis, das Lebensspielräume jenseits des Berufslebens eröffnet. Leben ist nicht nur Leistung, sondern auch ein Geschenk, das sich als bedingungslos erweisen kann. Eine altersintegrierte Gesellschaft könnte das Leben im Kontext der Barmherzigkeit verstehen, die Raum und Zeit vor aller Leistung gewährt. Gottes Geschichte trägt menschliches Leben in allen Phasen, vom ersten bis zum letzten Atemzug.