Ein König, vom Herrschen angewidert, verspürt plötzlich Lust, sich unter sein Volk zu mischen. Ein bekanntes Märchenmotiv. Nur ist der "König" diesmal ein Fürsorgebeamter und sein "Volk" die Klientel des Sozialamtes. An einem scheinbar normalen Arbeitstag besucht der Beamte die Wohnung von Selbstmördern, die dort ein Kind hinterlassen haben. Er beschließt, Beruf und Familie den Rücken zu kehren und bei dem Kind zu bleiben. Die Sorge für dieses Kind soll ihm Eintritt verschaffen in die Gesellschaft, über der er bisher gestanden hat. Der das Elend verwaltete, entschließt sich, das Elend zu teilen. Seine Revolte währt indes nicht lange. Er bekommt Besuch von seinem Stellvertreter im Amt, der ihm schließlich mit geschlossener Anstalt droht. Der "König" kehrt heim: "Ich bin kein Märtyrer. Ich habe Angst." Sein mühsam kaschierter Rückzug verrät, daß hier jemand ein Besucher bleiben möchte, der sehr genau weiß, daß er eigentlich kein Besucher mehr sein darf, sondern zu handeln hat.
Hans Hom Bücher



Der Tod in Venedig und andere Erzählungen
- 336 Seiten
- 12 Lesestunden
Novellen und Erzählungen begleiten das Schaffen Thomas Manns von den ersten Anfängen an. Ob er nun im 'Tod in Venedig' eine moderne Variation des ewigen Themas des platonischen Eros gibt; ob er den Leser mit den 'Vertauschten Köpfen' in die indische Märchenwelt oder mit dem 'Gesetz' in die Zeit des Propheten Moses führt; ob er in 'Schwere Stunde' ein knappes Portrait Schillers zeichnet, in 'Gladius Dei' die Atmosphäre Münchens um die Jahrhundertwende beschwört oder im 'Tristan' von dem wunderlichen Schriftsteller Detlev Spinell erzählt: „Immer ist er mittendrin ganz und gar, und seine leidenschaftliche Versenkung in den Vorgang, die Person, die Seelenlage, sie zieht uns hinein und läßt uns nicht los.“ (Erich Kahler)
Der Gesang der Neuronen
- 252 Seiten
- 9 Lesestunden
Eine schöne Zukunft: Luft und Flüsse sind wieder sauber, jeder hat genug zu essen - und noch mehr Freizeit, Zeit, um sie am Fernsehschirm zu verbringen. Das hat zur Entstehung einer gigantischen Freizeitindustrie geführt, die mit immer subtileren Nervenkitzel die Gier des Publikums nach immer wieder neuen Sensationen zu befriedigen hat. Und Duncan Chalk, Boss eines marktbeherrschenden Vergnügungskonzerns und Sinnbild der übersteigerten Genusssucht, lebt buchstäblich vom Schmerz und Leid seiner Mitmensehen ... Da ist ein Mann, den Chirurgen auf einer fremden Welt seziert und auf ihre Weise wieder zusammengesetzt haben, mit fremdartigen Organen im Körper, die ihm qualvolle Schmerzen bereiten, und von so abstoßender Abnormität seines Äußeren, dass er sich in ein dunkles Zimmer verkriecht, weil sein Anblick unerträglich ist ... Da ist ein Mädchen, mit siebzehn Jahren Mutter von hundert Kindern, weil gewissenlose Mediziner mit ihr experimentiert, ihre Eier künstlich befruchtet und die Embryos in den Labors aufgezogen haben ... Man bringt die beiden "zufällig" zusammen. Ein Experiment. Geld spielt keine Rolle. Werden die beiden ... ? Und Millionen von Zuschauern sind dabei, ohne dass die beiden entsetzlich an Leib und Seele geschundenen und verstümmelten Kreaturen es merken ... Doch sie alle haben nicht mit der Kraft gerechnet, die aus dem Schmerz erwachsen kann.