Ein edler, leidenschaftlicher Mann, gezeichnet und von einer dunklen Ausnahme geprägt, wird von Thomas Mann in einer Novelle dargestellt, die sich mit dem plötzlichen Einbruch der Leidenschaft in das Leben eines homoerotisch veranlagten Menschen beschäftigt. Gustav Aschenbach, ein nicht mehr junger Schriftsteller, entdeckt am Lido in Venedig den apollinisch schönen Knaben Tadzio. In seinen Gedanken steigert sich Aschenbach in eine unerfüllbare Liebe zu Tadzio und riskiert damit, was ihm am wünschenswertesten erscheint. Thomas Mann erklärte später, dass Aschenbachs Sehnsucht nach Tadzio das Problem der Schönheit widerspiegelt, bei dem der Geist das Leben als Schönheit empfindet. Der Geist, der liebt, ist nicht fanatisch, sondern wirbt mit einer erotischen Ironie um das Objekt seiner Begierde. Mann wollte seine Novelle als eine Übersetzung eines der schönsten Liebesgedichte der Welt ins Kritisch-Prosaische verstanden wissen, dessen Schlussstrophe mit den Worten beginnt: „Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste.“ In dieser Erzählung wird die komplexe Beziehung zwischen Schönheit, Liebe und dem Streben nach unerreichbaren Idealen thematisiert, während Aschenbachs innere Konflikte und seine Suche nach Erfüllung im Mittelpunkt stehen.
Hans Hom Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)



Ein König, vom Herrschen angewidert, verspürt plötzlich Lust, sich unter sein Volk zu mischen. Ein bekanntes Märchenmotiv. Nur ist der "König" diesmal ein Fürsorgebeamter und sein "Volk" die Klientel des Sozialamtes. An einem scheinbar normalen Arbeitstag besucht der Beamte die Wohnung von Selbstmördern, die dort ein Kind hinterlassen haben. Er beschließt, Beruf und Familie den Rücken zu kehren und bei dem Kind zu bleiben. Die Sorge für dieses Kind soll ihm Eintritt verschaffen in die Gesellschaft, über der er bisher gestanden hat. Der das Elend verwaltete, entschließt sich, das Elend zu teilen. Seine Revolte währt indes nicht lange. Er bekommt Besuch von seinem Stellvertreter im Amt, der ihm schließlich mit geschlossener Anstalt droht. Der "König" kehrt heim: "Ich bin kein Märtyrer. Ich habe Angst." Sein mühsam kaschierter Rückzug verrät, daß hier jemand ein Besucher bleiben möchte, der sehr genau weiß, daß er eigentlich kein Besucher mehr sein darf, sondern zu handeln hat.
Der Gesang der Neuronen
- 252 Seiten
- 9 Lesestunden
Eine schöne Zukunft: Luft und Flüsse sind wieder sauber, jeder hat genug zu essen - und noch mehr Freizeit, Zeit, um sie am Fernsehschirm zu verbringen. Das hat zur Entstehung einer gigantischen Freizeitindustrie geführt, die mit immer subtileren Nervenkitzel die Gier des Publikums nach immer wieder neuen Sensationen zu befriedigen hat. Und Duncan Chalk, Boss eines marktbeherrschenden Vergnügungskonzerns und Sinnbild der übersteigerten Genusssucht, lebt buchstäblich vom Schmerz und Leid seiner Mitmensehen ... Da ist ein Mann, den Chirurgen auf einer fremden Welt seziert und auf ihre Weise wieder zusammengesetzt haben, mit fremdartigen Organen im Körper, die ihm qualvolle Schmerzen bereiten, und von so abstoßender Abnormität seines Äußeren, dass er sich in ein dunkles Zimmer verkriecht, weil sein Anblick unerträglich ist ... Da ist ein Mädchen, mit siebzehn Jahren Mutter von hundert Kindern, weil gewissenlose Mediziner mit ihr experimentiert, ihre Eier künstlich befruchtet und die Embryos in den Labors aufgezogen haben ... Man bringt die beiden "zufällig" zusammen. Ein Experiment. Geld spielt keine Rolle. Werden die beiden ... ? Und Millionen von Zuschauern sind dabei, ohne dass die beiden entsetzlich an Leib und Seele geschundenen und verstümmelten Kreaturen es merken ... Doch sie alle haben nicht mit der Kraft gerechnet, die aus dem Schmerz erwachsen kann.