Das Buch behandelt die Herausforderungen der Bestattung ohne religiöse Gemeinschaft und die Rolle professioneller Trauerredner. In einem literarischen Lang-Essay reflektiert die Autorin über den Umgang mit Trauer, die Zersplitterung von Beziehungen und persönliche Episoden. Der Text ist in drei Teile gegliedert, mit einem Fokus auf die Begleitung von Trauerfällen und einer Reise ans Tote Meer zur inneren Einkehr.
Wenn es um den interreligiösen Dialog geht, ist häuf die Rede vom Konsens, auf den man sich verständigen müsse. In der Realität ist das aber eher ein Problem von wenigen, während die große Mehrheit der Gläubigen längst respektvoll die Unterschiede akzeptiert. Anstatt also einer längst überholten Fantasie von Einheit des Denkens und Glaubens hinterherzurennen und in falsch verstandenem missionarischem Eifer andere zum Umdenken bewegen zu wollen, bemühen sich heute viele in lebhaften Gesprächen um eine menschenfreundliche Interpretation der eigenen wie der fremden Traditionen. Allerdings sind es selten diese liberalen Gläubigen, die das Bild in der Öffentlichkeit bestimmen, sondern zu oft radikal Denkende, die Gehör finden. Dieses Buch ist daher ein Plädoyer und ein Mutmacher für die Gläubigen aller Religionen, dieses Miteinander deutlich sichtbarerer werden zu lassen – in den Debatten wie auch im konkreten Tun.
Über die Regulierung der kleinen Freuden des Lebens
198 Seiten
7 Lesestunden
Genießen gilt zunehmend als problematisch. Unser Essen soll von Fett, Zucker und Salz befreit werden. Ab zwei Bier am Tag wird man zum Alkoholiker. Raucher müssen vor die Tür. Beim Sex müssen wir vorsichtig sein. Beim Glücksspiel beschränken wir uns am besten auf Mensch ärgere Dich nicht. Manche Beobachter sprechen von neopuritanischen Zeiten. Genuss erscheint heute als Laster, als unkontrollierbare und behandlungsbedürftige Pathologie. Was steckt hinter diesen Entwicklungen? Wer sind die Akteure? Was steht uns noch bevor? Die Autoren des Sammelbandes hinterfragen die wachsende Regulierung der kleinen Freuden des Lebens.
Zwei Autoren. Vier Geschichten. Ein Motiv: Fallen. Aus einer gesellschaftlichen Konvention, aus dem Leben, aus der Realität. Willentlich. Bewusst. Ob Sektenführer oder Astronaut – alle Figuren nehmen das Fallen bzw. den Fall als existentielle Grenzerfahrung wahr. Als Moment, in dem es dem Einzelnen aus den Händen genommen wird, sein Schicksal selbst zu lenken. Im Hintergrund steht eine Sehnsucht der Charaktere, etwas Unbekanntes, Endloses – vielleicht das Nichts – im freien Fall zu schauen und zu spüren. Die Texte geben keine Antworten. Sie vermitteln ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Transportiert wird dieses besonders durch die außergewöhnliche Buchgestaltung von Hans-Jörg Pochmann: Oben und Unten, Hinten und Vorn, die Gravitationskräfte der Buchseiten sind aufgehoben, indem sich der Satzspiegel beim Lesen zunehmend dreht, bis man ab der Mitte des Buches 'rückwärts' liest, die letzte Seite des einen Texts zur ersten Seite des anderen führt. Ein Lektüreerlebnis der anderen Art, das den Leser unaufhaltsam mitreißt in den Strudel des Fallens. Ausgezeichnet 2012 mit dem 'Förderpreis für junge Buchgestaltung' und 2013 mit der 'Goldenen Letter', dem Preis für das 'Schönste Buch der Welt', durch die Stiftung Buchkunst. Begründung der Stiftung Buchkunst: 'Es gibt sie immer mal wieder, diejenigen Bücher, die zwei Vorderseiten, aber keine Rückseite haben. Dieses hier ist auch so eines. Aber hier sind nicht einfach bloß zwei Hälften auf den Kopf gedreht und aneinander montiert, sondern man blättert beide Geschichten – eine deutsche, eine englische – jeweils bis zum Ende des Buches durch. Die homographen Titel 'Fallen' unterscheiden sich lediglich im Tempus, deutsch Präsens, englisch Perfekt. Und genau dies liefert dem Buchgestalter das Motiv für eine klassische inszenierende Typografie: Der Text rotiert im Satzspiegel durch das ganze Buch um 180 Grad, der linksbündige Flattersatz ist geboten. Man beginnt mit dem Lesen auf einer rechten Seite, blättert weiter, dreht dabei das Buch immer ein bisschen mehr bis man auf einer linken Seite endet. Jetzt wäre man zwar durch die eine Geschichte etwas haltlos bis zum Buchende getaumelt, der Schwindel setzt sich hingegen fort mit dem gleichen Drehspiel der anderen Geschichte – in die entgegengesetzte Richtung zurück. Wir bekommen also nicht nur die Inszenierung des Fallens, sondern die der Grammatik noch dazu, wie es denn auch die Umschlagfotografien bereits visualisieren. In der selbstgewählten Reduktion auf die Elemente einer Buchdoppelseite, nämlich Kolumne und Pagina, hat dieses typografische Spiel etwas Zwingendes und erstaunlich Selbstverständliches, bestechend Auswegloses, und man fragt sich verblüfft: Wie bin ich da rein gerutscht, und wie komme ich da wieder raus?.'