Generativität sichert menschliches Leben und Kultur. PsychoanalytikerInnen und PsychotherapeutInnen untersuchen, wie unsere Gesellschaft mit Generativität umgeht, insbesondere in Bezug auf moderne Mutter-, Vater- und Elternschaft. Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der DGPT wird auch die Generativität der Fachgesellschaft betrachtet. Angesichts kollektiver Aggression und der Ausbeutung des Planeten ist es für die Psychoanalyse und Psychotherapie wichtig, sich mit Generativität und ihren Bedrohungen auseinanderzusetzen. Generativität bringt Generationenkonflikte mit sich, etwa den Neid älterer Generationen auf jüngere, die vermeintlich bessere Bedingungen vorfinden. Die Missachtung von Generationenfolgen kann schädlich sein. Heutige Generationen sind vielfältiger und komplexer, oft geprägt von Patchwork-Familien. Die Beiträge von verschiedenen AutorInnen beleuchten unterschiedliche Aspekte der Generativität, von Krisen der Weitergabe in Generationenbeziehungen bis hin zu den Herausforderungen der Reproduktionsmedizin. Themen wie kreative Innovation, das Unbehagen in neuen Fortpflanzungsformen, und die Bedeutung negativer Affekte im Rechtspopulismus werden ebenfalls behandelt. Die Auseinandersetzung mit der Generativität in der Psychoanalyse und deren institutionellen Rahmen wird kritisch betrachtet, um zukünftige Herausforderungen zu bewältigen und generative Impulse in der Ausbildung zu fördern.
Heribert Blass Bücher



Zeit und Zeiterleben
Psychoanalyse im Dialog mit Neurobiologie, Physik und Geschichtswissenschaft
- 142 Seiten
- 5 Lesestunden
Was ist Zeit? Wie kann man sich diesem rätselhaften Phänomen annähern? Um diese Fragen zu beantworten, stellt Heribert Blass einen Dialog zwischen der Psychoanalyse und den benachbarten wissenschaftlichen Disziplinen Physik, Neurobiologie und Geschichtswissenschaft her. Die Beiträger*innen, internationale Expert*innen auf den jeweiligen Gebieten, eröffnen neue Perspektiven auf zahlreiche mit der Zeitwahrnehmung in Verbindung stehende Phänomene. Sie betrachten etwa Erinnerung, Vergessen oder Regression, das Auftauchen der Vergangenheit in der Gegenwart, die Antizipation der Zukunft sowie die seelische Entwicklung und den psychoanalytischen Prozess. So entfaltet sich ein mehrdimensionales Verständnis von Zeit und Zeiterleben, das nicht theoretisch bleibt, sondern auch die psychoanalytische Praxis nachhaltig bereichern kann. Mit Beiträgen von Arnaldo Benini, Charlotta Björklind, Heribert Blass, Leopoldo Bleger, Katy Bogliatto, Jorge Canestri, François Hartog, Gernot Münster, Bernd Nissen, Joëlle Picard und Jasminka Šuljagić
Männlichkeiten
- 285 Seiten
- 10 Lesestunden
Der innovative Ansatz dieses Buches liegt in der Darstellung von Falldarstellungen durch ein männliches und ein weibliches Therapeuten-Tandem. Dies verdeutlicht die Bedeutung des Geschlechts bei der Behandlung von Jungen und Männern. Viele Therapeuten haben sich nie mit der Frage auseinandergesetzt, welche Rolle ihr Geschlecht im therapeutischen Kontext spielt. Geschlecht ist ein zentraler Aspekt der Wahrnehmung, und viele Patienten haben Schwierigkeiten, sich auf einen männlichen oder weiblichen Therapeuten einzulassen. Die Falldarstellungen beleuchten die bewussten und unbewussten Bedeutungen des Geschlechts im Therapieprozess. Diese reflektierende Auseinandersetzung erweist sich als hilfreich in der täglichen Arbeit mit Patienten, indem sie auf festgefahrene und einschränkende Vorstellungen hinweist. Das Buch enthält je fünf Fallgeschichten von erwachsenen Männern und Jungen als Patienten. Jede Fallgeschichte wird von einem Therapeuten des anderen Geschlechts kommentiert und anschließend von beiden diskutiert. Mit Fallgeschichten, Kommentaren und Diskussionen von verschiedenen Therapeuten bietet es einen tiefen Einblick in die geschlechtsspezifischen Dynamiken in der Therapie.