Michelangelo als Vertragsbrecher, als Scheiternder, als souveräner Künstler, den Mächtigen ebenbürtig, portraitiert von Horst Bredekamp, einem der profiliertesten Kunsthistoriker unserer Zeit. Horst Bredekamps unkonventioneller Blick heftet sich nicht nur auf die Skulpturen, Gemälde und Bauwerke Michelangelos, sondern auch auf die Wendungen im Leben des Meisters, der mehrmals auf der Flucht vor seinen mächtigen Auftraggebern war. In seinem Text über das »Juliusgrab« zeigt Bredekamp, wie Michelangelo ein vermeintlich katastrophales Scheitern in einen Triumph verwandelt. »Im Zustand der Belagerung« ist Michelangelo zwischen seinen Auftraggebern, den aus Florenz vertriebenen Medici, die zugleich den Papst in Rom stellen, und der Florentiner Republik. »Michelangelos Verträge« portraitiert einen hoffnungslos überlasteten Vertragsschwindler, der jeden Auftrag annimmt, nur die Hälfte vollendet und daraus eine künstlerische Tugend zu machen versucht. In »St. Peter« zeigt Bredekamp den grandiosen Architekten Michelangelo, der dort eine durchaus absolutistische Machtfülle beansprucht.
Horst Bredekamp Bücher






Berlin am Mittelmeer
Kleine Architekturgeschichte der Sehnsucht nach dem Süden - Erweiterte Ausgabe!
- 192 Seiten
- 7 Lesestunden
Berlin gilt als eine Stadt, die sich quasi aus dem Nichts immer wieder neu erfunden hat – nach dem Aufstieg zur preußischen Königsresidenz, der Reichseinheit, dem Ende des Kaiserreichs, den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs und nach dem Fall der Mauer. Dabei gibt es eine starke Traditionslinie, die jede Epoche der Architekturgeschichte sichtbar prägte: die Orientierung an der Kunst der Mittelmeerländer, die der Stadt schon früh einen südlichen Charakter verlieh. Ein Spaziergang offenbart jede Menge überraschender Parallelen – von Schlüters barockem Schloss (Antike! Rom!) über das Forum Fridericianum und das Tieranatomische Theater (Palladio! Vicenza!), das Brandenburger Tor (Athen! Akropolis!), den Reichstag, den Dom und das Bodemuseum bis hin zum Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche nach 1945, zu Franco Stellas Flügel des neuerrichteten Berliner Schlosses oder der James-Simon-Galerie.
Seit dem byzantinischen Bilderstreit und dem Bildersturm der Reformation ist nicht mehr in solcher Intensität über Bilder nachgedacht worden wie in den letzten Jahrzehnten. Neben der Archäologie und der Kunstgeschichte haben sich zahlreiche weitere Fächer an Fragestellungen rund um das Bild geradezu festgebissen. Angesichts dessen geht einer der bedeutendsten Kunsthistoriker der Gegenwart der Frage nach, warum Begriff und Geltung sowie Macht und Ohnmacht von Bildern zu so hartnäckig verfolgten Themen unserer Tage geworden sind. Bilder besitzen zwar als vom Menschen geschaffene Artefakte kein autonomes Leben, entwickeln aber immer wieder eine Präsenz, die sie mehr sein lässt als nur toter Stoff. Mit Blick darauf entwirft Bredekamp als Gegenstück zur Lehre vom Sprechakt eine Theorie des Bildakts.
Die Fenster der Monade
Gottfried Wilhelm Leibniz' Theater der Natur und Kunst
- 280 Seiten
- 10 Lesestunden
Das Buch untersucht die zentrale Rolle von Bildern in der Entwicklung der modernen Philosophie, insbesondere durch die Analyse bedeutender Denker des 17. Jahrhunderts. Der Ausgangspunkt ist die Staatstheorie in Thomas Hobbes' "Leviathan". Im Fokus steht nun Gottfried Wilhelm Leibniz' Konzept eines Theaters der Natur und Kunst sowie eines Atlas der Einbildungskraft, das für das Verständnis seiner Philosophie von großer Bedeutung sein könnte. Trotz Leibniz' hartnäckiger Verfolgung dieser Idee blieb sie in der Forschung weitgehend unbekannt, was auf die fragmentarische Überlieferung seiner Schriften und die Vorliebe der Philosophiegeschichte für transzendierte visuelle und haptische Welten zurückzuführen ist. Neueste Ausgaben seiner Werke ermöglichen es nun, Leibniz' Wertschätzung für die taktile und visuelle Wahrnehmung im Kontext zu betrachten. Das Projekt des Theaters der Natur und Kunst bietet nicht nur eine Ergänzung zu seinen vielfältigen Denkansätzen, sondern auch einen neuen Rahmen. Leibniz' Interesse am Theatrum Naturae et Artis könnte das Gesamtbild seiner Philosophie verändern, indem es die Kluft zwischen Kalkül und Anschauung sowie zwischen der "Fensterlosigkeit" der Monade und der körperlichen Form ihrer Wahrnehmung vertieft und überbrückt.
Sankt Peter in Rom und das Prinzip der produktiven Zerstörung
- 155 Seiten
- 6 Lesestunden
Leibniz und die Revolution der Gartenkunst
- 165 Seiten
- 6 Lesestunden
Wer weiß schon, dass der große Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz wesentliche Anregungen zur Anlage eines Gartens gab? In Hannover, im berühmten Barockgarten von Herrenhausen, zog er seine Vorstellungen von Natur und Kunst aus der Gartengestaltung. Da kein Blatt dem anderen gleicht, erkannte er in der scheinbar unendlichen Formenvielfalt des barocken Gartens die zutiefst individuelle Gestalt der Natur und die Freiheit des Individuellen schlechthin. So wird der Garten zum Laboratorium des Erkenntnisgewinns, und der Mensch, der sich darin bewegt, erfährt über die sinnliche Wahrnehmung – man denke an die Muschelformen in Pflanzen, Bauplastik und Wasserspielen – immer neue Denkanstöße. Horst Bredekamp wagt nicht weniger, als die Geschichte der Gartenkunst vom Kopf auf die Füße zu stellen. Er sieht den Gedanken der Freiheit nicht wie üblich in den sanft geschwungenen Wegen des Landschaftsgartens verwirklicht, sondern in den komplexen Geometrien des Barockgartens: Hier findet sich die eigentliche Revolution!
Darwins Korallen
Frühe Evolutionsmodelle und die Tradition der Naturgeschichte
- 111 Seiten
- 4 Lesestunden
Lebensbaum mit dem Menschen als Krone oder Entwicklung der Arten nach allen Seiten? Bredekamp befragt Darwins Evolutionstheorie und ihre Bilder. Der Name Charles Darwin ist im öffentlichen Bewusstsein untrennbar mit der Theorie vom Überlebenskampf der Arten verbunden. Wenig bekannt ist, von welchen Skrupeln die Ausbildung dieses Prinzips begleitet war. Dies gilt auch für das Baummodell der Evolution, das die Vorstellungen von der Entwicklung der Arten beherrscht und allzugut in sozialdarwinistische Vorstellungen des 19. Jahrhunderts passt. Für Darwin war dieses Baummodell jedoch nur eine Möglichkeit, den Evolutionsprozeß bildlich darzustellen. Zu seinen Alternativen gehörte die Koralle als Symbol der gesamten Naturentwicklung. Bredekamp rekonstruiert die Bedeutungsgeschichte der Koralle, und zeigt, wie Darwin dieses traditionelle Symbol in seine Überlegungen eingeflochten hat: als Modell einer Evolution, die anarchisch in alle Richtungen wächst und nicht – wie beim Baummodell – den Menschen als Krönung der Entwicklung sieht.
Visuelle Argumentationen
Die Mysterien der Repräsentation und die Berechenbarkeit der Welt
Im Jahr 1610 äußerte der englische König Jakob I. seine Besorgnis darüber, dass nichts mehr unerforscht sei, weder die höchsten Mysterien der Gottheit noch die tiefsten Geheimnisse der Herrschaft von Königen und Prinzen. Diese Bemerkung reflektiert die grundlegenden Veränderungen in der Herrschaftsvermittlung der damaligen Zeit. Die politischen Systeme basierten auf Staatstheorien, die durch visuelle Repräsentation etabliert wurden. Die ikonische Qualität des Bildes war entscheidend für die Repräsentationssysteme der Frühen Neuzeit, da nur sie die Mysterien der Herrschaft adäquat darstellen konnten. Der Band untersucht, inwieweit die sich professionalisierenden Künste und Wissenschaften dieser Epoche der Legitimation der Herrschaft entgegenwirkten und welche Gegenstrategien entwickelt wurden. Die Beiträge stammen aus Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften und Germanistik und thematisieren die Diskrepanz zwischen den Mysterien der Herrschaft und der Berechenbarkeit der Welt. Das Bild spielt hierbei eine zentrale Rolle, sowohl als Ort des Konflikts als auch als Raum für Harmonisierungsversuche. Horst Bredekamp, Kunsthistoriker und Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, fokussiert sich auf Themen wie Bildersturm, Skulptur der Romanik, Kunst der Renaissance und des Manierismus sowie politische Ikonographie.
Ursprung des Bildakts
- 176 Seiten
- 7 Lesestunden
Der Ursprung des Bildakts bindet die in den letzten drei Jahrzehnten erzielten Forschungsergebnisse der Vor- und Frühgeschichte kunsthistorisch ein und ist als anthropologische Grundlegung einer Wirkmacht der Form konzipiert. Fossilien-Inklusionen in Faustkeilen erlauben eine materiale und philosophische Bestimmung der «ikonischen Differenz» (Boehm), die für das Verständnis des Bildakts fundamental ist.

